Kickers in der Krise

Grauenvoll und total daneben

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Stuttgarter Jubel in Offenbach: Manuel Janzer (Mitte) hat gerade das 1:0 für den VfB erzielt. Hinten die OFC-Spieler Marcel Avdic (links) und Matthias Schwarz. 

Offenbach - Mit der neuen, modernen Spielstätte sollte bei den Offenbacher Kickers alles besser werden. Doch bereits nach dem zweiten Spieltag der neuen Drittligasaison gibt der OFC ein Bild ab, das höchsten Anlass zur Sorge gibt. Von Christian Düncher

Während der Verein auf einen Machtkampf ums Präsidentenamt zusteuert, hat die Mannschaft auf dem Platz mit der 1:3-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart II den Fehlstart perfekt gemacht und mit der gezeigten Leistung nicht nur sich selbst viele Rätsel aufgegeben.

Die Spieler in der Einzelkritik

Das OFC-Zeugnis gegen den VfB Stuttgart II

„Das war grauenvoll, passiert uns aber leider immer wieder“, schimpfte Torwart Robert Wulnikowski. „Gegen eine Mannschaft wie den VfB Stuttgart II sollte für uns eigentlich mehr drin sein. Aber man hat gesehen, dass wir mit uns selbst mehr zu kämpfen hatten als mit dem Gegner.“ Neuzugang Julius Reinhardt äußerte sich ähnlich: „Zu unserer Leistung fällt mir nicht viel ein, die Gegentore schießen wir quasi selbst. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Manche können vielleicht mit dem Druck nicht so gut umgehen.“

OFC-Niederlage bei Heimspielpremiere

Die Offenbacher Kickers haben auch das zweite Saisonspiel nicht gewinnen können. Nach der Auftaktniederlage beim Halleschen FC unterlag die Mannschaft von Trainer Arie van Lent auch im ersten Heimspiel der neuen Runde der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart.

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Es stellt sich allerdings die Frage, welcher Druck hier gemeint ist. Dem ersten Pflichtspiel im neuen Stadion hatten die Spieler eigener Aussage zufolge freudig entgegengefiebert. Die – Klubangaben zufolge – 7393 Zuschauer feuerten die Mannschaft trotz der erschreckend schwachen Vorstellung länger als erwartet an. Und im VfB Stuttgart II war ein Gegner zu Gast, der von den neun Spielen zuvor in Offenbach kein einziges gewonnen hatte (drei Remis, sechs Niederlagen) und zum Auftakt ebenfalls eine 0:1-Niederlage kassiert hatte. Die Voraussetzungen hätte insofern wesentlich schlechter sein können, zumal die Gäste mit drei Spielern in der Startelf aufliefen, die noch in der Jugend spielen könnten.

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War die 0:1-Auftaktpleite in Halle noch als unglücklich bewertet worden, weil die Kickers fast eine Stunde lang in Unterzahl spielen mussten und ihr Ausgleichstor in der Nachspielzeit nicht anerkannt worden war, gab es diesmal keine Ausreden. „So wie wir uns präsentiert haben, das geht gar nicht. Ich muss mich bei allen Zuschauern entschuldigen“, sagte OFC-Trainer Arie van Lent und stellte seinem Team ein verheerenden Zeugnis aus. „Die ganze Mannschaft war total daneben. Ich hätte auch 20 Spieler aufstellen können. Mir fehlt dafür jede Erklärung. Wenn man alles, was im Fußball wichtig ist, vermissen lässt, muss man über das Gewinnen gar nicht reden.“

Bilder vom Spiel

OFC-Niederlage bei Heimspielpremiere

Die Kickers gaben ein erschreckendes Bild ab. Verwirrung in der Abwehr, Ideenlosigkeit im Mittelfeld, Harmlosigkeit im Angriff. Dazu peinliche Unordnung in einer Mannschaft, die mit lediglich drei Neuzugängen eigentlich eingespielt sein wollte und sollte. „Wir waren von Anfang an sehr griffig und lauffreudig, haben die Räume gut verdichtet“, analysierte Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny zutreffend. Der OFC fand dagegen kein Mittel, weil die Passgenauigkeit ebenso miserabel war wie das Zweikampfverhalten. Erst als es bereits 0:3 stand, kamen die Kickers besser ins Spiel und hatten nach dem Ehrentreffer durch Mathias Fetsch (64.) noch weitere Chancen. Für van Lent war das kein Trost: „Nach so einer Leistung verzichte ich gerne darauf, durch Zufall noch 3:3 zu spielen.“

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