Hessisches Finanzministerium wollte OFC 2013 helfen

Bürgschaft als letzte Hoffnung für den Fiskus

Offenbach - Warum stellte das Land Hessen 2013 eine Bürgschaft über zwei Millionen Euro für die offensichtlich insolventen Offenbacher Kickers in Aussicht? Diese Frage konnte im Strafprozess um Insolvenzverschleppung vor dem Landgericht Darmstadt auch Dr. Andreas Kleinschmidt nicht beantworten.

Der als Zeuge geladene ehemalige Insolvenzverwalter des OFC zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung, ob es politische oder andere Motive gab“, sagte der 45-Jährige. Dr. Frank Ruhl, in der Krisenphase von September 2012 bis September 2013 Präsident der Kickers, verfolgt den Prozess aus der Entfernung mit großem Interesse. Und er hat sehr wohl Erklärungen dafür, warum das Hessische Finanzministerium eine solche Zusage geben wollte. Im Sanierungsplan, den der damalige Geschäftsführer David Fischer und die Wirtschaftsberatungsagentur Rölfs und Partner erarbeitet hatten, hatte die Landesbürgschaft eine zentrale Rolle gespielt, so Ruhl. Grundbedingung war die Lizenzerteilung für die 3. Liga.

Mit dieser Bürgschaft wollte Fischer bei der DZ Bank einen Betriebsmittelkredit über zwei Millionen Euro einholen. Ruhl hatte dafür der Bank zehn Prozent Risikoabsicherung garantiert. Zum anderen hatte er der Oberfinanzdirektion Wiesbaden einen Schuldbeitritt versichert. Die Behörde hatte auf diese Weise - letztlich vergeblich - versucht, die damals offenen Steuerzahlungen von einer Million Euro noch einzutreiben. Durch die Insolvenzquote von 15 Prozent bekam sie einen kleinen Teil zurück - letztlich aber kam den Fiskus die Pleite des OFC teuer zu stehen. Denn Kleinschmidt hatte im Zuge der Insolvenz erfolgreiche Anfechtungen gegen das Finanzamt geführt und so 2,8 Millionen Euro der Insolvenzmasse zugeführt.

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Der Sanierungsplan scheiterte 2013, weil der Deutsche Fußball-Bund den Kredit nicht als die geforderte bedingungsfrei verfügbare Liquiditätsreserve anerkannte. Die Lizenz war weg - und der OFC wenig später ein Insolvenzfall. Kleinschmidt äußerte fünf Jahre später allerdings Zweifel an der nachhaltigen Wirkung des Plans. „Kurzfristig hätte er vielleicht geholfen, langfristig eher nicht.“ (jm)

Rubriklistenbild: © dpa

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