Der beste Kickers-Torwart aller Zeiten

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Offenbachs „Torwart-Riese“ Walter Zimmermann (oben) in einem Spiel beim Hamburger SV.

Offenbach - Vor einigen Jahren fragte die Sportredaktion unserer Zeitung mal nach der „besten Kickers-Elf aller Zeiten“. Die Jahrhundertauswahl des Bieberer Bergs wurde gesucht. Bei den Mittelstürmern fiel die Wahl besonders schwer: Buhtz, Picard, Kostedde, Völler, Preisendörfer, Gast – jede Menge Klasse. Eigengewächs Dieter Müller traf leider andernorts mit Bravour. Von Erich Müller

Oder die Suche im Mittelfeld: Schreiner und Kaufhold überragten in der süddeutschen Oberliga in den 50er Jahren, Winfried Schäfer aus der Pokalsiegerelf 1970 war ein perfekter, auch torgefährlicher Antreiber, später Uwe Bein ein Mann der tödlichen Pässe. Natürlich tauchte auch der Name des vielseitigen Hermann Nuber mehrfach auf.

Um eine Position aber gab es nicht die geringste Diskussion: Im Tor machte eindeutig Walter Zimmermann das Rennen. Obwohl es auch da in Schepper, Groh, Wimmer, Reck, Bockholt und Volz viel Konkurrenz gab.

Heute werden wieder einmal Erinnerungen geweckt, denn „Torwart-Riese“ Walter Zimmermann feiert seinen 80. Geburtstag. Da werden sich auf alle Fälle die Finalteilnehmer von 1959 melden, auch vom Gegner Eintracht Frankfurt. Denn das damalige Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen Offenbach und Frankfurt in Berlin ging in die Geschichte ein. Mit 5:3 gewannen „die von der anderen Mainseite“ nach Verlängerung und wurden als verdienter Sieger gefeiert.

„Wir hatten auch unsere Chancen“,erinnert sich Zimmermann, „aber nach 90 Minuten stand es bekanntlich 2:2.“ Bis dann der ebenso legendäre wie höchst umstrittene Foulelfmeter (Lichtl an Kreß) zum 3:2 die Wende einleitete. „Ich war noch dran mit meiner Hand“, ärgerte sich Zimmermann. Dabei hätte er eigentlich „Pranke“ statt „Hand“ sagen müssen, denn in puncto Körpergröße, Kraft und Dynamik wurde dem Geburtstagskind von allem im Übermaß in die Wiege gelegt.

Das Endspiel 1959 war der Höhepunkt in Zimmermanns Fußball-Karriere von 1950 bis 1960 am Bieberer Berg. 254 Punktspiele stehen in seiner Bilanz, hinzu kommen noch jede Menge weiterer Einsätze. Bekannt und gefürchtet war Zimmermanns Strafraum-Beherrschung, wobei er kaum einen Unterschied zwischen Freund und Feind kannte.

Beim Umtrunk zu seinem 80. möchte der Jubilar voller Stolz aber mehr über seine Söhne Frank (Arztpraxis in Bad Vilbel) und Udo (Arztpraxis in Wiesbaden) sprechen. Weil sie ebenso wie er für den beruflichen Erfolg viel investierten. Der Werkzeugmachermeister Zimmermann stieg schon in jungen Jahren zum Fertigungs-Abteilungsleiter bei Löbro auf, büffelte bei Fahrten zu Auswärtsspielen im Bus für die Weiterbildung, während die Kollegen „Schwarze Sau“ spielten.

Fünf Enkel gratulieren am Jubeltag mit. Von ihnen sorgt Fabian dafür, dass man Walter Zimmermann wenigstens ab und zu noch mal am Bieberer Berg erblickt. Viel häufiger trifft man ihn beim TC Waldschwimmbad an, wo er als Tennis-Senior lange sehr erfolgreich war und zwei Aufstiege feierte. Zwei neue Hüftgelenke setzten dem Hobby aber vergangenes Jahr ein Ende, obwohl sich Zimmermann gesundheitlich „wohl und zufrieden fühlt“. Nach dem Tod von Gattin Helga (2006) kommt er als „Selbstversorger“ im Haus auf der Rosenhöhe gut zurecht.

Die Kickers-Zeit mit vielen Auftritten im Ausland (Fernost, USA, halb Europa) bleibt ihm ewig in Erinnerung, zumal für ihn zuvor als Heusenstammer „Fußballbub“ ein Zeltlager in Urberach bereits eine Traumreise war. Dank Trainer Paul Oßwald, dem „Meistermacher vom Main“, erlebte Zimmermann die große Fußballwelt.

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