Hainhausener hat OFC-Historie in Alben festgehalten

Canellas rollte den roten Teppich aus

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Die Kickers-Startelf am 28. Februar 1969 beim 0:2 bei 1860 München (von links): Josef Weilbächer, Dieter Koulmann, Roland Weida, Janos Kondert, Gerd Becker, Helmut Siber, Egon Schmitt, Ferdinand Heidkamp, Alfred Resenberg, Torwart Rudolf Wimmer. Nicht auf dem Foto zu sehen: Kapitän Hermann Nuber.

Offenbach - Einen regelrechten Schatz der Erinnerungen hütet der Hainhausener Gerhard Lämmlein: Die Ereignisse der Aufstiegsrunde zur Bundesliga und das erste OFC-Jahr im deutschen Fußball-Oberhaus hat er in zwei Alben chronologisch festgehalten. Von Jörg Moll

Gerhard Lämmlein mit seinem liebevoll aus Zeitungsausschnitten, Eintrittskarten und Fotos gestalteten Album über das erste Bundesliga-Jahr der Kickers.

Unserer Redaktion gewährte er Einblicke. Die Erinnerungen an jene Zeit sind Gerhard Lämmlein nicht nur beim Blick in jene zwei liebevoll mit Zeitungsausschnitten, Eintrittskarten und Fotos gestalteten Alben stets präsent. Der 71-jährige gebürtige Offenbacher war und ist Stammgast bei den Spielen der Kickers - damals auch gerne mal auswärts.

Eine besondere Anekdote schrieb er damals sogar der Offenbach-Post. Vor dem Auswärtsspiel beim amtierenden Deutschen Meister 1. FC Nürnberg hatte Lämmlein den Weg zum Stadion nicht gefunden - und einen Passanten befragt. „Auf meine bescheidene Frage, wo es denn zum Club-Stadion gehe, antwortete dieser mit finsterer Miene: Dös sog’ i net“, schrieb der völlig überraschte Lämmlein in einem Brief an den Leiter der Stadtredaktion Offenbach, Lothar R. („Ralo“) Braun. Und der bekannte und beliebte Kolumnist ließ sich nicht lange bitten und glossierte das Erlebte des „Herrn L.“. Brief und Glosse sind natürlich im Bundesliga-Album 1968 verewigt.

Gerhard Lämmleins Erlebnis beim Auswärtsspiel in Nürnberg hat OP-Kolumnist Lothar R. „Ralo“ Braun in einer Glosse verewigt.

Auch das erste Spiel unter dem neuen Flutlicht gegen 1860 München wird Lämmlein nie vergessen. Die Kickers hatten ein 0:2 binnen drei Minuten aufgeholt - und dann doch noch 2:3 verloren. „Das war nichts für schwache Nerven, wir Fans haben fast einen Herzinfarkt bekommen und sind mit zitternden Händen nach Hause gegangen“, erinnert sich der frühere Mitarbeiter der Stadt Offenbach, der einst mit Willi Keim (Endspielteilnehmer 1950/1959 und im ersten Bundesliga-Jahr Assistent von Trainer Paul Oßwald) zusammenarbeitete.

Das große OP-Quiz über die Offenbacher Kickers

In den 70er Jahren zog es Lämmlein dann von seinem Offenbacher Domizil in der Sprendlinger Landstraße nach Hainhausen. Der innigen Unterstützung für die Kickers tat die somit etwas größere Entfernung keinen Abbruch, noch heute ist Lämmlein häufig im Stadion. Beim Blättern in seinem so rührend-aufwendig gestalteten OFC-Almanach aus diesen Zeiten findet sich so manches Schmankerl. Unter anderem auch Fotos einer heute undenkbaren Aktion, die sich Kickers-Präsident Horst-Gregorio Canellas vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) „aus Rache“ hatte einfallen lassen. Weil sich die OFC-Verantwortlichen im Hinspiel am Bökelberg auf harten Bänken, oder wie es unsere Zeitung schrieb, „auf einem hölzernen Etwas“ quetschen mussten, revanchierte sich Canellas mit einem roten Teppich, der zu luxuriösen Korbsesseln führte, in denen die Gladbacher Funktionäre derart komisch Platz fanden, dass „das Volk vor Wonne tobte“, wie zu lesen stand.

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