Erstes Mal 

Gohlke hat keine Furcht vor Waldhof Mannheim

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Jugend trifft auf Routine: Gerrit Gohlke (rechts) ist mit 20 Jahren der jüngste Innenverteidiger im Kader der Offenbacher Kickers, Lucas Albrecht (links) mit 29 Jahren der älteste. Hinten in der Mitte: Francesco Lovric (23).

Der Traum vom ersten Einsatz im „Käfig“ – so nennen die Profis der Offenbacher Kickers das Stadion auf dem Bieberer Berg – hat sich bereits erfüllt. Beim 2:0 gegen den SC Freiburg II war Gerrit Gohlke für den angeschlagenen Lucas Albrecht ins Team gekommen.

Offenbach – Damals klatschten 4087 Zuschauer dem 20-jährigen Innenverteidiger nach einer tadellosen Saisonpremiere verdienten Beifall. An diesem Samstag (14 Uhr) werden es mehr als doppelt so viele sein. Und die Atmosphäre wird ungleich prickelnder und hitziger. Doch Gohlke bleibt trotz der erwarteten 11 000 Fans im ewigen Duell gegen den Erzrivalen Waldhof Mannheim betont cool. „Das waren schon in der Jugend absolute Highlightspiele“, erinnert sich der frühere Kapitän der Offenbacher B-Jugend, die 2016 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte.

Dennoch wird Gohlke vor dem möglichen ersten persönlichen Karrierehöhepunkt nichts an seinen Vorbereitungsgewohnheiten ändern. „Ich werde mich wie auf jedes andere Spiel vorbereiten“, sagt der 1,92-Meter--Hüne. Die Bescheidenheit entspricht zum einen seinem Naturell, zum anderen aber einer nüchternen Selbsteinschätzung. Denn so richtig sicher sein kann er sich nach seinen ersten eineinhalb Einsätzen bei den Profis natürlich nicht, dass er – wie zuletzt beim 1:1 beim TSV Steinbach Haiger – wieder in der Startelf steht. Im wieder genesenen Lucas Albrecht steht Trainer Daniel Steuernagel einer der wenigen Feldspieler mit Erfahrung wieder zu Verfügung. „Gerrit hat beste Werbung für sich betrieben“, lobt der OFC-Coach: „Aber wir müssen sehen, welche Aufstellung am besten passt.“ Denkbar ist auch, dass der beidfüßig begabte Gohlke Francesco Lovrics Part als linkes Glied der Dreierkette einnimmt. Der zwei Jahre ältere Lovric hatte zuletzt in Steinbach einen schwächeren Tag erwischt. Gohlke dagegen hatte Albrechts Rolle im Abwehrzentrum des Tabellendritten durchaus überzeugend übernommen. Mit aufmerksamem Stellungsspiel und klarem, sauberen Passspiel.

Nun aber wartet im Prestigeduell mit dem souveränen Tabellenführer nochmals eine ganz andere Hausnummer. Sein potenzieller Gegenspieler ist der beste Torschütze und einer der herausragenden Angreifer der Liga in dieser Saison, Valmir Sulejmani (17 Treffer in 26 Partien). Ehrfurcht oder gar Angst gehören aber nicht zu Gohlkes Vokabular. „Wenn ich Angst hätte, wäre ich fehl am Platz“, betont er.

OFC gegen Waldhof Mannheim: Das Spiel im Liveticker

Dass sein Startelf-Debüt so verheißungsvoll und reibungslos verlief, sei auch das Verdienst der Mannschaftskollegen gewesen. Kapitän Benjamin Kirchhoff habe ihm viele Tipps gegeben, ihn auf dem Platz „super unterstützt“. Ganz stark seien die Ansagen von Daniel Endres gewesen, lobt Gohlke den Torwart-Routinier: „Er weiß einfach genau, welche Kommandos er geben muss, um mir zu helfen.“

Sollte Gohlke heute zum zweiten Mal in seiner Karriere von Beginn an und zum dritten Mal überhaupt für die Profis auflaufen, wird er es deutlich schwerer haben, die Kommandos wahrzunehmen. Bei 11 000 Zuschauern in einer hitzigen, brodelnden Atmosphäre muss jeder wissen, was er macht. Doch Gohlke, der seit der U10 bei den Kickers spielt und auch schon als Jahrespraktikant auf der Geschäftsstelle das Arbeiten für den OFC abseits des Platzes kennengelernt hat, freut sich einfach nur auf das Highlightspiel. Selbst wenn er zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen muss. „Ich stelle keine Ansprüche auf einen Stammplatz. Ich habe mich sehr über das Vertrauen des Trainerteams gefreut und will nun Konstanz in meine Leistungen bringen“, sagt der gebürtige Darmstädter. Zeit genug hat er dafür. Sein Vertrag läuft noch bis Juni 2020.

VON JÖRG MOLL

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