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100 Jahre Stadion Bieberer Berg: Ganz besondere Anziehungskraft

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Von: Holger Appel

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Offenbacher Idylle. Das Stadion mit Blick über den Stadtteil Bieber Richtung Spessart.
Offenbacher Idylle. Das Stadion mit Blick über den Stadtteil Bieber Richtung Spessart. © Hübner

Vor genau 100 Jahren traten die Offenbacher Kickers erstmals im Stadion auf dem Bieberer Berg an. Oberliga, Regionalliga, 3. und 2. Liga, Bundesliga, DFB-Pokal und sogar ein Spiel im Europapokal; glanzvolle Siege und große Enttäuschungen – den Fans wurde viel geboten an diesem Kultort.

Offenbach – Dieter Müller, ehemaliger Nationalspieler und 12 Jahre Präsident der Kickers, hat in seiner Biografie „Meine zwei Leben“ treffende Sätze über das legendäre Stadion formuliert: „Für jeden halbwegs fußballbegeisterten Jungen in Offenbach übte die Spielstätte des OFC eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Wenn die beiden Flutlichtmasten an einem Freitagabend oben auf dem Berg über der Stadt erstrahlten, war das ein Festtag. Die Abendspiele waren bei den Gegnern gefürchtet, so manche verloren geglaubte Partie wurde mit der frenetischen Unterstützung der Fans noch gedreht. Die Ränge stiegen direkt vom Spielfeldrand auf, zwischen Spielfeld und Tribüne lagen nur wenige Meter. Das sorgte für diese ganz spezielle Stimmung.“

Müller, inzwischen 67 Jahre alt, bezieht das auf die Zeit Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre, als die Offenbacher Kickers in ihrer Glanzzeit zwischen 1. und 2. Liga pendelten. Als Müller aus der Jugend zu den Profis aufrückte, stand das Stadion seit etwa 50 Jahren. Damals fasste das Stadion noch 30000 Zuschauer, war oft gut gefüllt, was in diesen nervigen Corona-Zeiten wehmütige Erinnerungen hervorruft.

Bei der Eröffnung im Mai 1921 fanden auf der aus Holz errichteten Haupttribüne 1200 Zuschauer Platz. Im Jahre 1952 entstand gegenüber der Haupttribüne eine überdachte Stehtribüne. Die erste Flutlichtanlage mit vier Masten folgte 1956. Die Haupttribüne wurde 1960 neu gebaut, 1968 folgten die Stahlrohrtribüne und eine Flutlichtanlage, die aus nur zwei Lichtmasten bestand. 1973 entstand auf der Bieberer Seite die Südosttribüne. 1992 übergab die Stadt den Kickers das Stadion in Erbpacht. Unsere Mediengruppe unterstützte 1993 die Sanierung der völlig maroden Haupttribüne mit der Spendenaktion „Rettet den Bieberer Berg“. Da kam sogar der große FC Bayern München zum ersten Benefizspiel nach Offenbach.

Das Land Hessen stellte mit dem Investitionsprogramm „Sportland Hessen 2005–2007“ 1,2 Millionen Euro für die mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga notwendig gewordene Sanierung des Stadions bereit, unter anderem für Block 2 auf der überdachten Stehtribüne. In der Sommerpause der Saison 2006/07 erhielt das Stadion einen neuen Rasen samt Heizung. Ein Jahr später folgte unter der Südosttribüne ein neuer Kabinentrakt für Mannschaften und Schiedsrichter. Der Magistrat der Stadt Offenbach beschloss im Juni 2009 nach langen Debatten einen 25 Millionen Euro teuren Neubau.

Der Eingang zur damaligen Sportstätte Bieberer Berg im Jahr 1921, fotografiert aus dem Kickers-Buch von Daniela Kohls aus dem Jahr 1995.
Der Eingang zur damaligen Sportstätte Bieberer Berg im Jahr 1921, fotografiert aus dem Kickers-Buch von Daniela Kohls aus dem Jahr 1995. © Archiv

Im Februar 2011 begann während der Saison in der 3. Liga der Abriss, die Bremer AG aus Paderborn stellte das neue Stadion mit vier einzelnen Tribünen zusammen – ganz nach englischem Vorbild. Eine Besonderheit stellt die Gegengerade des Stadions dar. Anders als in anderen Stadien befinden sich hier keine Sitzplätze, sondern die Stehplätze der Kickers-Fans.

Die Kickers weihten ihr neues Stadion, in das 20500 Zuschauer hineinpassen, am 18. Juli 2012 mit einem Freundschaftsspiel gegen Bayer Leverkusen ein.

Die Sparda-Bank Hessen war viele Jahre Namensgeber des Stadion. Nun, im Jubiläumsjahr, ist es wieder deutlich mit dem Ort verbunden, auf dem es steht: Stadion am Bieberer Berg.

Am Freitag, 21. Mai, finden Sie in unserer Zeitung eine Sonderbeilage „100 Jahre Bieberer Berg“. 48 Seiten rund um das legendäre Stadion. (Von Holger Appel)

Viele Rockstars spielten im Stadion

Nicht nur viele Fußballstars sondern auch weltbekannte Rockstars sind auf dem Bieberer Berg aufgetreten, als Schallgutachten noch nicht ganz oben auf der Agenda standen. Einige Beispiele: Simon and Garfunkel waren 1982, David Bowie 1983 und 1997 zu Gast. Unvergessen das Mini-Woodstock im Juni 1984: Da rockten die Rodgau Monotones neben Joan Baez, Carlos Santana und Bob Dylan. Bruce Springsteen trat 1999 in Offenbach auf, Herbert Grönemeyer im Mai 2003. (app)

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