CDU-Generalsekretär ist OFC-Fan

Peter Tauber: „Für Mitleid gibt es keinen Grund“

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CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit Bundeskanzlerin Angela Merkel...

Offenbach - In Peter Tauber  haben die Offenbacher Kickers seit einiger Zeit einen Mann in Berlin: Der Generalsekretär der CDU ist bekennender Fan des OFC. Im Interview spricht der 39-jährige Historiker über sein Verhältnis zu den Kickers und seine fußballbegeisterte Chefin. Von Christian Düncher 

Herr Tauber, wie wird man als gebürtiger Frankfurter, den es später in den Main-Kinzig-Kreis verschlagen hat, Fan der Offenbacher Kickers?

Ich bin zwar in Frankfurt geboren, aber meine Familie ist gebürtig aus Wächtersbach. In meiner Kindheit habe ich mal sechs Jahre im niedersächsischen Exil verbracht, dann sind wir wieder nach Wächtersbach zurück, und heute lebe ich in Gelnhausen. Mein Vater hat mich damals erstmals mit auf den Berg genommen. Seitdem bin ich Kickers-Fan. Das ist schon eine ganze Weile her.

Sie sind nicht nur Anhänger, sondern seit einiger Zeit auch Mitglied des OFC. Was hat Sie dazu bewogen?

Ich mag es nicht, wenn Leute immer nur jammern oder meckern. Darum bin ich, als die Kickers Insolvenz anmelden mussten, eingetreten. Mitmachen, wenn man Erfolg hat, das ist ja leicht. Aber sich bekennen, wenn es schwierig ist, das braucht es. Das ist ja übrigens auch in der Politik so: Seine Überzeugungen vertreten, wenn alle Beifall klatschen, ist einfach. Man muss aber auch sagen, was man richtig findet, wenn andere kritisch sind. Was die Kickers betrifft: Ich war schon im Stadion, als Oli Roth noch für uns in der Oberliga Hessen gespielt hat. Und da habe ich mir gesagt, jetzt wird es endlich mal Zeit, Mitglied zu werden.

Ihre Büro-Einrichtung gilt als extravagant. Es soll dort neben einer Statue der preußischen Königin Louise auch diverse Modell-Figuren aus dem Science-Fiction-Epos „Star Wars“ geben. Ist da auch noch Platz für einen OFC-Wimpel?

Gute Idee. Nachdem meine Sekretärin Fan des Vereins ist, dessen Name nicht genannt werden darf, müsste ich da dringend aufrüsten. Vielleicht hole ich mir da beim nächsten Stadionbesuch in Offenbach einen Wimpel aus dem Fan-Shop. Auf meinem Auto ist auf jeden Fall bereits ein OFC-Aufkleber drauf.

Wird man als bekennender OFC-Fan in der Bundespolitik eher bemitleidet oder überwiegt bei den Kollegen die Anzahl derer, die einen auf die ruhmreiche Vergangenheit der Kickers ansprechen?

Bemitleidet? Dazu gibt es keinen Grund. Streit gab es nur, als mein geschätzter Kollege Franz-Josef Jung mich ernsthaft gefragt hat, ob ich im Bundestags-Fanclub dieses Frankfurter Vereins mitmachen will. Das habe ich mit Empörung zurückgewiesen.

Wann ziehen Sie denn mit einem OFC-Fanclub im Bundestag nach?

Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht.

Wie fielen die Reaktionen aus, seit bundesweit darüber berichtet wurde, dass Sie Kickers-Anhänger sind?

Die eventuelle, ab und an zu hörende Häme von der anderen Main-Seite habe ich ignoriert. Ansonsten muss man zum Glück dem geneigten Fußballkenner nicht erklären, dass die Kickers ein echter Traditionsverein sind.

In diesem Zusammenhang hieß es, Sie hätten „ein Herz für Verlierer“. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, man sollte immer aufpassen, dass man nicht auf einem zu hohen Ross sitzt. Und ich mag es, wenn man kämpfen kann. Auch das ist in der Politik ja ähnlich. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass die CDU bei der Bundestagswahl über 40 Prozent der Stimmen holt. Darum gilt: Entscheidend ist auf dem Platz. Und da kann ich mich mit den Kickers-Tugenden ‘Kämpfen und voller Einsatz’ ganz gut identifizieren.

Der Grüne Tarek Al-Wazir, ebenfalls OFC-Fan, schrieb Ihnen bei Twitter, dass Sie jetzt nur noch im Laufe der nächsten vier Jahre Ihre „Chefin auf den Bersch kriegen“ müssten. Was ist realistischer: Dass der OFC in der aktuellen Legislaturperiode ein Pflichtspiel bei Ihnen in Berlin bestreitet oder dass sich Angela Merkel ein Kickers-Spiel in Offenbach ansieht?

Für den OFC wäre vielleicht ein Besuch der Kanzlerin, die ja wirklich ein echter Fußballfan ist, eine schöne Sache, aber da bin ich ganz egoistisch: Vom Pflichtspiel in der Bundesliga haben wir dann langfristig mehr. Vielleicht sollten wir uns ein Pokalfinale in den nächsten drei Jahren als Ziel vornehmen. Titel und Spielbesuch der Kanzlerin zu kombinieren, hätte ja auch was!

Wird man Sie weiterhin regelmäßig bei OFC-Spielen sehen?

Regelmäßig eher nein. Aber ich verfolge den OFC auf Twitter. Da bin ich immer auf dem Laufenden.

Was wünschen Sie den Offenbacher Kickers für die aktuelle Spielzeit und die kommenden Jahre?

Uffsteige. Mer schaffe das.

Vorstellung von Alfred Kaminski

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