Spiele um den Aufstieg in die 2. Liga

Vor 25 Jahren: Ulm beendete OFC-Aufstiegsträume

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Da sah es noch gut aus für die Offenbacher Kickers: Libero Thomas Bieher (Zweiter von rechts) brachte den OFC mit einem verwandelten Elfmeter gegen Ulm in Führung. Doch am Ende unterlagen (von links) Christos Figas, Paul Koutsoliakos, Holger Wolf, Biehrer und Bernd Gramminger den Ulmern unglücklich mit 1:2 und mussten ihre Aufstiegsträume begraben.

Offenbach - Wieder einmal haben die Offenbacher Kickers in dieser Saison Aufstiegsspiele knapp verpasst. Vor 25 Jahren lief es für die Kickers zunächst besser, aber am Ende waren sie auch nicht erfolgreicher. Sie erreichten zwar die Aufstiegsspiele, damals sogar zur 2. Bundesliga, aber nach sechs Spielen und großen Hoffnungen klappte es nicht mit dem Aufstieg. Ein Rückblick auf den Mai 1993: Von Jochen Koch

Vor der Saison 1992/93 hatte das Kickers-Präsidium um Norbert Rocker mit der Verpflichtung von Lothar Buchmann die Weichen in Richtung Erfolg gestellt. Die Mannschaft wurde vor der Saison kaum verstärkt, der Trainer sollte der Erfolgsgarant sein (Vielleicht eine Parallele zur kommenden Saison?). Lothar Buchmann scheute sich nicht vor unpopulären Maßnahmen. Nach dem 10. Spieltag beendete er die große Profi-Karriere von Michael Kutzop, und sortierte den damals 37-jährigen Libero aus. Als Nachfolger kam Thomas Biehrer von Viktoria Aschaffenburg. Die junge Kickers-Mannschaft stürmte erfolgreich durch die Hessenliga, begeisterte mit schnellem Offensivfußball die Zuschauer. Buchmann hatte um die drei Routiniers Günter Albert, Stefan Schummer und Paul Koutsoliakos junge Spieler auch aus der zweiten Mannschaft eingebaut. Im Tor wechselten sich Rene Keffel und Marius Todericiu ab. Herausragend in dieser Saison agierten die Offensivspieler Michael Hartmann (16 Tore) und David Behlil (14 Tore) sowie Mittelfeldspieler Christos Figas.

Schon drei Spieltage vor Saisonende feierten die Kickers die Meisterschaft in der damals noch drittklassigen Oberliga Hessen und bereiteten sich auf die Aufstiegsrunde zur 2. Liga vor. Gegner waren der TSV Norderstedt (Oberliga Hamburg) mit Willi Reimann als Trainer, der SSV Ulm und der TSV 1860 München mit Werner Lorant als Trainer.

Zum Auftakt gab es in Offenbach vor 13000 Zuschauern ein 0:0 gegen Norderstedt. Dann reisten 2000 Kickers-Fans mit nach München an die Grünwalder Straße zum Spiel gegen die Löwen. Nach dem 0:1-Rückstand gelang Günter Albert mit einem herrlichen Volleyschuss der Ausgleich zum 1:1. Ex-OFC-Trainer Tschik Cajkovsky fieberte mit den jungen Kickers (Durchschnittsalter 23 Jahre) gegen die erfahrenen Sechziger (Durchschnittsalter 27 Jahre) mit und lobte den Offenbacher Trainer. „Eine taktische Meisterleistung von Buchmann.“

Auch das dritte Aufstiegsspiel der Kickers endete ohne Sieger. Trotz der besseren Chancen reichte es in Ulm nur zu einem 0:0. Zur „Halbzeit“ der Aufstiegsrunde lagen zwar die Löwen mit 5:1 Punkten vorne, doch die Kickers-Verantwortlichen waren mit 3:3 Punkten nach drei Spielen zufrieden. „Wir haben jetzt zwei Heimspiele. wenn wir die gewinnen, sieht es sehr gut aus“, sagte Lothar Buchmann. Aufgrund des großen Zuschauerandrangs bei den Heimspielen gegen den SSV Ulm und 1860 München wurde die wegen Baufälligkeit vorher monatelang gesperrte Haupttribüne auf dem Bieberer Berg wieder komplett freigegeben.

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Im ersten „Endspiel“ gegen Ulm standen die Kickers unter Druck. Eine ganz neue Situation für die junge Mannschaft. Es begann richtig gut. Der nervenstarke Thomas Biehrer brachte die Kickers mit einem Handelfmeter in Führung. In Offenbach durfte man von der 2. Liga träumen. Aber dann ging (wieder einmal) in einem entscheidenden Spiel viel schief. Erst fiel der Ausgleich nach einem Freistoß. Nach dem 1:1 riskierten die Kickers zu früh alles und wurden von den Ulmern in der 86. Minute nach einem Fehlpass zum 1:2 ausgekontert und aus allen Aufstiegsträumen gerissen.

Obwohl die Aufstiegschance nur noch ganz gering war, kamen 18000 Zuschauer zum letzten Heimspiel gegen die Löwen. Nach dem Rückstand durch Miller und dem Ausgleich von Michael Hartmann hätte es fast noch zum Sieg gereicht, aber Christof Figas traf nur den Innenpfosten. Die 4000 mitgereisten Löwen-Fans sangen begeistert „Nie mehr Oberliga“, für die Kickers war die Aufstiegsrunde gelaufen. Das letzte bedeutungslose Spiel gewann man in Norderstedt 2:0. Aufgestiegen ist letztendlich der TSV 1860 München, der gleich noch den Durchmarsch in die Bundesliga schaffte, und zwei Jahre später Qualifikation zur Champions League spielte. Die Kickers dagegen blieben zunächst drittklassig (zweiter Platz 1994), ehe sie 1995 erstmals in die Viertklassigkeit abstiegen.

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