„Der Verein kommt an erster Stelle“

Jugend ist so wichtig wie Tradition

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Hermann Nuber (Mitte) flankiert von den ehemaligen Nationalspielern Rudi Völler (links) und Dieter Müller. Nuber hat die beiden Mittelstürmer in seiner Zeit als Jugend-Trainer bei den Kickers gefördert und geformt.

Offenbach - Kein anderer Spieler verkörpert und symbolisiert Kickers Offenbach wie Hermann Nuber (77). Der gebürtige Offenbacher spielte als 17-Jähriger 1952 zum ersten Mal für den OFC. Nach fast 20 Jahren im Kickers-Trikot beendete er 1971 seine Karriere.

1968 belegte der „eiserne“ Hermann bei der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres Platz zwei hinter Franz Beckenbauer. Schon zu Lebzeiten hat man ihm ein Denkmal am Bieberer Berg gesetzt. Jochen Koch sprach mit Hermann Nuber über die aktuelle Situation beim OFC.

Herr Nuber, was bewegt Sie in diesen Tagen mehr, das Heimspiel der Kickers am Samstag gegen den Karlsruher SC oder die Mitgliederversammlung am Donnerstag?

Natürlich das Spiel gegen den Karlsruher SC. Der Sport muss immer im Vordergrund stehen, egal was noch im Verein los ist.

Was trauen Sie der Mannschaft gegen den KSC zu?

Die 14-tägige Länderspielpause ist zum falschen Zeitpunkt gekommen, weil die Kickers richtig gut drauf waren. Wenn sie die Pause gut überstanden haben und wenn sie spielen wie in der zweiten Halbzeit gegen Burghausen, dann ist auch gegen den KSC ein Sieg drin.

Haben Sie eine Erklärung, für die zwei Gesichter, mit vier Niederlagen und dann fünf Spielen ohne Niederlage?

Die vier Auftaktniederlagen waren unfassbar. Ich habe mich gefühlt wie sonst in der Rückrunde, als der OFC alles verspielt hat. Jetzt ist es hoffentlich umgekehrt. Man kann nur hoffen und beten, dass die Mannschaft sich jetzt stabilisiert hat.

Können die Kickers vielleicht noch einmal in den Kampf um den Aufstieg eingreifen ?

Klar. In der Saison ist noch alles drin. Es gibt keine überragende Mannschaft.

Neben dem Spiel gegen den KSC steht noch eine weitere Veranstaltung im Blickpunkt, die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen, was kommt da auf die Mitglieder zu?

Eine ganze Menge. Aber jedem muss klar sein: An erster Stelle kommt immer der Verein, dann erst die Figuren. Ich hoffe mal, es sind keine Gaukler oder Ein-Tages-Fliegen dabei. Jeder muss sich dem Verein unterordnen.

Erstmals seit 1958 wird es zwei Bewerber für das Präsidentenamt geben. Sie waren 1958 Spieler beim OFC. Wie sind Ihre Erinnerungen an die letzte Jahreshauptversammlung mit zwei Kandidaten?

Ich habe das Drama damals im Parkhotel miterlebt. Eine verrückte Geschichte mit großen Auswirkungen.

Erzählen Sie bitte.

Ludwig Mohler war der Präsident, wurde an dem Abend aber von Hans Winter abgelöst. Mit dem konnte unser damaliger Trainer Paul Oßwald nicht und hat sofort seinen Rücktritt erklärt. Einfach so. Oßwald ist dann gleich zur Eintracht. Ich sage heute noch, wir waren damals die bessere Mannschaft, aber mit Oßwald ist die Eintracht ein Jahr später Deutscher Meister geworden. Unglaublich, damals haben fünf, sechs Stimmen die Wahl entschieden. Und die waren damals auf dem Bieberer Berg.

Auf dem Bieberer Berg?

Zur gleichen Zeit war Sitzung der Jugendtrainer im Stadion und Präsident Mohler hat gesagt, die brauchen nicht zu kommen, weil er die Wahl sowieso gewinnt. Das hat dann nicht geklappt. Die Folgen sind bekannt.

Zwei Teams bewerben sich um die Verantwortung. Zeigt das, dass Kickers Offenbach immer noch ein interessanter und attraktiver Verein ist?

Ja, absolut. Hier wird es immer weiter gehen, auch wenn die Zeiten schwierig sind. Kickers Offenbach ist eine gute Marke, aus der man bestimmt noch mehr heraus holen kann. Wir müssten nur endlich aus dieser 3. Liga raus. Es ist doch unfassbar, dass Sandhausen, Regensburg, Paderborn oder der FSV Frankfurt das schaffen, und wir nicht.

Sehen Sie die Gefahr, dass durch zwei Bewerber der Verein und die Fans gespaltet werden könnten?

Das wäre das Schlimmste was passieren könnte. Deshalb müssen beide Bewerber unbedingt Fair-Play beherzigen. Am Donnerstag darf es nur um den Verein gehen.

Frank Ruhl tritt mit Barbara Klein, Oliver Roth und Thomas Zang Junior an. Wie schätzen Sie dieses Team ein?

Die Besetzung klingt gut. Das sind kompetente Leute. Sie werden sich respektvoll verhalten. Ich gebe ihnen gute Chancen.

Remo Kutz will mit drei Vizepräsidenten antreten. Ihre Meinung?

Mal was ganz Neues. Ich kenne Herrn Kutz nicht, habe ihn in der Offenbach-Post zum ersten Mal gesehen. Das muss man erst mal verarbeiten.

Welche Rolle wird Barbara Klein, die einzige Frau unter den Bewerbern, spielen?

Sie wird die Hauptrolle spielen. Sie kann mit den Fans umgehen, mit Sponsoren. Ich glaube, das ist der richtige Job für sie. Sie muss ja nicht sagen, wie einer den Ball stoppen soll. Wichtig sind ihre Verbindungen und Beziehungen.

Beide Kandidaten haben mit Oliver Roth und Walter Krause ehemalige Stürmer und Publikumslieblinge aufgeboten.

Schade, dass ich zu alt bin, sonst hätte ich auch noch mitmachen können (lacht). Wobei der Walter Krause schon etwas länger und weiter weg ist als der Oliver Roth. Da geht es natürlich auch um Sympathiepunkte. Der Name soll vielleicht für die möglicherweise entscheidenden Stimmen sorgen.

Wie bewerten Sie es, dass Kickers-Geschäftsführer Jörg Hambückers sich deutlich für das Team Kutz und gegen Ruhl ausgesprochen hat?

Das finde ich gar nicht gut. Hambückers ist auf seinem Gebiet ein guter Mann. Aber er soll sich bei der Wahl nicht einmischen, das macht man als Angestellter nicht.

Beide Kandidaten betonen, wie wichtig ihnen die Tradition des Vereins ist.

Das ist für Kickers Offenbach sehr wichtig, doch genauso wichtig ist die Jugend, die Nachwuchsarbeit. Der FSV Frankfurt macht es vor, baut die Talente in der 2. Liga ein. Man muss den Jungen nur die Chance geben. Das sind Spieler mit Herz. Das war einmal unsere Stärke. Da muss sich wieder viel mehr bewegen. Ich denke, beide Kandidaten haben gute Leute für diesen Bereich.

Was muss das neue Präsidium besonders beachten?

Der sportliche Bereich ist das A und O. Wenn es da stimmt, kommen auch die Zuschauer und Sponsoren. Die Kickers haben großes Potenzial. Wir alle warten doch nur darauf, dass sich wieder was bewegt.

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