Kickers haken 1:3 in Frankfurt ab, Drumherum aber nicht

6000 Rote Karten gegen Gewalt und Intoleranz

Offenbach - Die 1:3-Niederlage vom vergangenen Samstag bei der U23 der Frankfurter Eintracht hat Rico Schmitt abgehakt, das Drumherum im Stadion am Bornheimer Hang aber nicht. Von Holger Appel

Der Trainer der Offenbacher Kickers, nach neun Spieltagen Tabellenfünfter der Fußball-Regionalliga Südwest, sagte vor dem Heimspiel am Samstag, 14. 00 Uhr, gegen Aufsteiger SVN Zweibrücken: „99 Prozent unserer Zuschauer leben den Fußball förmlich, aber einige Idioten, die mit Sport vermutlich gar nichts zu tun haben, nutzen ihn als Bühne für ihren Schwachsinn. Das ist richtig bitter für den Verein. Wir waren medientechnisch deutschlandweit präsent, aber nicht in unserem Sinne. “.

Einige - angebliche - Fans der Kickers hatten nach dem Abpfiff im „kleinen Derby“ in Frankfurt den Platz gestürmt und zuvor mit rassistischen Gesängen negativ auf sich aufmerksam gemacht. Von diesen Aktionen distanzierte sich Schmitt gestern nochmals ausdrücklich und bezog deutlich Stellung. Er sagte: „Intoleranz hat bei Kickers Offenbach keinen Platz. Man muss sich doch nur unsere Mannschaft anschauen: Sie ist ganz gemischt, mit Spielern aus ganz unterschiedlichen Nationalitäten. Wir leben Toleranz doch vor.“

Das versuchen Kickers am Samstag nochmals zu beweisen. Unter dem Motto „Zeigt Gewalt und Intoleranz die Rote Karte“ wollen sie ihre Fans miteinbeziehen und für ein friedliches Miteinander sorgen. Dafür lassen sie Rote Karten drucken und an die erhofften 6.000 Zuschauer verteilen.

Das erinnert an die Aktion von DFB und DFL in der Zeit vom 20. bis 23. Oktober 2006. Damals zückten die Zuschauer in den Stadien von der Bundesliga bis zu den Regionalligen ebenfalls Pappkartons unter dem Motto: „Zeig’ Rassismus die Rote Karte!“ Die Kickers spielten damals in der 2. Liga beim FC Hansa Rostock und verloren 1:2.

Rote Karten in Din A5:

Im Bereich aller Tribünen werden morgen rote Karten verteilt beziehungsweise ausgelegt. Außerdem wird im Stadionmagazin auf einer Seite eine rote Karte und der Slogan „Zeig Gewalt und Intoleranz die rote Karte“ abgedruckt sein. Alle Stadionbesucher werden gebeten, die Karten in Din A5-Größe beim Einlaufen hochzuhalten und damit die Aktion zu unterstützen.

Auslöser dieser deutschlandweiten Aktion waren rassistische Beschimpfungen von Fans der Rostocker-Reserve im DFB-Pokal gegen den Schalker Gerald Asamoah einige Wochen zuvor. Medien berichteten in dieser Zeit zudem von gehäuften antisemitischen Vorfällen aus den Amateurligen - DFB und DFL reagierten.

Am Samstag starten die Kickers nach den Vorfällen von Frankfurt also ein Soloprojekt gegen Gewalt und Intoleranz. Die Mannschaft wird gegen den SVN Zweibrücken dafür auch mit einem entsprechenden Spruchband (aber ohne den weiter verletzten Matthias Schwarz) auflaufen. „Die Einstellung mancher Menschen kann man wohl nicht ändern, aber wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte OFC-Verteidiger Stefano Maier vor der Partie gegen den Aufsteiger, der mit drei Siegen (darunter ein 3:2 beim Tabellenführer FSV Mainz 05 II), drei Unentschieden und drei Niederlagen) eine ordentliche Rolle in der Regionalliga spielt.

Wurfgeschosse in Stadien

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

Mit einem Heimsieg - das wäre nach dem 1:0 gegen den SSV Ulm und dem 2:1 gegen die Mainzer Reserve der dritte in Folge - wollen Schmitt und seine Spieler wieder für positive Schlagzeilen sorgen, wohlwissend, dass das Spiel zunächst nur für die lokalen Medien interessant ist und deutschlandweit normalerweise wenig Beachtung findet. Mit dieser Aktion gegen „Gewalt und Intoleranz“ versuchen sie auch dagegen anzukämpfen.

Die Regionalliga-Partie 1. FC Kaiserslautern II gegen Kickers Offenbach findet bereits am Freitag, 8. November, 19.00 Uhr, statt. Ursprünglich war sie für Samstag, 9. November, vorgesehen.

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