Ungewöhnliche Karriere des Jake Hirst

Von der achten in die vierte Liga

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„Er ist ein kompletter Stürmer“, lobt der Ex-Offenbacher Tufan Tosunoglu Jake Hirst (Mitte). Der Spielertrainer des Kreisoberliga-Meisters TSV Bad Nauheim wird wohl künftig ohne seinen Angriffspartner auskommen müssen.

Offenbach - Es ist eine der erstaunlichsten Geschichten in dieser Sommerpause. Heute könnte aus dem viertklassigen Tennisspieler Jake Hirst der viertklassige Fußballer Jake Hirst werden. Von Jörg Moll 

Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, wird der 22-Jährige heute einen Vertrag bei Kickers Offenbach unterzeichnen. Der Aufstieg von der achtklassigen Kreisoberliga Friedberg in die Regionalliga Südwest wäre somit perfekt.

„Ich hatte gar nicht mit so einer Chance gerechnet“, räumte Hirst ein: „Aber wenn ich sie jetzt habe, will ich das auch machen“, sagt der 1,94 Meter lange Schlaks. Hirst hatte beim 4:2-Sieg im Testspiel beim Verbandsligisten Hanau 93 drei Tore erzielt und hätte drei weitere machen können. Sein Fazit nach zwei Wochen in Offenbach fällt positiv aus: „Es macht viel Spaß, aber es ist von der Intensität her etwas ganz anderes als bisher. Da muss ich mich reinfinden.“ Bisher, das hieß für den 22-jährigen Engländer, der in Deutschland geboren wurde und bei Passantrag als Fußball-Deutscher unter die U23-Regel fallen würde, zweimal Training die Woche beim Kreisoberligisten Türk. SV Bad Nauheim, für den er seit Winter 2017 an der Seite des früheren Offenbachers Tufan Tosunoglu stürmt.

„Ich kann nur Positives über ihn sagen“, lobt der Spielertrainer des TSV: „Er ist schnell, groß, technisch gut, dazu hat er einen guten Schuss und ist topfit“. Der 29-Jährige, der selbst 31-mal für den OFC in der 3. Liga und zweimal für den FSV Frankfurt in der 2. Bundesliga auflief, rätselt, „warum nicht früher höherklassige Klubs aufmerksam geworden sind“. Hirst sei ein ruhiger Vertreter abseits des Platzes, „aber im Training und im Spiel gibt er alles, ich traue ihm sogar mehr als Regionalliga zu“.

Die Mannschafts- und Spielerfotos von Kickers Offenbach

Hirsts Fußball-Karriere geriet früh ins Stocken. Knieprobleme, hervorgerufen durch das Wachstum, bremsten ihn. Mit 18 Jahren wechselte er von der TSG Ober-Wöllstadt in die A-Jugend-Hessenliga zum FSV Frankfurt, kehrte nach einem halben Jahr zurück zur TSG. Im Winter 2017 ging er zum TSV Bad Nauheim. Zehn Tore (in elf Spielen) im Abstiegskampf der Gruppenliga Frankfurt West reichten nicht zum Happy End. Hirst blieb trotz Abstieg und ballerte den TSV mit 51 Toren in 28 Partien zum Kreisoberligatitel.

Weil ihm zwei-, dreimal Fußball zu wenig war, widmete sich Hirst auch der Leidenschaft seiner Eltern, die in Bad Nauheim eine Tennisschule leiten. Vater David war einst Englischer Meister, Mutter Beverley Hessenmeisterin. Sohn Jake spielt Hessenliga beim TC Rot-Weiß Bad Nauheim und arbeitet seit dem Abitur vor vier Jahren auch als Tennistrainer. Ob sich das mit Profifußball verbinden lässt? „Das ist schwer, es ist doch anstrengend. Vielleicht kann ich im Büro helfen“, sagt Hirst lächelnd.

Bilder: Kickers gewinnen in Hanau

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