Benefizspiel für „Rettet den Bieberer Berg“ bringt 120.000 Mark

Bayern-Geschenke für die Kickers

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Einlaufen mit den Stars des FC Bayern und der Kickers. Das Rumpenheimer Schiedsrichtergespann von links: Thorsten Schweedt, Michael Grieben und Walter Hill. Die Kapitäne sind Olaf Thon (links, FC Bayern) und Günter Albert.

Offenbach - Bis 1993 war der FC Bayern München sechsmal in der Fußball-Bundesliga bei den Offenbacher Kickers angetreten. Von Holger Appel 

Im April vor 25 Jahren kamen die Bayern auf dem Rückweg vom Bundesliga-Spiel in Mönchengladbach (2:2) erstmals freiwillig vorbei, um den finanziell gebeutelten Kickers zu helfen. Die Offenbacher, die vor 10.000 Zuschauern an einem Sonntagvormittag gegen den Bundesliga-Primus ein 3:3 (2:1) erkämpften, freuten sich über 120.000 Mark zugunsten der Aktion „Rettet den Bieberer Berg“. Dieses Geld nutzten sie später zum Sanieren des maroden Dachs der Haupttribüne. Die Bayern mit ihren Stars wie Lothar Matthäus und Olaf Thon hatten laut OFC-Präsident Norbert Rocker sogar die Anfahrts- und Übernachtungskosten übernommen. Schmankerl am Rande: Der Pächter der OFC-Vereinsgaststätte hatte damals einen besonderen Topzuschlag erhoben. Statt drei Mark kostete die Bratwurst gegen die Bayern 3,50 Mark, dafür gab’s dann auch sechs Tore.

Der Tabellenführer der hessischen Oberliga ging durch Christos Figas zweimal in Führung. Der heute 48-Jährige ist mittlerweile Geschäftsführer eines in Groß-Gerau ansässigen Getränkeherstellers und unterstützt die Kickers als Sponsor. Michael Hartmann gelang vor 25 Jahren kurz vor dem Abpfiff nach einem haarsträubenden Fehlpass von Weltmeister Thomas Berthold das 3:3. „Zum Abschied haben wir noch ein Geschenk in Offenbach gelassen“, kommentierte Bayern-Trainer Erich Ribbeck süffisant. Für die Münchner hatten der heutige Wolfsburger Trainer Bruno Labbadia (14.), Harald Cerny (63.) und der Brasilianer Marzinho (70.) getroffen.

Auf und davon. OFC-Spieler Bernd Gramminger (links) lässt im Freundschaftsspiel vor 25 Jahren Bayern-Verteidiger Thomas Berthold stehen. Weltmeister Berthold stammt aus Hanau, spielte lange für die Frankfurter Eintracht. Er absolvierte 62 Länderspiele.

Kickers-Trainer Lothar Buchmann freute sich nach der Partie über die „sehr nette Abwechslung“ vom Alltag in der hessischen Fußballprovinz und sprach von einem gerechten Ergebnis. „Dass man das 3:3 nicht überbewerten darf, dürfte jedem klar sein. Aber wenn alle zufrieden sind, bin ich es auch. Wichtig ist, dass wir uns gut bewegt haben und nicht eingerostet sind“, hatte er bereits das nächste Punktspiel eine Woche später beim Tabellensechsten SG Rot-Weiss Frankfurt im Blick. Bayern-Manager Uli Hoeneß wies darauf hin, „dass der Unterschied zwischen Bundesliga und Oberliga nicht mehr so groß und so ein Spiel kein Spaziergang ist“.

Doch nicht nur für die Kickers-Spieler war diese Partie ein Höhepunkt in ihrer Karriere, sondern auch für das Schiedsrichtergespann: Michael Grieben von der SKG Rumpenheim leitete sie, unterstützt von seinen Vereinskollegen Walter Hill und Thorsten Schweedt an den Seitenlinien.

„Das war ein tolles Spiel, das mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Ich stand als Offenbacher Bub schon seit dem Pokalsieg 1970 als Fan auf der alten Stahlrohrtribüne und war natürlich megastolz, dass ich die Kickers gegen die großen Bayern pfeifen durfte. Vom Zeitpunkt her war diese Freundschaftspartie für mich natürlich optimal, ich war im Sommer zuvor als Assistent in die Bundesliga aufgestiegen“, berichtet der Schiedsrichter-Referent des Hessischen Fußball-Verbandes, der in dieser Partie mit einer einzigen Gelben Karte für Offenbachs Ali Aydin ausgekommen war. Grieben leitete in den 1990er Jahren Partien der drittklassigen Regionalliga und war zwischen 1992 und 1996 in der Bundesliga Assistent bei Manfred Schmidt (Bad Hersfeld) und Lutz Wagner (Hofheim).

OFC gegen FC Bayern München: Bilder

Der heute 58-jährige Rumpenheimer, ehemaliger Kreisschiedsrichterobmann und inzwischen Ehrenamtsbeauftragter, sagt: „Dass die Bayern damals in Offenbach angetreten sind, um zu helfen, war eine tolle Geste. Ebenfalls, dass sie im vergangenen Jahr erneut zu einem Retterspiel zu uns gekommen sind. Und dass sich auch bei den Schiedsrichtern die Geschichte wiederholt hat, begeistert mich immer wieder.“

Im August 2017 hatten die Bayern mit dem großartig aufgelegten Franck Ribery vor 20.500 Fans gegen den finanziell angeschlagenen Regionalligisten mit 4:1 gewonnen und 500.000 Euro in die klamme Kickers-Kasse gespült. Das Schiedsrichtergespann bildeten die in der Offenbacher Vereinigung ausgebildeten Tobias Stieler (SG Rosenhöhe), Jonas Weickenmeier (TSV Lämmerspiel) und Kai Vonderschmidt (TV Hausen).

Kickers - FC Bayern 3:3 (2:1)

OFC: Todericiu (67. Keffel) - Biehrer - Babicic, Albert - Gramminger, Schneider (85. Fink), Hartmann, Figas, Aydin (57. Schmidt) - Behlil (67. Adigo), Wolf (67. Kruse)

FC Bayern: Gospodarek - Thon (46. Münch) - Berthold, Reinhardt - Cerny, Matthäus (46. Schupp), Wouters (46. Scholl), Nerlinger, Sternkopf - Mazinho, Labbadia (46. Frey)

Schiedsrichter: Grieben (Rumpenheim) - Tore: 1:0 Figas (7.), 1:1 Labbadia (14.), 2:1 Figas (41.), 2:2 Cerny (63.), 2:3 Marzinho (70.), 3:3 Hartmann (88.)

Fan-Stimmen nach dem Retterspiel des OFC gegen Bayern München

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