Ruhl rät zum Verkauf von GmbH-Anteilen

Einst Präsident, nun Großgläubiger

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Frank Ruhl

Offenbach - Neues Jahr, alte Sorgen: Die Vereinsführung der Offenbacher Kickers muss ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen. Dass sich das Ende des Insolvenzverfahrens der Profi GmbH weiter verzögert, macht die Sache keineswegs einfacher. Von Christian Düncher 

Bis Mitte des Jahres muss eine Lösung her. Claus-Arwed Lauprecht ist genervt. „Das zieht sich wie ein Kaugummi“, sagt der Präsident des Vereins Kickers Offenbacher und meint damit das Insolvenzverfahren der Profi GmbH, das eigentlich schon längst beendet sein sollte. „Erst war von April die Rede, später von Juli, dann von September und November. Inzwischen ist Mitte Januar“, so Lauprecht. Für die Klubführung ist das ein Ärgernis, denn die ursprüngliche Vereinbarung mit den Gläubigern des Vereins war so nicht mehr einzuhalten. Diese hatte vorgesehen, die rund drei Millionen Euro Verbindlichkeiten bis 31. Dezember 2014 auf die GmbH zu übertragen und dort in Besserungsscheine umzuwandeln, die nur bedient werden sollten, wenn besondere Einnahmen erzielt werden.

Da der Verein während der Insolvenz aber keinen Einfluss auf die GmbH hat, musste kurz vor Weihnachten umgeplant werden. „Das war ein riesiger Stress“, ärgert sich Vizepräsident Thomas Delhougne. Die neue Stundungsvereinbarung sieht nach Informationen unserer Zeitung vor, dass der OFC nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens drei Monate Zeit hat, sich mit den Gläubigern zu einigen, maximal jedoch bis zum 30. Juni 2015. Delhougne geht davon aus, erneut einen gemeinsamen Weg zu finden. Wie dieser aussehen soll, wurde aber nicht kommuniziert. Die ursprüngliche Idee (Übertragung der Schulden auf die GmbH, Umwandlung in Besserungsscheine) ist aber offenbar nicht Teil der neuen Stundungsvereinbarung. Der ehemalige OFC-Präsident Frank Ruhl, hatte von dieser Regelung ohnehin nicht viel gehalten und sie als einziger Gläubiger nicht unterschrieben – weil er sie für zu komplex und die Umsetzung für unrealistisch hält.

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„Dass der Verein Kickers Offenbach nichts hat, um seine Schulden zu begleichen, stimmt nicht“, meint Ruhl und verweist darauf, dass der Verein alleiniger Eigentümer der schuldenfreien GmbH ist. Deren Wert liege derzeit bei rund drei Millionen Euro. Mit Anteilen an der GmbH könnte man die Gläubiger somit durchaus befriedigen. Ruhl hält das für nicht ausgeschlossen, der Verein hatte dies bisher stets abgelehnt.

Der Ex-Präsident hat nach Informationen unserer Zeitung Forderungen anderer Gläubiger gekauft und soll neben Ex-Schatzmeister Thomas Röder inzwischen zweiter Großgläubiger sein, dazu kommt eine handvoll kleinerer. Ruhl wollte das nicht bestätigen. Er sagt nur: „Die Gläubigerstruktur hat sich weiter verändert und ist in Bewegung, das Vorstand handelt und denkt jedoch statisch.“ Delhougnes Befürchtung, dass der OFC zum Spielball von Spekulanten werden könnte, teilt Ruhl nicht. „Die Verwendung solcher Kampfbegriffe ist nicht förderlich“, meint er. „Das Präsidium sollte in der Lage sein, Sponsoren und Investoren an Land zu ziehen, um die Gläubiger abzulösen. Es war eigener Aussage zufolge auf der Suche nach Investoren. Die hätten aber sicher auch Anteile oder Rechte haben wollen.“

Hoffnung macht, dass von den Gläubigern viele einst OFC-Funktionäre waren, dem Verein wohlgesonnen sind: Neben Röder, Ruhl und Ex-Vizepräsident Thomas Kalt soll nun auch Ex-Senator Remo Kutz dazugehören.

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