„Anfangs hat mir alles wehgetan“

OFC-Überflieger Jake Hirst über die Unterschiede zur 8. Liga  

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Und wieder hat er getroffen: Zugang Jake Hirst nach seinem Tor zum 1:0 gegen die Hoffenheimer Bundesliga-Reserve. Nach vier Einsätzen stehen für ihn bereits fünf Treffer zu Buche.

Offenbach - Jake Hirst hat zurzeit das, was man einen Lauf nennt. Der Bad Nauheimer hat mit 22 Jahren den Sprung aus der Fußball-Kreisoberliga vier Klassen nach oben in die Regionalliga Südwest gewagt. Bei seinem neuen Klub Kickers Offenbach hat er mit fünf Toren in vier Spielen eingeschlagen. Von Philipp Keßler und Michael Nickolaus

Jake Hirst, wie oft müssen Sie sich momentan zwicken?

Ich habe von vorneherein gesagt, dass ich keine Vision habe. Ich gehe einfach raus, gebe mein Bestes und schaue dann, was daraus wird. Dass es jetzt so gekommen ist, ist perfekt.

Die OFC-Fans singen bereits „Jake Hirst’s on fire“ in Anlehnung an „Will Grigg’s on fire“. Wie nehmen Sie das wahr?

Ich versuche, es als Motivation mitzunehmen. Jeder weiß, wenn man in Offenbach als Mannschaft alles gibt und gut spielt, dann stehen die Fans immer hinter einem und dann ist man eigentlich immer in Überzahl. Das zu erleben, ist umso schöner.

Sie haben erst mit 22 Jahren den Sprung aus der Kreisoberliga in die Regionalliga geschafft. Warum?

Das lag an meiner Verletzung. Ich hatte durch einen Wachstumsschub in der Jugend eine Reizung am Ansatz der Patellasehne im Übergang zum Schienbein. Man hat mir damals gesagt, dass ich bei der Eintracht hätte bleiben können, wenn ich das nicht gehabt hätte. Das wäre mein erstes Jahr in der Jugend-Regionalliga gewesen. Im Endeffekt war es auch korrekt, denn ich habe das ja ein halbes Jahr mitgemacht. Fast überall wurde auf Kunstrasen gespielt, und da konnte ich nach einer Viertelstunde keinen Schritt mehr machen. Dann habe ich ein halbes Jahr gar nichts gemacht, und es hat sich von selbst eingependelt.

Im Mai hatten Sie sich auf Hessenliga-Tennis fokussiert. Wie kam es zum Umschwung?

Wenn man die Chance hat, in Offenbach bei so einem Traditionsverein zu spielen, dann muss man nicht lange überlegen – zumindest dann nicht, wenn man den Sport liebt und letztlich dafür lebt.

War die Einladung zum Probetraining in Offenbach eine Überraschung für Sie?

In gewisser Weise natürlich schon, weil ich nicht damit gerechnet habe. Meine Berater haben guten Kontakt zu Trainer Daniel Steuernagel und dann kam der Anruf, ob ich nicht mal eine Woche mittrainieren wollte.

Sie sind jetzt knapp acht Wochen beim OFC: Wo lag die schwerste Umstellung?

Die ersten paar Wochen hat mir jeden Tag alles wehgetan. Aber der Körper gewöhnt sich daran. Nach meinem ersten Spiel über 90 Minuten gegen Hoffenheim war es die folgenden drei, vier Tage körperlich sehr hart.

Was sind die größten Unterschiede auf dem Platz?

Taktisch gesehen habe ich von früher glücklicherweise eine gute Ausbildung. Das verlernt man nicht. Man muss aber wieder reinkommen. Das dauert ein paar Wochen, aber jetzt wird es langsam einfacher. Sonst ist es natürlich das Körperliche. Man hat als Stürmer weniger Zeit, weniger Platz und muss seinen Körper klüger einsetzen, das Spiel schneller lesen und sich schneller entscheiden. Aber wenn man das jeden Tag trainiert, kommt man auch da wieder rein. Die Jungs nehmen nämlich im Training keine Rücksicht. Das war am Anfang schwer, jetzt geht es.

Kickers Offenbach gegen FSV Frankfurt - das Derby in Bildern

Kam es überraschend, dass die erste Chance für einen Einsatz so schnell für Sie kam?

Ich habe im Training gemerkt, dass es immer besser lief, von daher wusste ich, dass ich meine Chance bekommen werde. Man hat ja als Spieler auch ein Gefühl, was dann am Wochenende passiert. Von daher kam es nicht so überraschend.

Wo soll es für Sie persönlich und den Klub in dieser Saison noch hingehen?

Wichtig ist erst einmal, von Woche zu Woche Leistung zu bringen. Ich will mich jetzt ein paar Jahre voll auf den Fußball konzentrieren und sehen, wo mich der Weg hinführt. Es kommt, wie es kommt.

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