Präsidiumsmitglieder gegen Dr. Frank Ruhl

Keine Basis für Zusammenarbeit

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Die führenden Köpfe der Kickers (von links): Schatzmeister Horst Zang, Vizepräsident Volker Eckrich, Geschäftsführer Jörg Hambückers, Pressesprecher Thorsten Siegmund und Thomas Kalt.  

Offenbach - Dem Rücktritt soll in wenigen Wochen die Beförderung folgen. Thomas Kalt hat gestern mit seiner überraschenden Ankündigung, möglicherweise als Präsident zu kandidieren, die Offenbacher Kickers in zwei Lager gespalten. Von Jochen Koch

Am Montagabend hatte er wie angekündigt sein Amt als Geschäftsführer der Profi GmbH niedergelegt. „Dem Verein entstehen durch meinen Rücktritt keine Kosten.“ In einem halbstündigen Monolog legte Kalt in einer Pressekonferenz seinen Rücktrittsgrund dar. Weder die finanzielle Situation des OFC noch Amtsmüdigkeit waren ausschlaggebend, sondern eine Person: Dr. Frank Ruhl.

Kalt monierte vor allem den „respektlosen Ton“ des von ihm selbst auserwählten Präsidentschaftskandidaten, „den wir behandelt haben, als wäre er Präsident.“ In den letzten Wochen habe die „Zahl der Alleingänge von Dr. Ruhl zugenommen.“ Als dann Sportkoordinator Ramon Berndroth Kalt über Gerüchte informierte, Dr. Ruhl wolle Kalt im Falle einer Wahl als Geschäftsführer absetzen, was Dr. Ruhl abstreitet, kam es am vergangenen Montag zu einem recht lauten Disput und Kalt erklärte seinen Rücktritt. „Bevor ich mich vom Hof jagen lasse, gehe ich selbst.“

Kalt nutzte die Gelegenheit der Pressekonferenz zur Abrechnung

Seine Entscheidung sollte zunächst einige Tage bis diese Woche geheim bleiben, was natürlich nicht möglich war. Zumal Dr. Ruhl darauf gedrängt hatte, dass Kalt nach seinem Rücktritt keine große Rolle mehr bei der Stadioneröffnung übernehmen sollte, was jedoch keine Mehrheit fand.

„Für einen allein ist das zuviel“

Die Zahlen sollen auf der in den Oktober verschobenen Jahreshauptversammlung präsentiert werden. Dann wird auch das neue Präsidium gewählt. Nach den Rücktritten von Dieter Müller und Peter Dinkel führen bis dahin Volker Eckrich (Vizepräsident) und Horst Zang (Schatzmeister) die Geschäfte. Beide erklärten gestern, dass sie Dr. Ruhl nicht vorzeitig ins Präsidium berufen werden, und auch für eine Kandidatur mit ihm nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Als Gründe nannte Eckrich „die Ereignisse um Kalt“, wollte „aber nicht weiter ins Detail gehen.“ Horst Zang, der bisher „drei bis vier Mal mit Herrn Ruhl gesprochen hatte“, monierte „einen groben Vertrauensbruch“, und gab bekannt, dass sich der Verwaltungsrat einstimmig gegen eine Kandidatur von Dr. Ruhl ausgesprochen habe.

Thomas Kalt zum Rücktritt

Thomas Kalt hat auf einer Pressekonferenz die Gründe für seinen Rücktritt als OFC-Geschäftsführer dargelegt. Nun ist er gar als Präsident der Kickers im Gespräch.

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Auch der neue Geschäftsführer Jörg Hambückers reihte sich in die Phalanx der Anti-Ruhl-Bewegung ein. „Es gab keine Basis, auf der ich mit Herrn Ruhl zusammenarbeiten kann.“ Soll heißen: Unter einem Präsidenten Dr. Ruhl steht Hambückers nicht zur Verfügung. Neben Hambückers soll bereits in den nächsten Wochen ein zweiter Geschäftsführer eingestellt werden. „Für einen allein ist das zuviel“, sagte Hambückers. „Es gibt keinen modern geführten Verein in Deutschland, wo nur einer allein das Sagen hat.“ Für die Verpflichtung des zweiten Geschäftsführers wird nicht der neue Präsident zuständig sein, sondern Eckrich und Zang wollen in den nächsten Tagen einen geeigneten Kandidaten suchen und ihn dem Aufsichtsrat vorschlagen.

„Ich bin der logische Kandidat“

Weder Eckrich noch Zang hatten Ruhl persönlich über ihren Sinneswandel informiert. Dafür hielten die beiden verbliebenen Präsidiumsmitglieder gestern ein flammendes Plädoyer für einen Präsidenten Thomas Kalt. „Wir würden es ausdrücklich begrüßen“, sagte Zang. „Er ist das Gesicht der Kickers, es gibt keinen Besseren“, meinte Eckrich.

Kalt hatte die Aufsichts- und Verwaltungsräte am Abend zuvor mit seiner grundsätzlichen Bereitschaft für eine Präsidentschaftskandidatur überrascht. „Wenn man meinen Werdegang sieht, Fan, Fanbetreuer, Sponsor, Verwaltungsrat, Vizepräsident, Geschäftsführer, bin ich der logische Kandidat.“ Allerdings ist Kalt auch bewusst, dass nun eine öffentliche Diskussion in Gang kommen wird. Denn der auch im Umfeld erhoffte Neuanfang wäre dann nur schwer nachvollziehbar. Deshalb hat sich Kalt noch nicht definitiv zu einer Kandidatur entschlossen. Er müsse die Ereignisse der letzten Tage erst sacken lassen, die neue Situation bewerten und die Reaktionen abwarten, erklärte Kalt.

Das wiederum wird den Verein nicht zur Ruhe kommen lassen. Schon am Samstag beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II dürften sich Fans und Sponsoren positionieren.

Wie lange Kalt über eine Kandidatur nachdenken will, sagte er nicht. Offen bleibt auch, ob Barbara Klein im Oktober für ein Amt kandidieren wird. Sie wollte Vizepräsidentin im Präsidium Ruhl werden, Kalt will sie auch in seinem Präsidium, dem auch Eckrich und Zang angehören sollen. Barbara Klein zeigte sich gestern von der Entwicklung überrascht. „Ich muss mir jetzt viele Gedanken um Kickers Offenbach machen.“ Wie so viele andere auch.

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