Identität stiften zwischen Tradition und Moderne

Adios, Chiclana! OFC und „Familie Kickers“ reisen ab  

Chiclana de la Frontera - Das letzte Buenos Dias aus Chiclana müsste eigentlich Adios Chiclana heißen. Heute früh um 6.30 Uhr fuhr der Bus vor, der den gesamten OFC-Tross zurück zum Flughafen Jerez de la Frontera brachte.

Vor dem Gang in den Flieger zurück nach Offenbach schwirrten im Kopf unzählige Eindrücke, eine Reihe von Fragen – und mein Versprechen an Chiclana: Beim nächsten Mal werde ich mehr erleben von Land und Leuten. Cadiz oder Jerez wollen entdeckt werden. Oder jene Inselfestung vor Sancti Petri, die beim Blick aus meinem „Arbeitszimmer“ im Hotel Barrosa Palace verschwommen am Horizont zu erahnen war.

Für die imponierendsten Eindrücke dieser Reise ins Trainingslager der Offenbacher Kickers sorgten die 60 positiv verrückten Fans, die ihrem Klub täglich, mit allerlei Vereins-Textilien bekleidet, nahe sein wollten. Fans, die auf ihrem Zimmer Fangesänge übten. Fans, die am Pool rot-weiße Schals strickten oder Spielern in Klarsichthüllen verpackte Fotos von Bahnreisen zum DFB-Pokalfinale 1970 zeigten. Jungen Spielern, die in ihrer Freizeit Videos und Selfies auf Instagram posten. Versehen mit Hashtags, die meist für ratloses Achselzucken sorgen. Doch umgekehrt ist es genauso, wenn sie von den Heldentaten eines „Pille“ Gecks oder Karlheinz Volz hören. Vor fast 48 Jahren, als die Eltern der Maiers, Hodjas oder Firats selbst noch Kinder waren.

Es sind Fans, bei denen die Nähe zu Spielern und Trainern nach eigener Aussage Gänsehaut produziert. Die „Familie Kickers Offenbach“ kann das. „Scheißegal, in welcher Liga“, singen sie gerne mal. Und sie meinen es ernst. Noch ein Jahr Regionalliga? „Egal, es geht immer weiter.“

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Geht das wirklich? Eine Leidenschaft, die so oft Leiden schafft – ein Leben lang? Die Wahrheit ist wohl: Ja. Das geht. Wenn der Transformationsprozess gelingt: Tradition und Identität bewahren ist die eine Seite, die Moderne nicht ignorieren die andere. Identität stiften genau jene positiv verrückten Fans. Den Weg in die Moderne weisen muss der Verein. Mit einem Management, das aus wenig auf verantwortliche Art zunehmend mehr macht.

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Einen historischen Beitrag leisten können die Maiers, Hodjas oder Firats. Nicht nur durch die Selfies, die in sozialen Netzwerken den Namen Kickers Offenbach verbreiten. Sollte ihnen tatsächlich der Aufstieg in die 3. Liga gelingen, wäre ihnen ungleich Wertvolleres gelungen: Sie hätten auf ewig einen festen Platz in den Herzen jener positiv verrückten Fans gewonnen.

Rubriklistenbild: © Archivbild: Jan Huebner

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