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Boysen vor dem Spiel gegen Kickers Offenbach: „Bin noch immer Fan“

Dreimal war Hans-Jürgen Boysen Trainer in Offenbach. Am Samstag kommt er zum zweiten Mal als Gegner.
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Dreimal war Hans-Jürgen Boysen Trainer in Offenbach. Am Samstag kommt er zum zweiten Mal als Gegner.

Kickers Offenbach und Hans-Jürgen Boysen - das ist eine besondere Geschichte. Dreimal war er Trainer des OFC, zweimal stieg er auf.

Offenbach – Zum zweiten Mal überhaupt trifft Hans-Jürgen Boysen als Trainer in einem Punktspiel auf den Klub, als dessen Fan er sich noch immer outet. 2013 holte er mit Wormatia Worms ein 0:0 gegen Kickers Offenbach. Der 63-Jährige, seit Februar 2020 Trainer der SG Sonnenhof Großaspach, feierte mit dem OFC in drei Amtszeiten (Juli 1997 bis Oktober 1999, März 2004 bis Januar 2006, Juli 2008 bis Oktober 2009) große Erfolge, stieg unter anderem insgesamt zweimal auf. Im Interview erklärt er, warum er die Kickers als Favoriten auf den Titel in der Fußball-Regionalliga Südwest sieht.

Hallo Herr Boysen, erinnern Sie sich noch an den 25. April 2009?

Nein, was war da?

Da verlor Kickers Offenbach unter ihrer Leitung in der 3. Liga nach einem 2:0 im Hinspiel gegen den SV Sandhausen mit 0:3. Mit einem gewissen Sreto Ristic im Angriff.

An den Spieler Sreto Ristic erinnere ich mich natürlich. Er war ein erfolgreicher Stürmer, hat auch in Sandhausen gut getroffen. Er war ein Torjäger, wie man ihn sich wünscht: immer da, wenn man ihn braucht, und kaltschnäuzig vor dem Tor. Zudem ein sympathischer Typ.

Kickers Offenbach: Boysen traut OFC Aufstieg zu

Heute ist Ristic der zwölfte Coach in Offenbach, der versucht, an ihre Erfolge in ihren drei Amtszeiten anzuknüpfen. Was trauen Sie ihm und den Kickers diese Saison zu?

Ich hatte schon vor der Saison gesagt, dass ich Offenbach ganz klar zu den Favoriten auf den Aufstieg zähle. Der OFC hat das Potenzial dazu. Die Mannschaft ist spielstark, gut verstärkt worden. Schade ist, dass keine Zuschauer im Stadion sein dürfen. Mit der leidenschaftlichen Fankultur hätte der OFC ein weiteres Plus. Aber die Konkurrenz ist groß, es gibt keine Mannschaft, gegen die man im Schongang gewinnt.

Sie haben dreimal in ihrer Karriere das spezielle Arbeiten in Offenbach erlebt. Welchen Rat könnten Sie dem Kollegen geben?

Da gibt es keinen Rat. Trainer müssen ein gutes Gespür entwickeln, zudem hat jeder seine eigene Philosophie. Es wird Sreto Ristic nicht schwerfallen, sich in Offenbach wohlzufühlen. Leidenschaft, Kampf und Wille wollen die Fans sehen. Dann haben die Verantwortlichen einen Stein im Brett.

Nun kommen Sie als Coach der SG Sonnenhof Großaspach, eines Klubs, der 2014 in die 3. Liga aufstieg, im vergangenen Jahr abstieg und nun auch in der Regionalliga Probleme hat. Was sind die Gründe dafür?

Zu allererst der große Umbruch. Aus dem 29 Spieler starken Drittliga-Kader blieben sechs Spieler übrig. Wir hatten 20 Zugänge, überwiegend aus Ligen, in denen corona-bedingt kaum trainiert und gespielt worden war. Das Einspielen war deutlich schwieriger. Es fehlten die Automatismen, die mussten wir von null auf erarbeiten. Auf dem Weg der Findungsphase haben wir viele Punkte liegen gelassen, weil wir zu großzügig vor dem Tor waren. Aber Stand jetzt sehe ich uns auf einem guten Weg. Wir sind stabiler geworden, konkurrenzfähig. Nur gegen Spitzenklubs klappt es noch nicht. Das wollen wir gerne in Offenbach ändern.

Kickers Offenbach gegen SG Sonnenhof Großaspach: Cuni ist Topschütze der Liga

In Marvin Cuni haben sie den erfolgreichsten Torschützen der Liga im Kader. Ist ein 19-Jähriger, der vom FC Bayern München kam, die Lebensversicherung der SG Sonnenhof?

Er ist eminent wichtig für uns und ein Beispiel für unseren Weg. Der Altersdurchschnitt meiner Mannschaft beträgt 23,5 Jahre. Oft genug beenden wir unsere Spiele mit sieben, acht U23-Akteuren auf dem Feld. Da fehlt es natürlich noch an Abgebrühtheit. Aber Marvin Cuni bringt viele Qualitäten mit. Er ist vor dem Tor sehr stark, schnell und hat einen guten Kopfball. Wenn er am Ball bleibt, ist die Regionalliga sicher nicht seine Spielklasse.

Sie haben zuletzt 7:1 gewonnen, der OFC 6:1, das gemeinsame Testspiel im Januar ging 3:3 aus. Spricht alles für ein Schützenfest am Samstag, oder?

Ich hoffe nicht, und wenn dann in unsere Richtung (lacht). Nach der Vorführung in der ersten Halbzeit im Testspiel (Anm. d. Red.: da führte der OFC 3:0) war mir ganz schwindlig. Ich hoffe, dass wir uns nicht wieder so dämlich anstellen. Aber ich bin der Meinung, dass sich das Spiel in alle Richtungen entwickeln kann, dazu brauchen wir aber eine Topleistung. Wir freuen uns vor allem, dass wir wieder auf Rasen spielen können, nachdem wir zuletzt auf Kunstrasen antreten mussten.

„Möchte nicht verhehlen, dass ich noch immer Offenbach-Fan bin“

Ein Blick in die Glaskugel: Wo stehen beide Klubs am Saisonende?

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich noch immer Offenbach-Fan bin, wenn auch nicht am Samstag. Aber ich drücke dem OFC die Daumen, dass er sein großes Ziel erreicht. Für uns ist es wichtig, dass wir uns in unserem Aufbaujahr aus den hinteren Regionen entfernen. Wenn am Ende ein einstelliger Tabellenplatz herausspringt, können wir zufrieden sein. (Das Gespräch führte Jörg Moll)

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