Regionalliga

Offenbacher Kickers: Kalte Duschen für Kickers und Steuernagel

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Einer der wenigen Lichtblicke: Nejmeddin Daghfous (links) erzielt den Anschlusstreffer zum 1:2, dabei sah Homburgs Torwart David Salfeld (rechts) nicht gut aus. 

Die Szene passte zu einem ganz bitteren Auftritt der Offenbacher Kickers in der Fußball-Regionalliga Südwest beim FC Homburg. Nach Spielschluss war Daniel Steuernagel von einer Homburger Anhängerin mit einem vollen Bierbecher beworfen worden.

Homburg – Schon nach dem 0:1 hatte der Trainer der Offenbacher Kickers eine solche Attacke über sich ergehen lassen müssen - wohl vom Ehemann der Täterin. Noch mehr bedient war Steuernagel allerdings vom Auftritt seiner Mannschaft beim 1:2 (0:0).

„Das war ein sehr gebrauchter Tag. Das war viel zu wenig“, meinte Steuernagel nach der ebenso verdienten wie unnötigen Niederlage bei den Saarländern, die nach zuvor zwei Niederlagen (0:2 in Bahlingen und 1:5 gegen Ulm) alles andere als vor Selbstvertrauen gestrotzt hatten. „Wir haben den Gegner unnötig stark gemacht“, ärgerte sich Steuernagel. Weil der OFC-Trainer nach den beiden Bierattacken auch emotional angefasst war, hielt er sich in der Pressekonferenz extrem kurz. „Ich dachte, die Frau wollte sich entschuldigen, dann wirft sie den Becher. Das geht gar nicht“, meinte er später zu den Vorfällen. Kickers Offenbach hatte für vergleichbare Aktionen seiner Fans bereits mehrfach Strafen gezahlt.

Mehr noch als die beiden Szenen ärgerte sich Steuernagel über den über weite Strecken leblosen Auftritt seiner Mannschaft, die ohne die Routiniers Kevin Pezzoni (Rot-Sperre) und Richard Weil (Sehnenriss im Oberschenkel) und den angeschlagenen Luka Garic (Patellasehnenprobleme) angetreten war. Gegenüber dem 0:3 gegen Elversberg hatte Steuernagel drei Änderungen vorgenommen. Für Kevin Ikpide, Manolo Rodas (beide Bank) und Garic begannen Lucas Albrecht, Jakob Lemmer und Matias Pyysalo.

Von den leidenschaftlichen Auftritten in den ersten fünf Partien war kaum noch etwas zu sehen. Erst, als der OFC scheinbar aussichtslos nach Gegentoren von Patrick Lienhard (60.), und Damjan Marceta (71.) mit 0:2 hinten lag, bäumten sich die Kickers nochmals auf. Doch dieses Mal gelang die Wende trotz des Anschlusstores von Nejmeddin Daghfous (76.) nicht mehr, auch wenn die Joker Andis Shala (74./Lattenkopfball aus einem Meter), Niklas Hecht-Zirpel per Kopfball (81.) und Bastian Kurz (90.+3) per Volleydirektabnahme die Wende vor Augen hatten. Doch sie wäre auch Augenwischerei gewesen.

„Die Mannschaft hat noch nie ein solches Gesicht gezeigt wie heute“, zeigte sich Sportdirektor Sead Mehic schockiert: „Das werden wir analysieren müssen.“ Auch Steuernagel kündigte in dieser Woche an, „knallhart alles anzusprechen“. Gesprächsthemen gibt es reichlich. Angefangen beim langsamen und ideenlosen Aufbauspiel über eine Abwehr, die bei beiden Gegentoren zu passiv agierte, bis hin zu einer diskutablen taktischen Ausrichtung.

Das Offenbacher 4-4-2-System ist leicht ausrechenbar, weil viel zu statisch. Nur wenn Nejmeddin Daghfous einen Geistesblitz hat, wird es gefährlich. Weil Offenbachs Nummer zehn, den Steuernagel als zweite Spitze „mit allen Freiheiten“ (Steuernagel) aufgeboten hatte, aber gut abgeschirmt wurde und von den Außenpositionen keinerlei Akzente kamen, war der OFC für die Homburger der willkommene Aufbaugegner.

„Die Spieler wussten, wie sie spielen sollten, wir haben die ganze Woche Ballbesitz trainiert“, ärgerte sich Steuernagel. Dennoch gelang es kaum mal, über mehr als drei Stationen den Ball zu behaupten. „Wir haben zu viele Fehler gemacht“, meinte Kapitän Maik Vetter, der von der rechten Außenbahn ins zentrale Mittelfeld gerückt war. Eine Erklärung für die Mängel hatte er nicht. Erschreckend zudem, dass Homburg im vierten Spiel in zehn Tagen trotz sengender Hitze einsatzfreudiger wirkte. „Wir waren aggressiver gegen den Ball“, lobte Joti Stamatopoulos, Co-Trainer der Saarländer und unter Oliver Reck einst beim OFC. Erst als die Homburger Kräfte erlahmten und Steuernagel Shala und Albrecht als Zielspieler ins Sturmzentrum beorderte, wurde der OFC mit der Brechstange gefährlicher. Das aber ist viel zu wenig für die Ansprüche der Kickers, die nach dem siebten Spieltag acht Zähler Rückstand auf den 1. FC Saarbrücken (21) haben und nun gegen den FK Pirmasens die Wende schaffen müssen, wenn es nicht richtig ungemütlich werden soll. In der Verfassung von Samstag erübrigen sich aber Träume vom Titel ohnehin.VON JÖRG MOLL

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