Heiner Backhaus: Vom „Groundhopper“ zum Erfolgscoach

Ehemaliger OFC-Spieler überrascht als Trainer mit RW Koblenz

Duell im Trainingslager: Heiner Backhaus (links, gegen Markus Kreuz) stand von Januar 2006 bis Juli 2007 beim OFC unter Vertrag und absolvierte zehn Pflichtspiele.
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Duell im Trainingslager: Heiner Backhaus (links, gegen Markus Kreuz) stand von Januar 2006 bis Juli 2007 beim OFC unter Vertrag und absolvierte zehn Pflichtspiele.

Als Spieler stand Heiner Backhaus nicht unbedingt für Kontinuität. Kickers Offenbach war nur eine seiner unzähligen Stationen. Aber er hat bei seinen vielen Vereinen einiges gelernt. Und das gibt er inzwischen als Trainer weiter. Bei RW Koblenz hat er damit Erfolg.

Offenbach – Nein, als Weltenbummler würde sich Heiner Backhaus nicht bezeichnen. „Ich habe nie gebummelt, lag nie in Ko Samui in der Hängematte, war nie als Backpacker in Australien unterwegs. Bei all meinen Stationen ging es professionell zu“, sagte der Ex-Profi, der für über 20 Klubs in acht Ländern spielte, unlängst dem Magazin „11 Freunde“. Der 39-Jährige sieht sich eher als Groundhopper, wie er betont: „Ich liebe Stadien und Fankulturen. Wenn ich im Urlaub einen Flutlichtmast entdecke, zieht der mich magisch an.“

Und noch etwas ist Backhaus wichtig: „Ich habe nur positive Erinnerungen.“ Das gilt in doppelter Hinsicht für die Zeit bei den Offenbacher Kickers. Mit dem OFC schaffte Backhaus („Ich bin nie abgestiegen“) 2005/06 den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Obwohl er lediglich neun Punktspiele absolvierte, hat diese Station stets eine besondere Bedeutung für den einstigen Mittelfeldspieler. „Mein Sohn ist in Offenbach geboren“, erzählt Backhaus. 2007 zog die Familie weiter nach Malta. Weitere Stationen waren unter anderem Libanon, Syrien und Hongkong. Auf die Frage, inwiefern er in seiner Arbeit von seinen Auslandserfahrungen profitiert, antwortete der einstige Wandervogel: „Sehr. Ich habe unter top Trainern mit den unterschiedlichsten Methoden gespielt. Wenn du in Zypern ein Spiel verlierst, hängt die Fahne eine Woche lang auf Halbmast. Da kommt kein Videoanalyst, der dir deine Fehler aufzeigt. Da kommen vier Leute, bei denen man froh ist, dass sie keinen Gummiknüppel dabei haben. Mit diesen Erfahrungen im Kopf versuche ich, meinen Spielern vor allem Demut zu vermitteln.“

Bei Rot-Weiss Koblenz gelang das bislang überaus gut. Vergangene Saison holte das Team lediglich fünf Punkte aus 22 Partien und stand eigentlich bereits als Absteiger fest, ehe die Spielzeit corona-bedingt abgebrochen wurde und auf diese Weise der Klassenerhalt gelang. Dann kam Backhaus und mit ihm der Erfolg. Der gebürtige Wittener nahm einen großen personellen Umbruch vor, holte unter anderem Leistungsträger wie Stürmer Valdrin Mustafa (16 Treffer) und den offensiven Mittelfeldspieler sowie Kapitän Quentin Fouley (neun Tore), der seinen Vertrag gerade verlängert hat, und studierte mehrere Systeme ein. Teilweise lässt er mutig mit drei Angreifern spielen. Das zahlt sich aus. Koblenz ist als Tabellenzehnter längst frei von allen Abstiegssorgen und bestätigte zuletzt mit einem 3:0 gegen Großaspach seine Form.

Ein Wiedersehen könnte es am Samstag auch mit Mario Seidel geben. Der einstige Ersatztorwart des OFC stand für Koblenz in drei der letzten vier Spiele zwischen den Pfosten. (Von Christian Düncher)

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