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Afrika-Experte Schäfer: Alle Trainer fliegen raus

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Winfried Schäfer (rechts) bei seinem Auslandseinsatz in Kamerun mit Rigobert Song
Winfried Schäfer (rechts) bei seinem Auslandseinsatz in Kamerun mit Rigobert Song © dpa

Hamburg - Den Teams aus Afrika droht bei der ersten Heim-WM ein Desaster. Drei Ex-Nationaltrainer aus Deutschland überrascht das Versagen nicht, denn Chaos, Eigensinn und kurzfristiges Denken hemmen den Fortschritt.

Utopische Hoffnungen, Chaos in den Verbänden und ständige Rotation auf dem Trainerstuhl - für die deutschen Entwicklungshelfer steckt der Fehler im afrikanischen Fußball-System. Nur eine kleine WM-Episode reicht Otto Pfister, um das ganze Dilemma zu beschreiben. “Bei Kamerun saß im ersten Spiel ein Spieleragent direkt neben dem Trainer auf der Bank. Das gibt's doch nicht“, zürnt der langjährige Afrika-Experte.

Das WM-Maskottchen und seine Vorgänger seit 1966

Selbst bei der ersten WM auf dem heimischen Kontinent können die Teams die Prophezeiung als vermeintlich aufstrebende Ballmacht nicht erfüllen. “Ich nehme an, kein Trainer einer afrikanischen Mannschaft wird das Turnier überleben“, prophezeit der frühere Nationalcoach von Kamerun und Togo. Nur der deutsche Gegner Ghana kann das Vorrunden-Aus noch aus eigener Kraft verhindern.

Die Probleme sind wie in der Vergangenheit hausgemacht. Wenige Monate vor Turnierstart setzten Nigeria und die Elfenbeinküste plötzlich auf einen neuen Coach aus Schweden, der jeweils sein taktisches Korsett mitbrachte. “Man sieht, dass die Ivorer gegen ihr Naturell zu defensiv spielen. Sie bringen ihre afrikanischen Wurzeln und europäische Disziplin nicht unter einen Hut“, begründet Uli Stielike, der bis 2008 für die Elfenbeinküste verantwortlich war, den schwachen Auftritt von Didier Drogba und Co.

Seit der vergangenen WM haben die sechs afrikanischen Teams 24 verschiedene Übungsleiter beschäftigt - die Ivorer kommen in zwei Jahren sogar auf vier Trainer. “Man muss aber langfristig planen, damit sie sich an die Mentalität gewöhnen können. In kurzer Zeit kann man den Spielern nicht ins Herz schauen“, sagt Stielike.

1990 flogen Kamerun bei der ersten Viertelfinale-Teilnahme eines afrikanischen Teams noch die Herzen der Fußball-Welt zu. “Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt: Wenn die Organisation, die Prämienreglung stimmt und der richtige Trainer kommt - er die Zeit hat und gewissenhaft arbeitet - dann muss eine Mannschaft wie die Elfenbeinküste, Nigeria, Ghana oder Kamerun ins Finale kommen“, betont Winfried Schäfer. Die Realität hat der 60-Jährige bei der WM vor acht Jahren selbst erlebt. Aufgerieben von zähen Verhandlungen um Prämien und einer Reise-Odyssee nach Japan zerfleischten sich die von ihm trainierten Kameruner bereits in der Vorrunde selbst.

Trotz ihres Superstars Samuel Eto'o haben die Zentralafrikaner auch in Südafrika schon keine Chance mehr auf das Achtelfinale. Dem Gastgeber, Algerien, Nigeria und der Elfenbeinküste droht dasselbe Schicksal. Von zusammen zwölf Partien gewannen die Afrikaner bislang nur eine. “Ich bin enttäuscht“, bekennt Schäfer.

Die Unzufriedenheit bei den Fußball-Bossen dürfte schnell nach der WM für neuen Aktionismus sorgen. “Die afrikanischen Länder haben Weltklassespieler überall, aber die Funktionäre zerfleischen sich untereinander. Und die Funktionäre sind nicht wegen ihrer Fachkompetenz im Amt, sondern aus politischen Gründen“, weiß Pfister, der bereits 1972 in Ruanda seinen ersten Afrika-Job übernahm.

Meist sind es die Sportminister, selbst nur für kurze Zeit im Amt, die Erfolge um jeden Preis sehen wollen. “Die Erwartungshaltung ist utopisch. So hat Nigerias Präsident zum Beispiel gesagt: 'Wir wollen Weltmeister werden'. Der Fußball hat so viel Macht in Afrika, dass selbst Staatspräsidenten bei Misserfolgen ihrer Mannschaft um ihren Job fürchten müssen“, sagt Pfister.

Damit der afrikanische Fußball endlich aus dieser Spirale von enttäuschenden Ergebnissen und überzogenen Reaktionen ausbrechen kann, fordern die Kenner der Szene langlebige Konzepte. “2014 ist die nächste WM, da muss ich jetzt bereits mit der Vorbereitung anfangen. Systematisch Spieler beobachten, gute Jugendtrainer holen, versuchen die Talente im eigenen Land zu halten“, sagt Winfried Schäfer. Doch die Erfahrung lehrt ihn etwas anderes: “Die Afrikaner denken nur an das Heute.“

dpa

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