OFC Ex-Spieler Daghfous scheitert mit Klage gegen Entlassung und kündigt Berufung an

Faustschlag mit Folgen

Nejmeddin Daghfous (rechts) erzielte am 1. Dezember beim 3:1 gegen den SC Freiburg II seinen sechsten und letzten Treffer für den OFC. Links schaut Andis Shala zu, der den Klub im Winter verließ. Foto: Hübner

Offenbach – Die Offenbacher Kickers haben den ersten Sieg lange vor dem ersten Spieltag der neuen Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest errungen - vor dem Arbeitsgericht Offenbach. VON JÖRG MOLL

Dort hatte der ehemalige Spieler Nejmeddin Daghfous gegen die fristlose Kündigung seines Vertrages geklagt. Der 33-Jährige hatte im Nachgang einer heftigen Trainingsauseinandersetzung am 26. Februar dieses Jahres seinem Mitspieler Luigi Campagna (30) beim Gang in die Kabine mit einem Faustschlag die Nase gebrochen.

Das Arbeitsgericht wies die Klage gegen den durch Geschäftsführer Thomas Sobotzik und Rechtsanwalt Horst Kletke vertretenen OFC erstinstanzlich ab. Die fristlose Kündigung, die erstmals am 27. Februar und nochmals am 15. April ausgesprochen wurde, ist damit vorerst rechtsgültig. Daghfous, dessen sportliche Zukunft offen ist, kann nun vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht Berufung einlegen.

„Ich bin natürlich sehr enttäuscht“, kommentierte Daghfous („Ich bin kein aggressiver Typ“) das Urteil und kündigte an, in Berufung zu gehen. Der Spielmacher, der im Sommer 2019 vom Zweitligisten SV Sandhausen ursprünglich bis 30. Juni 2021 verpflichtet wurde und mit sechs Treffern bester OFC-Torschütze der vorzeitig abgebrochenen Corona-Saison 2019/2020 war, hatte eine außergerichtliche Einigung ebenso abgelehnt wie der Verein. Eine Variante sah eine Vertragsauflösung ohne Abfindung vor, die hatte die Daghfous-Partei abgelehnt. Die andere, die eine Abfindung vorsah, lehnte der OFC gestern auch nach der durch das Gericht angebotenen Halbierung der Summe ab.

Daghfous hatte mit seinem Anwalt Dr. Andrej Dalinger vor dem Arbeitsgericht in Offenbach eingeräumt, dass es an jenem 26. Februar dieses Jahres im Nachgang eines heftigen Zweikampfs („Ich wurde nach einer Flanke brutal wie beim Football gecheckt“) im Training zu einer Rangelei mit Campagna gekommen war. „Wir haben Stirn an Stirn gestanden“, räumte auch der als Zeuge geladene Campagna ein. Aktive Bewegungen in Richtung von Daghfous, die als Kopfnuss gewertet werden könnten, bestritt er aber. Die Teamkollegen hatten die Streithähne auseinandergebracht. Trainer Angelo Barletta hatte daraufhin beide in die Kabine geschickt. Assistenztrainer Dennis Bochow begleitete sie - und erlebte dann eine weitere Eskalation der Auseinandersetzung.

Daghfous war nach Zeugenaussagen beim Gang in die Kabine auf Campagna zugegangen. „Ich hatte ihn in einem ‘Umarmungsgriff’ und dabei gefragt, warum er mich im Training so hart angegangen habe“, erklärte Daghfous. Kurz bevor Bochow sich zwischen die beiden stellte, habe Campagna zugeschlagen, Daghfous’ folgender Faustschlag sei daher als Reflex aus Notwehr zu verstehen gewesen. In der Kabine habe Campagna dann eingeräumt, ihn geschlagen zu haben. Vor Gericht gab der vor der Saison vom SSV Ulm 1846 gekommene Mittelfeldspieler aber nur an, beim Versuch, sich aus dem Klammergriff zu befreien, „Nejmeddin mit drei Fingern irgendwo berührt zu haben“.

Mehr als zwei Stunden lang befragte das Richtergremium gestern - coronabedingt hinter Plexiglas unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, zu denen auch Lüftungspausen gehörten - die beiden Parteien. Vor allem die Zeugen, zu denen neben Campagna und Bochow auch Birger Naß, einst mit Bochow Assistent von Barletta bei Bayern Alzenau, gehörte. Naß war als Trainingsgast zufällig Zeuge der Szene geworden. Auch er hatte keinen Schlag Campagnas gesehen, wohl aber einen von Daghfous. Dessen Verteidiger hatte argumentiert, dass ein gezielter Schlag bei einem solchen Gerangel nicht möglich sei. Dieser Ansicht folgte das Gericht ebenso wenig wie Daghfous’ Aussage, in Notwehr zugeschlagen zu haben.

„Ich freue mich, dass Gerechtigkeit gesprochen wurde“, meinte Kickers-Geschäftsführer Sobotzik: „Es wäre ein fatales Signal, wenn so ein Gebaren vom Gericht als tolerierbar erachtet worden wäre. Was hätten wir dann unseren jungen Spielern gesagt?“ OFC-Anwalt Kletke konstatierte: „Jemandem per Faustschlag die Nase zu brechen, gehört in kein Arbeitsverhältnis.“

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