KICKERS Ursachenforschung nach 0:0 gegen Pirmasens, aber keine Trainerdiskussion

„Das kann nicht unser Anspruch sein“

Tristesse auf der Ersatzbank: Torwarttrainer Rene Keffel (von links), Chefcoach Daniel Steuernagel, Sportdirektor Sead Mehic und Co-Trainer Max Lesser ist deutlich an den Mienen abzulesen, wie ihnen das Spiel der Kickers gegen Pirmasens zusetzte. Foto: Hübner

Offenbach – Nach dem dritten Spiel ohne Sieg kochten bei Teilen der Fans des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach die Emotionen hoch. VON JÖRG MOLL

„Absteiger, Absteiger“, skandierten einige enttäuschte Anhänger und fanden schnell den Schuldigen an der Situation: „Trainer raus“, ertönte es von der Gegengeraden mit den treuesten der Treuen nach dem 0:0 gegen den Vorletzten FK Pirmasens. Auch für Geschäftsführer Andreas Herzog eine Situation, der er sich stellen muss.

„Das kann nicht unser Anspruch sein, das war viel zu wenig“, konstatierte er nach der Enttäuschung gegen den weiterhin sieglosen Vorletzten. Eine Trainerdiskussion schloss Herzog aber aus, auch wenn er die Reaktionen der Fans laut und deutlich vernommen hatte. „Das ist ihr gutes Recht, dass sie sich so äußern, damit müssen wir umgehen“, betonte er: „Aber für uns gilt: Wir müssen den Grund dafür finden, warum es nicht läuft – und ihn abstellen.“

„Wenn es nicht läuft, musst du etwas ändern“, erklärte Trainer Daniel Steuernagel seine taktischen und personellen Überlegungen nach dem 1:2 in Homburg. Gegen Pirmasens brachte er für Matias Pyysalo, Jakob Lemmer (beide Bank) und Marco Schikora (krank) Kevin Pezzoni, Niklas Hecht-Zirpel und Andis Shala. Pezzoni rückte als linkes Glied in die neuformierte Dreierkette neben Francesco Lovric und Lucas Albrecht. Vor ihm agierte erstmals Hecht-Zirpel – als zweiter Sechser neben Luigi Campagna. Und der gelernte Angreifer gehörte noch zu den besseren Offenbachern in der ersten Hälfte.

„Wir brauchten etwas, bis wir uns darauf eingestellt hatten“, räumte Pezzoni mit Blick auf die taktische Neuerung ein. Nach ordentlichem Beginn wurde das Spiel des OFC immer unansehnlicher, weil kaum Spielfluss zustande kam. „An der Dreierkette lag es nicht. Wir haben zu viele Fehlpässe gespielt, zu viele dumme Fouls gemacht“, ärgerte sich Steuernagel, der in der Woche den Trainingsschwerpunkt auf Ballbesitz gelegt hatte.

Doch im Spiel war davon wenig zu sehen. Selbst erfahrenen Akteuren wie Nejmeddin Daghfous unterliefen unerklärliche Fehlpässe, dazu kamen teils klägliche Standards – in den ersten fünf Partien noch eine Waffe der Kickers. Hätte aber Albrecht freistehend nach Hecht-Zirpels Schuss die Kugel volley ins statt neben das Tor befördert (41.), wäre die Welt dennoch zumindest ergebnismäßig in Ordnung gewesen.

In Halbzeit zwei reagierte Steuernagel, brachte für den blassen Reinhard Zugang Moritz Hartmann, ließ die Kickers mit drei Spitzen (Daghfous, Shala und Hartmann) agieren – und fortan lief es etwas besser. Shalas Kopfball nach Pezzonis Lupfer wischte aber der Pirmasenser Torhüter Benjamin Reitz stark über den Kasten (48.). „Uns hat auch das Quäntchen Glück gefehlt“, meinte Steuernagel auch mit Blick auf Hartmanns Volleyschuss (72.), der knapp am langen Pfosten vorbeiging.

Doch selbst ein Sieg hätte die Diskussionen um die Leistungsdelle der Offenbacher nicht im Keim ersticken können. Dessen ist sich auch Herzog bewusst und kündigte intensive Analysen an. Zugleich nahm er die Mannschaft in die Pflicht. „Unser Anspruch muss es einfach sein, uns besser zu präsentieren.“

Routinier Pezzoni stellte derweil klar, dass „es nicht am Trainer liegt. Er macht eine gute Arbeit und gute Ansprachen“. Stattdessen forderte der bundesliga-erprobte 30-Jährige dazu auf, das Positive aus der Partie mitzunehmen. „Wir haben erstmals seit langer Zeit wieder zu null gespielt“, sagte er. Das gelang auch, weil Philipp Schuck freistehend Torwart Dominik Draband anschoss und Manuel Grünnagels Freistoß (86.) knapp vorbeiging.

Steuernagel zeigte sich nach den Zuschauerreaktionen äußerlich gelassen: „Das darf man nicht überbewerten. Ich kann mit dem Druck leben.“ Der OFC-Coach, der betonte, „im Austausch mit dem Präsidium“ zu sein, bat stattdessen um Geduld und wünscht sich, nicht in gängige „Schwarz-Weiß-Muster“ zu verfallen: „Es braucht einfach Zeit, Automatismen einzuspielen.“ Zeit, die es im traditionell unruhigen Offenbach nicht gibt. „Das ist eben so, auch damit muss man umgehen“, sagte Herzog.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare