Baustellen der Kickers

Große Herausforderungen für Mehic

+
„Es zählen nur Ergebnisse: Gewinnen wir, ist alles gut. Verlieren wir, ist alles schlecht“: OFC-Kapitän Daniel Endres ist nach dem 0:2 beim 1.FC Saarbrücken bedient. Der 32-Jährige hat in Offenbach noch ein Jahr Vertrag.

Offenbach - Die Minimalchance auf Platz zwei ist abgehakt, der Blick wird nach vorne gehen müssen beim OFC. Zwei Spieltage vor Schluss hat der Tabellenvierte der Fußball-Regionalliga Südwest „Planungssicherheit“, wie Präsident Helmut Spahn bemerkte. Von Jörg Moll 

Die angekündigte intensive Analyse kann also vorgezogen werden. Die wichtigsten Baustellen im Überblick:

TRAINER

Geschäftsführer Christopher Fiori und Sportdirektor Sead Mehic haben sich darauf verständigt, zur Trainerfrage vorerst nichts zu sagen. „Es gibt eine Vereinbarung mit Oliver Reck, an die wir uns halten“, betonte Mehic. Aller Voraussicht nach wird Recks Amtszeit in Offenbach am 30. Juni enden. Die vereinbarte Kommunikation dürfte beiden Seiten die Chance geben, die Enttäuschung über die letzten Monate, die geprägt waren von einer Abkühlung des (Vertrauens)-Verhältnisses, zu verarbeiten. Der neue Trainer muss sich darauf einstellen, dass er einen Kader vorfindet, der in großen Teilen zusammenbleibt – und für eine bestimmte Art Fußball steht: ballbesitzorientiert, über hohe Laufbereitschaft kommend. Die Aufgabe für Mehic wird es sein, dem neuen Coach das vorhandene Paket schmackhaft zu machen. Von den bereits vergangene Woche von unserer Zeitung benannten Kandidaten scheint Daniel Steuernagel die besten Karten zu haben. Der 38-Jährige war einst Nachfolger von Mehic als Trainer des SSV Lindheim. Von 2014 bis 2016 führte er Teutonia Watzenborn-Steinberg von der Verbands- in die Regionalliga.

KADER

Das Gerüst des Teams steht, was Fluch und Segen sein könnte. In Daniel Endres (32) und Bilal Jomaa Zabadne (19) stehen zwei Torhüter unter Vertrag. Der Kontrakt von Sebastian Brune (24), in der Hinrunde in vier siegreichen Spielen dreimal ohne Gegentor, läuft aus. Geben die Kickers also nach Alexander Sebald erneut einen talentierten Schlussmann ab? Oder ändert sich die Hierarchie im Tor, was einer Degradierung des Kapitäns gleich käme?

Möglichkeiten, neue personelle Reize zu setzen, bieten sich in der Abwehr. Der umworbene Rechtsverteidiger Jan Hendrik Marx besitzt als einziger einen Vertrag. „Ich hoffe, dass er uns erhalten bleibt“, sagt Mehic. Stefano Maier und Benjamin Kirchhoff erhalten neue Angebote. Offen ist die Zukunft der Linksverteidiger Dennis Schulte und Alexandros Theodosiadis. „Ich habe kein Angebot erhalten“, räumt der 29-Jährige ein.

In Mittelfeld und Angriff sind die meisten Positionen besetzt. Dren Hodja, Marco Rapp, Serkan Göcer, Francesco Lovric im zentralen Mittelfeld, Florian Treske und Varol Akgöz in der Sturmmitte. Maik Vetter, Ko Sawada, Ihab Darwiche, Marco Ferukoski und Niklas Hecht-Zirpel können daneben oder auf den Außen spielen. Serkan Firat hat ein Angebot des OFC, kokettiert aber mit einem Wechsel. Nicola Jürgens (19) steht bei Ligakonkurrenten im Kurs.

OFC zu Gast beim Tabellenführer Saarbrücken: Fotos

TRANSFERS

„Wir planen mit dem gleichen Etat wie zuletzt“, betont Sead Mehic. Der Sportdirektor wird also weiterhin nicht mit großem Geld locken können. Eine Erkenntnis dieser Saison aber ist: Der OFC hat zu wenige Führungsfiguren. Mehic dürfte auf der Suche nach diesen „Trüffeln“ seine bisherige Strategie, „erstmal in der Region zu schauen“, überdenken. Auch aus einem anderen Grund: Spieler wie Sawada oder Akgöz brauchten lange, um sich körperlich von der Hessenliga auf Profibedingungen umzustellen. Gleiches gilt für Akteure wie Lovric oder Grgo Zivkovic, die aus ausländischen Ligen kamen. Zudem müssen die Kickers Antworten finden auf die Verletzungsanfälligkeit des Kaders. Der ideelle Kurswechsel („Brust raus“), den Präsident Helmut Spahn ankündigte, wird nur mit Spielern umsetzbar sein, die über Erfahrung, vorzugsweise auf höherem Niveau, und körperliche Stabilität verfügen. Diese zu finden, wird die zweite Herausforderung nach der Trainerwahl. Daran wird Mehic gemessen werden.

ZIELSETZUNG

Im sechsten Jahr Regionalliga ein zentrales Thema, zumal künftig zwar der Meister aufsteigt, aber der Zweite leer ausgeht. Um für den Titelkampf besser gerüstet zu sein, muss der OFC an monetären Stellschrauben drehen. „In der Regionalliga ist das schwieriger“, sagt Spahn, wiederholte aber: „Ziel muss es sein, das Budget um 40 bis 50 Prozent anzuheben.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare