Regionalliga Südwest

Kickers Offenbach: Tabellenerster - aber Trainer Barletta bremst Erwartungen

Offenbacher Jubelknäuel: Nach Mathias Fetschs Tor zum 1:0 - dem ersten Treffer in dieser Saison in der ersten Hälfte - kamen alle zehn Feldspieler zum Gratulieren. Fetsch legte in Hälfte zwei sein drittes Saisontor mit einem schulbuchmäßigen Kopfball nach.
+
Offenbacher Jubelknäuel: Nach Mathias Fetschs Tor zum 1:0 - dem ersten Treffer in dieser Saison in der ersten Hälfte - kamen alle zehn Feldspieler zum Gratulieren. Fetsch legte in Hälfte zwei sein drittes Saisontor mit einem schulbuchmäßigen Kopfball nach.

Tanzende und hüpfende Spieler nach dem Schlusspfiff, mit Corona-Abstand und Maske feiernde 1500 Fans auf der Tribüne. Die Offenbacher Kickers machen im Herbst 2020 Lust auf mehr.

Offenbach - Auf mehr solcher Vorstellungen wie beim hochverdienten 3:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim II, auf mehr Zuschauer bei Heimspielen - und auf eine Saison, in der die Anfangseuphorie auch durch Rückschläge nicht ins Gegenteil verkehrt wird.Schon jetzt steht fest: Der OFC steht nach vier Spieltagen so gut wie nie da seit dem Abstieg in die Fußball-Regionalliga Südwest 2013. Zehn Punkte holten die Kickers zwar nach vier Partien auch 2019/20 und 2017/18. Nie aber war die Tordifferenz (7:0) derart makellos.

Angelo Barletta war nach dem über weite Strecken überzeugenden Auftritt naturgemäß zufrieden. Dennoch trat der OFC-Trainer etwas auf die Bremse. „Wir sind noch keine Spitzenmannschaft, wir sind erst auf dem Weg dorthin.“ Barletta hatte natürlich viel Gutes gesehen: Eine variable Offensive, in der der unermüdliche Marcell Sobotta sich spät mit seinem ersten Tor für den OFC belohnte (90.). Einen Mittelstürmer Mathias Fetsch, der wie in Pirmasens geistesgegenwärtig nach Sobottas parierter Großchance den Abpraller verwertete (4.) und in der 51. Minute per Kopfball sein drittes Saisontor erzielte.

Ein Mittelfeld, in dem Tunay Deniz mit klugen Bällen das Spiel schnell zu machen versucht und damit Serkan Firat entlastet, der selbst zwar Akzente setzt, aber noch längst nicht auf Hochtouren läuft. Pech hatte er allerdings in der 23. Minute, als Philipp Strompf seinen Schuss mit der Hand vor dem Überqueren der Torlinie bremste. Ein klarer Strafstoß.

Und Barletta sah natürlich auch eine Defensive, die in dieser Verfassung zu einem echten Trumpf werden könnte. Die Außenverteidiger Francesco Calabrese und Ronny Marcos sind pausenlos unterwegs, wurden dieses Mal zudem gut von den offensiven Außen Marcell Sobotta und Davud Tuma unterstützt. Die Innenverteidiger Sebastian Zieleniecki und Malte Karbstein agieren, als würden sie seit Jahren zusammenspielen. Und hinter ihnen steht ein Kapitän, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Torwart Stephan Flauder, zudem lautstarker Organisator, war zweimal richtig gefordert, als Hoffenheim zwischen der 30. und 40. Minute aufkam. Robin Szarkas Drehschuss (33.) parierte Flauder stark. Sensationell war sein Reflex bei Maximilian Beiers Kopfball aus kurzer Distanz (38.). „Da konnten wir uns bei Stephan bedanken, dass wir das 1:0 in die Pause mitnehmen durften“, meinte Linksaußen Sobotta.

„Dass wir uns in dieser Phase soweit zurückziehen, war nicht geplant“, meinte Barletta und nahm diese kleine Schwächephase auch zum Anlass, mahnende Worte zur Entwicklung des Teams zu wählen. „Wir sind weiterhin in der Findungsphase, wir müssen weiter hart arbeiten am Feintuning.“

Doch der OFC überstand die kritische Phase, sammelte sich in der Pause - und machte nach Wiederanpfiff schnell alles klar. Und wie schön sah das 2:0 aus: Firat flankte maßgerecht - und nach Fetschs Musterbeispiel für einen Kopfball gegen die Laufrichtung des Torwarts jubelten die Fans auf den drei Sitztribünen. Wenig später brandete großer Beifall auf, als der Doppeltorschütze für Florent Bojaj das Feld verließ. „Das fühlt sich schon nach Fußball an“, sagte Fetsch freudestrahlend, wählte dann aber ähnlich zurückhaltende Worte wie sein Coach: „Wir sind erst auf dem Weg Richtung Spitzenteam.“

Barletta weiß natürlich um die Strohfeuer guter Serien zum Auftakt in der Vergangenheit. „Jeder weiß, was letzte Saison passiert ist“, sagte er mit Blick auf sogar 13 Punkte zum Start und den dann folgenden Absturz. „Der richtige Stresstest fehlt uns noch“, räumt Barletta ein. Denn insgesamt war der Auftritt der hochtalentierten Hoffenheimer kein Maßstab. Ob der Stresstest schon am Freitag bei der TSG Balingen kommt? Vielleicht. Ganz sicher dann im nächsten Heimspiel gegen den Tabellenzweiten TSV Steinbach Haiger. Erst dann wird sich zeigen, was der beste Saisonstart in der Regionalliga Südwest wert ist.

OFC: Flauder (Note: 1) - Calabrese (2,5), Zieleniecki (2), Karbstein (2), Marcos (2) - Deniz (2,5), Garic (3,5/55. Campagna 3), Firat (2,5) - Tuma (2,5/82. Lemmer), Fetsch (2/55. Bojaj 3), Sobotta (2) Hoffenheim II: Philipp - Görlich, Erb, Strompf, Kölle (70. Beyreuther) - Ludwig, Szarka, Lässig (46. Monteiro-Mendez), Beyer (70. Butler) - Sahin, Skenderovic

Schiedsrichter: Satriano (Zell ) - Zuschauer: 1500 - Tore: 1:0 Fetsch (4.), 2:0 Fetsch (51.), 3:0 Sobotta (90.) - Gelb: Calabrese - Erb, Strompf, Philipp

Von Jörg Moll

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare