Alle Szenarien sind denkbar

Kleinschmidt erneut als Krisenmanager gefragt

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„Die zweite Insolvenz wird kein Selbstläufer“: Dr. Andreas Kleinschmidt wird diese Woche nur die Zahlen prüfen.

Offenbach - Fast exakt drei Jahre nach seiner ersten Amtszeit als Insolvenzverwalter kehrt Dr. Andreas Kleinschmidt zu den Offenbacher Kickers zurück. Von Jörg Moll 

Der 43-jährige Dr. Andreas Kleinschmidt wurde gestern vom Amtsgericht Offenbach als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Anders als vor drei Jahren wird sein Hauptaugenmerk dieses Mal darauf gerichtet sein, eine Eröffnung des Verfahrens zu verhindern. Nur die größten Optimisten dürften es als Vorteil bezeichnen, dass Dr. Andreas Kleinschmidt sein Amt früher antreten kann als 2013. Damals reichte der OFC am 7. Juni den Insolvenzantrag ein, dieses Mal bereits am 25. Mai. „Wir haben nicht viel Zeit, aber es ist machbar“, meinte Kleinschmidt, um im gleichen Atemzug einzuräumen: „Jedem muss bewusst sein, dass die zweite Insolvenz kein Selbstläufer wird.“

Ganz sicher ein Beweggrund zur erneuten Berufung dürfte für den zuständigen Richter Stefan Keim am Amtsgericht Offenbach gewesen sein, dass Kleinschmidt die Verhältnisse am Bieberer Berg bestens kennt. Der Partner der Frankfurter Anwaltskanzlei White & Case ist also wieder als Krisenmanager in Offenbach gefragt. Er wird sich mit Hilfe externer Wirtschaftsprüfer einen Überblick über die neue Situation bei der insolventen Profi GmbH verschaffen. „Diese Woche werden wir nur die Zahlen prüfen“, kündigte er nach intensiven Gesprächen mit Geschäftsführer Remo Kutz („Es waren sehr gute Gespräche“) und Teilen des Präsidiums und Aufsichtsrates an. Kleinschmidt ist damit vorerst wieder die wichtigste Instanz im Klub. Er wird dem Amtsgericht ein Gutachten erstellen, das über die Zukunft des Regionalligisten entscheiden wird. Gelingt es, die Forderungen zu bedienen und einen gesicherten Etat aufzustellen, ist eine Abwendung der Insolvenz möglich. Sind die Forderungen nicht zu begleichen, wird ein zweites Verfahren eröffnet. „Denkbar sind alle Szenarien“, warnt er. Auch eine Verfahrenseröffnung ohne Fortführung der Profi GmbH ist möglich.

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Dass er anders wahrgenommen wird als bei der ersten Insolvenz, hat Kleinschmidt registriert. Fanklubvertreter äußerten sich in einem Offenen Brief kritisch, werfen ihm eine Mitverantwortung vor. Das wies er gegenüber unserer Zeitung deutlich zurück. „Mein Handeln ist von mehreren Institutionen geprüft worden“, sagte er. Deutliche Worte fand er, was die Stunde für die Kickers geschlagen hat: „Alle müssen zusammen anpacken, so schwer das für viele ist“, betonte er: „Nur wenn das gelingt, haben wir überhaupt eine Chance.“ Kleinschmidt kündigte zudem an, das Präsidium im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten einzubinden. „Mein Ziel ist es, dass wir das mit den Verantwortlichen gemeinsam verfolgen.“

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Bei seiner Arbeit wird er zwei Ziele parallel verfolgen. Zum einen prüft er die Höhe der tatsächlichen Forderungen, die zur Insolvenzanmeldung führten. Dazu gehören auch Gespräche über mögliche Zahlungsvereinbarungen mit Gläubigern. Zum zweiten wird Kleinschmidt mit Kutz an der Sicherstellung des Etats für die kommende Saison arbeiten. „Die Budgetplanung muss maximalst realisierbar sein.“ Übersetzt heißt das: Nur wenn sichergestellt ist, dass der OFC eine komplette Saison lang alle Kosten decken kann, ist an eine Fortsetzung des Spielbetriebs zu denken. Kleinschmidt wird zunächst Sponsorenverträge prüfen und mit Kutz gemeinsam forcieren, neue zu akquirieren. Dazu wird eine Verstärkung auf der Geschäftsstelle nötig sein. „Wir werden uns im Marketingbereich verstärken müssen“, erklärte Kleinschmidt.

Über Personalentscheidungen bei den Profis wird erst nächste Woche gesprochen. Bestehende Verträge mit dem Trainerteam um Oliver Reck und fünf Spielern behalten ihre Gültigkeit. „Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist es nicht mein Gedanke, dort Veränderungen herbeizuführen“, betonte Kleinschmidt. Fabian Bäcker hat einen neuen Verein gefunden. Der Angreifer stürmt künftig für den Hessenligisten FC Bayern Alzenau.

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