Kickers Offenbach: Marcell Sobotta (23) mit drei Toren und sechs Torvorlagen bester Scorer

Gut, aber längst noch nicht am Maximum

Marcell Sobotta (rechts) und Gabriel Weiss vom FC Gießen beim Kampf um den Ball.
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Marcell Sobotta (rechts) und Gabriel Weiss vom FC Gießen beim Kampf um den Ball.

Offenbach – Die Pause kommt für Marcell Sobotta zum unpassenden Zeitpunkt. Der Zugang des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach ist nämlich richtig gut drauf. Mit neun Punkten (drei Tore und sechs Vorlagen) führt der offensive Außenspieler die interne OFC-Scorerliste an - vor Torjäger Mathias Fetsch (8/0), Tunay Deniz (2/4) und Serkan Firat (2/3). Kein Wunder, dass Angelo Barletta mit dem 23-Jährigen bisher „mehr als zufrieden“ ist. „Er bringt nicht nur die Grundtugenden wie Wille, Teamfähigkeit und Leidenschaft mit. Bei ihm passt einfach alles. Er ist sehr fokussiert und willig“, lobt der Trainer den Flügelflitzer, betont aber zugleich: „Ich sehe bei ihm noch sehr viel Luft nach oben.“

Was Barletta damit meint, zeigte sich unter anderem beim jüngsten 4:0-Heimsieg gegen den TSV Schott Mainz: Aufwand und Ertrag liegen bei Sobotta oft noch zu weit auseinander. Der gebürtige Eutiner bereitete zwar das 3:0 vor und traf selbst zum Endstand, er hätte in dieser Begegnung aber noch deutlich mehr Scorerpunkte sammeln können. Chancen für „ein, zwei weitere Treffer“ habe er gehabt, sagt Sobotta und gibt zu: „Das ärgert mich.“

Es ist unter anderem dieser Ehrgeiz, den Barletta so sehr an Sobotta schätzt. „Er ist mit sich sehr kritisch und ein vernünftiger Typ, das wurde beides bereits in unseren ersten Gesprächen deutlich“, erinnert sich der Trainer. Auch die Geradlinigkeit, mit der der junge Mann mit der Nummer elf auf dem Rücken auf dem Rasen agiert, gefällt dem 43-Jährigen. „Das habe ich sehr gerne. Ich habe schon vor der Saison gesagt: Es geht nicht darum, elegant auszusehen. Wir müssen zielstrebiger sein.“ Sobotta bringt diese Eigenschaft ein. Er setzt jedem Ball nach. Und wenn er mal etwas Platz hat, gibt es nur eine Richtung: nach vorne, ohne Schnörkel und unnötige Haken. Er kann es jedoch auch trickreich, wie in Großaspach zu sehen war, als er Torschütze Florent Bojaj den Ball äußert sehenswert per Hackentrick auflegte.

„Cello“, wie er im Team genannt wird, zählt zwar mit 1,75 Metern Körpergröße zu den kleinsten Spielern im Kader, verfügt jedoch über die nötige Physis und Kompaktheit, um sich im Zweikampf zu behaupten. „Er ist ein Athlet, weil er ein Profi ist. Er lebt für seinen Beruf, ist total fokussiert“, lobt Barletta den auf beiden Außenbahnen einsatzbaren Topscorer.

Sobotta selbst will seine Leistung nicht überbewerten. „Es ist mein Job, Tore aufzulegen oder selbst zu erzielen“, erklärt er mit norddeutscher Gelassenheit. „Und wenn wir weiter so gut nach vorne spielen, ist es nur eine logische Folge, dass die Offensivspieler zu Scorerpunkten kommen.“ Neun sind es bei ihm bereits. Im Schnitt ist der bei Holstein Kiel und dem FC St. Pauli ausgebildete Außenangreifer alle 96 Minuten an einem Tor beteiligt. Das ist eine bemerkenswerte Quote, die erklärt, warum Sobotta in der Winterpause der vergangenen Saison auch bei Drittligisten als Zugang gehandelt worden war.

Am Mittwoch hätte er bei Schlusslicht Eintracht Stadtallendorf gerne weitere Scorerpunkte gesammelt. jedoch wurde der 13. Spieltag wegen der ungeklärten Frage, ob die Regionalliga Südwest als Profi- oder Amateurliga gilt, abgesetzt. Sobotta gibt zu, dass ihn das bereits vor der Partie gegen Schott Mainz beschäftigt habe („Wir wissen nicht, wie es weitergeht“). Doch die Mannschaft habe dies gut ausgeblendet. „Wir waren fokussiert und haben gespielt, als ob es das letzte Spiel war. Wir sollten versuchen, diese Einstellung zu bewahren.“ (Von Christian Düncher)

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