Nach Mannheimer Remis wieder Zweiter

Mehic: „Diese Leistung muss der Maßstab sein“

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„Papa“ Oliver Reck und seine „Kinder“: Der OFC-Trainer (rechts, mit Marco Rapp) gratuliert den Spielern zum Sieg gegen Mainz. Von links: Christos Stoilas, Ko Sawada (traf zum 1:0) und Alexandros Theodosiadis, der sein Comeback nach Verletzung gab.

Offenbach - Mit dem ersten Sieg in dieser Saison gegen eine zweite Mannschaft wollten die Offenbacher Kickers Druck auf Waldhof Mannheim ausüben. Das ist gelungen. Der OFC ist wieder Zweiter, auch weil er sich auf die Grundtugenden besann. Von Christian Düncher 

Ein Spiel hat gereicht, um bei den Offenbacher Kickers die Stimmung von einem Extrem in das andere kippen zu lassen. Hatten sich vor einer Woche nach der 1:2-Pleite bei den Stuttgarter Kickers noch Fans zum Teil untereinander geprügelt sowie das Team beschimpft, wurden die Spieler nun im Anschluss an den 3:1-Heimsieg gegen die Reserve FSV Mainz 05 euphorisch gefeiert – unter anderem mit „Oh, Schorsch is des schee.“ Für den Aufstiegs-Hit aus der Saison 1998/1999 ist es freilich noch zu früh. Das folgende „Der OFC ist wieder da“ brachte es aber auf den Punkt: Die Kickers haben sich im Kampf um die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga zurückgemeldet – und zwar eindrucksvoll.

„Wir wollten nicht noch einmal wie in Stuttgart ohne Mut und ohne Eier spielen“, wählte Kapitän Daniel Endres klare Worte. „Und wir wollten Druck auf die Konkurrenz machen.“ Das gelang. Waldhof Mannheim musste sich trotz einer überlegen geführten Partie gegen Astoria Walldorf mit einem 2:2 begnügen und verlor Platz zwei nach nur einer Woche an die Kickers, die nun zwei Zähler Vorsprung haben. „Natürlich freut man sich darüber“,so OFC-Sportdirektor Sead Mehic. Aber darauf dürfe man sich nicht verlassen: „Am besten ist es, wenn wir gute Leistungen bringen und nur auf uns schauen müssen. Wir haben nun einen kleinen Vorsprung, den gilt es am Montag zu verteidigen.“ Dann findet das „kleine Main-Derby“ beim FSV Frankfurt statt, der gestern beim VfB Stuttgart II mit 6:1 gewann und dadurch auf den zehnten Platz kletterte. Vor zwei Wochen hatten die Bornheimer mit 1:0 in Mannheim triumphiert.

Die Kickers sollten gewarnt sein und sind es offenbar auch. „Uns ist bewusst, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir 100 Prozent geben. Und die Fans machen auch noch 15 Prozent aus. Das dürfen wir uns nicht verspielen“, sagte OFC-Doppeltorschütze Maik Vetter. In Stuttgart war man weit von 100 Prozent entfernt. „Dort haben wir richtig scheiße gespielt“, gab Innenverteidiger Benjamin Kirchhoff zu. Doch gegen Mainz versöhnten die Kickers ihre Fans mit einer extrem engagierten Leistung – und zwar vom Anpfiff an. „Das war die richtige Reaktion zur richtigen Zeit“, resümierte Endres. „Wir haben die Tugenden gezeigt, die man sehen will.“ Nämlich Kampf und Leidenschaft. „Wir haben versucht, mit zwei Mann zu pressen. Und wenn einer ausgespielt wurde, haben die anderen es ausgebügelt“, lobte der Kapitän. Oder wie es Kirchhoff ausdrückte: „Wir sind gerannt wie schon lange nicht mehr.“

Mehic nahm die von ihm geforderte Reaktion erfreut zur Kenntnis, stellte aber klar: „Sie war auch nötig. Diese Leistung muss der Maßstab sein.“ Eine so große Einsatzbereitschaft wie gegen Mainz erwarte er jede Woche, sagte der Sportdirektor. „Es klappt nicht immer alles zu 100 Prozent. Aber Lauffreude und Umschaltspiel – das können wir. Diese Tugenden müssen die Basis sein, auch im Spiel beim FSV Frankfurt.“

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Bei den Spielern scheint das angekommen zu sein. „Eine solche Leistung müssen wir jede Woche bringen“, forderte Mittelfeld-Stratege Marco Rapp. Und Kirchoff ergänzte: „Wir, wissen, dass wir diese Saison eine große Chance haben. Wir wollen in jedem Spiel Gas geben. In Stuttgart war das nicht erkennbar.“ Für die im Kickers-Duell abgelieferte Leistung könne aber der Trainer nichts, betonte der Abwehrspieler. „Dafür waren wir verantwortlich.“

Nach dem Tor zum 3:1-Endstand gegen Mainz waren die Spieler geschlossen zur Reservebank geeilt und hatten mit Reck und Co-Trainer Joti Stamatopoulos gefeiert. „Wir wissen, was wir an ihnen haben, und wollten ein Zeichen setzen“, sagte Kirchhoff. Und Endres stellte klar: „Wir wissen, was die Trainer leisten, ohne sie würde Kickers Offenbach jetzt in der Hessenliga kicken.“ Mehic reagierte etwas befremdlich: „Ein Bekenntnis ist gut. Aber was war in der Woche zuvor? Man sollte nicht für den Trainer oder für die Freundin spielen, sondern immer das Beste für Kickers Offenbach geben.“

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Reck selbst äußerte sich zur Aktion der Spieler nicht. Sein Statement auf der Pressekonferenz dauerte nur 14 Sekunden und endete mit den Worten: „Ich bin sehr zufrieden.“ Das konnte er auch sein.

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