Aytekin entscheidet das Derby

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Spielentscheidender Moment: Der schwache Schiedsrichter Deniz Aytekin stellt Offenbachs Lars Bender (links) nach seiner Grätsche gegen den Wehener Nils-Ole Book (am Boden) mit Rot vom Platz (54.). Danach machte Wehen aus einem 0:1 ein 3:1.

Wiesbaden - Starke Leistung, viel Lob - aber kein Punkt für die Kickers. Die Offenbacher waren im Hessen-Derby beim SV Wehen Wiesbaden lange Zeit die bessere Mannschaft, führten 1:0 und gleichzeitig den Gegner vor. Alles sah nach einem Sieg für den OFC aus. Von Jochen Koch

„Aber dann hat irgendjemand etwas dagegen gehabt, dass wir gewinnen“, sagte Arie van Lent und meinte den überforderten Schiedsrichter Deniz Aytekin. Der Unparteiische war der schlechteste Mann auf dem Platz und brachte die Hektik mit sechs Verwarnungen und zwei Platzverweisen ins Spiel.

Gegen zehn Offenbacher drehten die Wehener das Spiel

In der 54. Minute stellte er Lars Bender nach einer Grätsche vom Platz. „Unberechtigt“, sagten die Offenbacher. Zumal er in der ersten Halbzeit bei exakt der gleichen Aktion den Wehener Nils-Ole Book nur verwarnt hatte. Gegen zehn Offenbacher drehten die Wehener das Spiel zum 2:1. Als Aytekin kurz vor Schluss auch noch Christopher Lamprecht mit Gelb-Rot vom Platz stellte, kochte die Offenbacher Volksseele. In der Nachspielzeit file das 3:1.

Nach dem Schlusspfiff spielten sich auf dem Platz wilde Szenen ab. Kickers-Zeugwart Eric Wege schlug sich mit einem Wehener Betreuer. Robert Wulnikowski packte Wehens Trainer Gino Lettieri am Kragen. Die Rudel auf dem Platz konnten nur mühsam getrennt werden.

Die OFC-Spieler in der Einzelbewertung

Das OFC-Zeugnis

Trainer Arie van Lent hatte nach dem schwachen Auftritt gegen Arminia Bielefeld Stefan Hickl nicht nur aus der Startelf sondern gleich aus dem Kader gestrichen. Nach einwöchiger Verletzungspause war Pascal Testroet wieder fit, begann im Sturm. Taktisch hatte van Lent sein System umgestellt, ließ erstmals im 4-4-2 mit zwei Spitzen (Testroet und Stefan Vogler) spielen.

Die Kickers hatten erstaunlicherweise kaum Eingewöhnungsprobleme. Die Aufteilung im Raum und Verteilung der Aufgaben funktionierte gut. Die wenigen brenzligen Situationen im Kickers-Strafraum entstanden nur nach Eckbällen. Die klareren Möglichkeiten hatten die Kickers. Sie kombinierten gut nach vorne, gingen in der 43. Minute in Führung. Die Flanke von Schwarz drückte Kai Hesse aus vier Metern über die Linie. Nach 230 Minuten wieder ein Treffer für den OFC, den die 2000 mitgereisten Fans feierten.

Der Live-Ticker zum Nachlesen

Die Kickers erwischten den besseren Start in der zweiten Halbzeit. Vogler hatte nach einem glänzend herausgespielten Konter allein vor Gurski die Riesenchance, scheiterte aber am Torwart (48.) - das 2:0 wäre die Entscheidung gewesen. So aber kamen die bis dahin enttäuschenden Hausherren mit Hilfe von Schiedsrichter Aytekin wieder ins Spiel. Eine Grätsche von Lars Bender kurz hinter der Mittellinie bestrafte Aytekin überzogen mit der Roten Karte (54.). Die Wehener Ersatzbank, mit Trainer Gino Lettieri vorne weg, war sofort aufgesprungen, hatte Rot gefordert. Mit Erfolg. „In jedes Stadion gehört Respekt auch dem Gegner gegenüber, das war hier nicht der Fall“, beschwerte sich Arie van Lent.

Bilder vom Spiel

OFC verliert Hessen-Derby

Der SVWW verstärkte mit zwei offensiven Einwechslungen sofort den Druck – dem die Kickers nicht lange stand-hielten. Bei einer weiten Flanke fühlte sich niemand für Herzig zuständig, der den Ball aus fünf Metern zum 1:1 eindrückte (68.). Vier Minuten später war das Spiel auf den Kopf gestellt, als Bouhaddouz eine Hereingabe aus acht Metern zum 2:1 einschob (72.). Es kam aber noch schlimmer für Offenbach. Als ein Balljunge bei einem Einwurf für die Kickers einen Ball wegkickte, den zweiten nicht schnell genug herausrückte, stieß der wütende und bereits verwarnte Lamprecht den Jungen zur Seite - und sah dafür Gelb-Rot (84.).

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„Das war ein Geschenk vom Schiedsrichter“, ärgerte sich van Lent. Die neun Offenbacher warfen nochmal alles nach vorne und wurden in der Nachspielzeit beim 1:3 durch Salem ausgekontert. „Und wenn er uns noch drei Mann vom Platz gestellt hätte, wären wir weiter nach vorne gelaufen“, sagte van Lent. „Die Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, war aller Ehren wert.“ Aber der Kontakt zu den Spitzenplätzen nach dem dritten sieglosen Spiel in Folge abgerissen. Und personell wird es gegen den Tabellenzweiten Regensburg jetzt ganz eng.

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