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Die Probleme bei Kickers Offenbach und Hessen Kassel ähneln sich

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Von: Jörg Moll

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Weil Björn Jopek (links) gelbgesperrt fehlt, könnte Jost Mairose (rechts) den Part des Routiniers im defensiven Mittelfeld übernehmen. „Wir haben genügend Alternativen“, sagt Interimscoach Alfred Kaminski.
Weil Björn Jopek (links) gelbgesperrt fehlt, könnte Jost Mairose (rechts) den Part des Routiniers im defensiven Mittelfeld übernehmen. „Wir haben genügend Alternativen“, sagt Interimscoach Alfred Kaminski. © Hübner

Duelle beim KSV Hessen Kassel waren für Kickers Offenbach seit dem Abstieg in die Fußball-Regionalliga Südwest 2013 selten ein Anlass zu überschäumender Freude. Lediglich einmal in sieben Begegnungen gewann der OFC beim nordhessischen Rivalen im Aue-Stadion, dafür aber richtig: Am 1. Mai 2021 gab es einen 4:0-Sieg (Tore: Fetsch, Zieleniecki, Deniz, Huseinbasic). Umso wichtiger wäre nach den turbulenten Tagen mit Trainerentlassung und der Installation von Interimscoach Alfred Kaminski am Samstag (14 Uhr) ein zweites Erfolgserlebnis. Doch auch die Nordhessen gieren nach einer Wende zum Besseren. Beide Klubs haben mit durchaus vergleichbaren Problemen zu kämpfen, die Lösungsansätze sind aber zuweilen völlig verschieden.

Hohe Erwartungshaltung: Beim OFC gab es im Sommer nach dem großen Umbruch nur ein Ziel: Der Aufstieg wurde auserkoren, zehn Jahre Regionalliga sollten endgültig genug sein. Elf Punkte aus acht Spielen bedeuteten eine heftige Bruchlandung. Chefpilot und Trainer Alexander Schmidt musste in dieser Woche gehen. Alfred Kaminski soll nun als Interimslösung den Jumbo der Regionalliga auf stabile Flugroute bringen. Groß waren auch die Erwartungen beim KSV Hessen Kassel nach Platz sieben in der vergangenen Spielzeit. Doch in dieser Saison will dem Team von Trainer Tobias Damm einfach gar nichts gelingen. Lediglich zwei Remis gegen den FC RW Koblenz (2:2) und Aufsteiger SGV Freiberg (0:0) stehen zu Buche. Auswärts gingen alle vier Spiele verloren. Im Unterschied zum OFC hält der KSV aber am Trainer fest. Vorstand und Aufsichtsrat stützen Damm, der seit drei Jahren im Amt ist und mit überwiegend jungen Akteuren zuletzt gute Arbeit ablieferte. Eine fünfte Niederlage in Folge allerdings, noch dazu gegen den auswärts bislang auch keine Bäume ausreißenden OFC, könnte die Bewertungsgrundlage verändern.

Das Personal: Da unterscheiden sich beide Klubs diametral. Der KSV setzt überwiegend auf Talente, der älteste der fünf Zugänge in dieser Saison, der aktuell verletzte Rechtsaußen Oliver Issa Schmidt (zuvor 1. FC Köln II), ist 22 Jahre alt. Höherklassig erfahren sind lediglich der nach Sperre wieder spielberechtigte Innenverteidiger Kevin Nennhuber (34/10 Drittligaspiele) und sein zuletzt angeschlagener Nebenmann Henrik Starostzik (4 Zweitligaeinsätze, 68 Drittligapartien). Dass die Erwartungshaltung deutlich überzogen war vor der Saison, machte dem KSV und seinem im Durchschnitt 23,6 Jahre alten Team zu schaffen.

Beim OFC (Altersdurchschnitt: 25,0 Jahre) dagegen wird seit geraumer Zeit groß gedacht und entsprechend hoch dotierte Akteure für den ersehnten Sprung in höhere Sphären verpflichtet. Alleine Björn Jopek toppt die Kasseler Erfahrung in höheren Ligen locker (58 Zweitligaspiele, 125 Drittligapartien). Dumm nur, dass der 29-Jährige den Kickers nach der fünften Gelben Karte nicht zur Verfügung steht. „Wir müssen mit dem umgehen, was wir haben“, sagt Kaminski. 20 Feldspieler stehen ihm zur Verfügung, neben Jopek fehlen lediglich Jakob Zitzelsberger (Kahnbein-OP), Dejan Bozic (Schambeinentzündung) und der bei der bosnischen U19-Auswahl weilende Almin Mesanovic.

Das Umfeld: Traditionsvereinen gemein ist ein treues, emotional leicht entflammbares Umfeld. Auch darauf setzen beide Teams im Derby. „Ich stelle mir alles vor, was zum Derby dazugehört: laute Fans und Gesänge. So ein Spiel ist für jeden etwas Besonderes, und ich erwarte schon, dass einige kommen werden“, sagt Damm. „Solche Spiele lieben wir als Fußballer“, sagt Offenbachs Interimscoach Kaminski: „Wenn alles im Rahmen bleibt.“

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