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Kickers Offenbach erstmals seit 2016 im DFB-Pokal

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Von: Christian Düncher

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Rettung „mit den Rippen“: OFC-Verteidiger Sebastian Zieleniecki (links) verhindert Sekunden vor dem Schlusspfiff gegen Steinbachs Jannes Wulff das 1:1.
Rettung „mit den Rippen“: OFC-Verteidiger Sebastian Zieleniecki (links) verhindert Sekunden vor dem Schlusspfiff gegen Steinbachs Jannes Wulff das 1:1. © hübner

„Balsam für die Kickers-Seele“ sei der Gewinn des Hessenpokals und die Rückkehr in den DFB-Pokal nach sechs Jahren, sagte OFC-Vizepräsident Jörg Briel. Dieses Erfolgserlebnis könne ausstrahlen auf die nächste Saison.

Gießen – Als die dreiminütige Nachspielzeit schon abgelaufen war, stockte den Fans der Offenbacher Kickers im Gießener Waldstadion und vor den Bildschirmen noch einmal der Atem. Jannes Wulff hatte im Hessenpokalfinale die riesengroße Chance, für den TSV Steinbach Haiger auszugleichen, aber OFC-Abwehrhüne Sebastian Zieleniecki warf seinen Körper dazwischen. „Ich habe den Ball mit den Rippen abgewehrt“, berichtete der Kapitän freudig. Wenige Sekunden nach dieser Szene ertönte der Abpfiff und eine rot-weiße Menschenmenge ergoss sich über das Spielfeld. Der erneut verpasste Aufstieg? Vergessen! Der Großteil der rund 3000 mitgereisten Kickers-Fans eilte auf den Rasen. Spieler wurden umarmt und Jubelgesänge angestimmt. Wenig später war die Offenbacher Ersatzbank von einer gewaltigen Menschenmasse umringt. Sogar der sonst eher zurückhaltende Trainer Sreto Ristic ließ sich zu einem kleinen Tänzchen hinreißen. „Das ist einfach nur toll für die Stadt, für die Fans und alle Leute, die uns unterstützt haben“, sagte der OFC-Coach.

Rene Keffel, der mit den Kickers als Spieler sowie seit 2004 als Torwarttrainer bereits einige Hessenpokalsiege erlebt hat, empfand den diesjährigen Erfolg dennoch als „etwas Besonderes“, wie er betonte. „Man sieht, wie die Leute danach gelechzt haben.“ Der OFC, der in seine zehnte Regionalliga-Saison in Folge geht, darf sich sechs Jahre nach der letzten Teilnahme am DFB-Pokal endlich wieder mal auf der großen Fußballbühne präsentieren. Mit etwas Glück beschert die Auslosung am 29. Mai den Kickers in der ersten Runde ein attraktives Los und sogar eine TV-Liveübertragung.

Der Gewinn des Hessenpokals könne daher „auf die neuen Saison ausstrahlen“, hofft Vizepräsident Jörg Briel. Dieser Erfolg im Landescup sei „Balsam für die Kickers-Seele“, ein „versöhnlicher Abschluss“ und „ein Trostpflaster“ für die auf Platz drei beendete Punktrunde in der Regionalliga Südwest. Diese sei nicht schlecht gewesen, aber es gebe einige Dinge zu hinterfragen, so Briel. Auch Präsident und Aufsichtsratschef Joachim Wagner sieht im Pokaltriumph („Das ist pure Emotion, pures Glücksgefühl. Die Fans haben endlich etwas Greifbares“) etwas, auf das es aufzubauen gilt. Wer die Baumeister sein werden, wollte er nicht verraten („Wir feiern jetzt erst mal“). Die Entscheidung war da jedoch längst gefallen (siehe Artikel nebenan).

Thomas Sobotzik, der bisherige Geschäftsführer, wird dann nicht mehr dabei sein. Dessen war er sich am Samstag schon bewusst, anmerken ließ er es sich aber nicht. Strahlend nahm er die jubelnden Anhänger zur Kenntnis und feierte mit. „Man hat gemerkt, wie sich alles entladen hat. Ich freue mich unfassbar - fürs Trainerteam, für die Fans und für die Mannschaft, die sich diesen Erfolg erkämpft hat. Es war nicht mehr viel drin im Tank, einige liefen schon auf der Felge.“

Der OFC hatte in der ersten Hälfte Vorteile, jedoch auch Glück, dass David Richter einen Distanzschuss stark parierte und Steinbachs Sasa Strujic nach einer Flanke von Ronny Marcos ins eigene Tor traf. Die 1:0-Führung zur Pause war dennoch verdient, wie auch Jayson Breitenbach befand. „Die erste Hälfte war gut“, sagte der OFC-Innenverteidiger, „in der zweiten hat die Kraft nachgelassen. Jeder ging aber an seine Grenzen.“ Wie in der Nachspielzeit Zieleniecki bei seiner Rettungstat. „Wir wollten allen zeigen, dass wir das Finale gewinnen können, und wir haben es gewonnen“, sagte der Pole, um dessen Zukunft es Gerüchte gibt. Der 1.FC Nürnberg soll Interesse an einer Verpflichtung haben, müsste jedoch eine frei verhandelbare Ablöse zahlen. „Ich habe noch einen Kontrakt“, sagt er mit Blick auf seinen bis 2025 gültigen Vertrag. Und: „Ich liebe die Stadt und den Verein.“ Jetzt mache er aber erst mal Urlaub. Die Spieler, die den Pokalsieg nach der Rückkehr nach Offenbach teilweise in Trikot und mit Medaille um den Hals an einer Bieberer Eckkneipe mit den Fans feierten, haben erst mal frei. Wann genau es weitergeht, steht noch nicht fest. (Von Christian Düncher)

Steinbach: Scholz - Kircher (81. Bradara), Weigelt (46. Mihaljevic), Al-Azzawe, Strujic - Eismann (46. März), Bisanovic - Chessa, Wulff, Nieland - Stock

Kickers Offenbach: Richter - Milde, Zieleniecki, Breitenbach, Marcos - Firat, Huseinbasic, Okunbowa, Tuma (888. Ramaj) - Hosiner (64. Hermes), Bozic (82. Andacic)

Tor: 0:1 Strujic (ET/39.)

Rote Wand: OFC-Spieler und -Fans feiern in Gießen gemeinsam den Gewinn des Hessenpokals. Rund 3 000 hatten das Team begleitet.
Rote Wand: OFC-Spieler und -Fans feiern in Gießen gemeinsam den Gewinn des Hessenpokals. Rund 3 000 hatten das Team begleitet. © hübner

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