„Einstellung muss sich ändern“

Mehic stärkt Trainer und nimmt Mannschaft in die Pflicht

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Falscher Film: Sportdirektor Sead Mehic verlässt nach dem 0:1 gegen Mainz und „Mehic-raus“-Rufen frustriert den Platz. „Ich glaube an die Mannschaft, aber ich erwarte, dass sie jetzt liefert“, sagt er vor dem Spiel beim SSV Ulm 1846. Links jubelt Jayson Breitenbach, der in der U17 von Offenbach nach Mainz wechselte.

Offenbach - Die Nacht war kurz für Sead Mehic. „Ich habe wenig geschlafen“, räumte der Sportdirektor des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach ein. Der über weite Strecken desaströse Auftritt gegen den FSV Mainz 05 II hat ihm die Nachtruhe geraubt. Panik bricht beim 43-Jährigen nach drei Spielen ohne Sieg aber nicht aus. Von Jörg Moll 

Die Ernüchterung bei den Offenbacher Kickers war groß. „Wir haben uns das ganz anders vorgestellt“, gab Sead Mehic zu: „Wir hatten zum Saisonauftakt ein Heimspiel, müssen dann in Walldorf gewinnen und treffen dann auf verunsicherte Mainzer“, zählte Mehic auf. Wer auf Fortschritte nach den holprigen 1:1 gegen Elversberg und in Walldorf gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. „Es gibt keine Entschuldigung für diese desolate erste Hälfte gegen Mainz“, meinte der Sportdirektor: „Wir müssen ganz anders auftreten.“ Auch die „Mehic-raus“-Rufe nahm er nüchtern zur Kenntnis: „Ich bin der Letzte, der nicht selbstkritisch ist.“

Gleiches hatte Trainer Daniel Steuernagel noch am Abend der Niederlage gefordert. „Hier muss ab sofort ein anderer Wind rein“, meinte er: „Am Freitag in Ulm werden elf Spieler auf dem Feld stehen, die eine ganz andere Einstellung haben. Da geht es um Basics wie Mentalität und Leidenschaft.“ Vor allem wird es um das Ergebnis gehen. Ein weiteres siegloses Spiel - und die Stimmung in Offenbach wäre endgültig im Keller. „Soweit ist es noch nicht, ich sehe keinen Grund, unser Saisonziel neu zu definieren“, meinte Mehic.

Warum die geforderten Basics am Dienstag nur 20 Minuten nach Wiederanpfiff sichtbar waren, darüber rätselt auch Kapitän Benjamin Kirchhoff: „In Offenbach musst du, wenn spielerisch nicht viel geht, wenigstens kämpfen und laufen, aber selbst das war nicht immer zu sehen. Woran das liegt, weiß ich nicht genau.“

Bilder: OFC verliert gegen Mainz

Steuernagel hatte einen triftigen Grund ausgemacht: „Wir hatten viele Spieler dabei, die keine Normalform hatten.“ Die gesamte Offensivabteilung hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Vermeintlichen Leistungsträgern wie Maik Vetter oder Ihab Darwiche gelang gar nichts. Auch der Japaner Ko Sawada ließ gelegentlichen guten Dribblings allzu häufig schlechte, zu späte Abspiele oder Fehlpässe folgen.

Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmten nicht. Bei Ballverlusten entstanden große Lücken, die die Mainzer in der ersten und gegen Ende der zweiten Hälfte zu vielen guten Kontern und einem - haltbaren - Treffer von Karl-Heinz Lappe nutzten. „Von unserer Spiel-idee war nichts zu sehen“, räumte der Fußballlehrer ein: „Wir wollten kompakt gegen den Ball sein, stattdessen war die Absicherung nicht gut. Mit Ball haben wir die Positionen falsch besetzt.“

Keine Zweifel an der Philosophie des 38-Jährigen hat Mehic. „Er arbeitet sehr akribisch elf, zwölf Stunden am Tag. Es wäre nicht fair, ihn nach drei Spielen zu beurteilen“, meinte er: „Vielleicht hat der eine oder andere Spieler zu viel Input bekommen die letzten Wochen, aber das darf keine Ausrede sein.“ Vor allem bei dem Output.

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Steuernagel selbst zeigte Verständnis für die kritischen Töne der zuvor so geduldigen Fans: „Wenn man so ein Spiel sieht, ist doch klar, wer dafür verantwortlich ist: der Trainer.“ Mehic stärkte gestern dem Nachfolger von Oliver Reck den Rücken und nahm die Spieler in die Pflicht: „Ich glaube an die Qualität der Mannschaft. Aber ich erwarte, dass sie jetzt liefert.“

Mehic begrüßt die Ankündigung, für die Partie am Freitag (19.30 Uhr) beim SSV Ulm 1846 Veränderungen vorzunehmen: „Der eine oder andere frische Spieler wird uns guttun.“ Die Rückkehr des noch nicht berücksichtigten Marco Rapp steht zur Debatte. „Aber auch alle anderen, die am Dienstag nicht spielten, sind ein Thema“, betonte Steuernagel. Keinen Diskussionsbedarf sah Mehic in der Torwartfrage: „Daniel Endres sah beim Gegentor sicher unglücklich aus, aber zuvor hat er die Mannschaft im Spiel gehalten.“

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