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Kickers Offenbach: 0:5-Debakel gegen FC Saarbrücken deckt Schwächen auf

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Bitterer Gang: Nach der Packung von Völklingen hatten die OFC-Fans reichlich Redebedarf mit den Offenbacher Spielern. Marco Schikora (von links), Rotsünder Gerrit Gohlke, Ronny Marcos, Dominik Draband und Kevin Ikpide trotten frustriert Richtung Kabine. Foto: Hübner

Der Schock nach der 0:5-Niederlage gegen den FC Saarbrücken sitzt bei allen Beteiligten des OFC tief. 

Saarbrücken – Es sollte eine Standortbestimmung werden – es wurde eine Demontage. Nach dem 0:5 (0:3) beim vorzeitigen Herbstmeister 1. FC Saarbrücken steckt Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach in einer tiefen Herbstdepression. Statt oben mitzuspielen, müssen die Kickers den Blick nach unten richten. Der Vorsprung des Tabellensiebten (22 Punkte) auf den möglichen ersten Abstiegsrang 14, auf dem der FSV Frankfurt steht, beträgt nur fünf Zähler. In Völklingen deckte der Spitzenreiter schonungslos die Schwächen der Offenbacher auf.

Ganze 17 Minuten lang durften die rund 300 mitgereisten OFC-Anhänger auf ein Duell auf Augenhöhe hoffen. Trainer Steven Kessler hatte seine Elf auf vier Positionen verändert. „Maskenmann“ Ronny Marcos spielte für Bastian Kurz links hinten. Kapitän Richard Weil rückte ins zentrale Mittelfeld. Lucas Albrecht und Moritz Reinhard ersetzten Moritz Hartmann (Gelb-Rot-Sperre) und Kevin Pezzoni (Wadenprobleme). Die Kickers begannen mutig, hatten durch Weil (2.) die erste Chance. Bei Vetters Flanke (13.) kam Manolo Rodas in der Mitte nicht ran.

Zwei simple Schnittstellenpässe genügen, um OFC-Defensive völlig zu entblößen

Doch beim ersten gefährlichen Spielzug der Saarländer zeigte sich gleich, wie instabil das Offenbacher Gefüge ist. Zwei simple Schnittstellenpässe genügten, um die Defensive völlig zu entblößen. Erst kam Luigi Campagna gegen Sebastian Jacob im Mittelfeld zu spät, dann war Eisele vor Gohlke am Ball. Der Offenbacher Innenverteidiger zog kurz vor dem Strafraum die Notbremse - und sah folgerichtig Rot (17.)

„Damit war unser Matchplan kaputt“, resümierte Kessler, der danach mitansehen musste, wie sein Team großzügig Geschenke an die Saarländer verteilte. Zwar hatte der OFC zwei Chancen durch Manolo Rodas (23.) und Moritz Reinhard (27.), der nach Rodas-Ecke knapp verpasste. Insgesamt agierte er aber taktisch naiv, griff zu hoch an – und machte es dem Gastgeber mit haarsträubenden individuellen Fehlern zu leicht. In der 31. Minute ließ sich Weil den Ball an der eigenen Torauslinie von Fabian Eisele abluchsen. Dessen Pass verwertete der überragende Jacob zur 1:0-Führung.

OFC-Rechtsaußen Maik Vetter: "Wir haben uns selbst alles eingebrockt"

„Wir haben uns selbst alles eingebrockt, die ersten vier Gegentore haben wir uns selbst eingeschenkt“, ärgerte sich der dieses Mal Rechtsaußen spielende Maik Vetter: „Damit schaden wir uns selbst.“ Vor dem 0:2 verlor die Kickers-Defensive erneut Jacob aus den Augen (37.). Fünf Minuten vor der Pause rächten sich dann die Tempodefizite des OFC. Torschütze Jurcher ließ Weil und Campagna locker stehen und schoss in den rechten Torwinkel.

Nach der Pause stand der OFC mit dem eingewechselten Francesco Lovric zwar tiefer, war aber kaum mehr als ein Trainingspartner für Saarbrücken, das beim 4:0 wieder von einem dicken Fehler profitierte. Dieses Mal verschätzte sich OFC-Torwart Dominik Draband bei einer Flanke von Tobias Jänicke - Jacob schob die Kugel aus einem halben Meter ein. 

Dann machte er Platz für Markus Mendler, der zum Albtraum für den indisponierten OFC-Rechtsverteidiger Marko Schikora wurde. Gleich mehrfach ließ er Mendler auf und davon ziehen. Und der „bedankte“ sich in der 80. Minute im dritten Anlauf mit dem 5:0. Viel hätte nicht gefehlt und der OFC hätte seine höchste Niederlage der Regionalliga-Geschichte überboten. Am 12. Oktober 2015 waren die Kickers in Trier mit 0:6 untergegangen.

Offenbacher Kickers: Schock nach zweithöchster Pleite sitzt bei allen Beteiligten tief

Nach der zweithöchsten Pleite saß der Schock bei allen Beteiligten tief. „Ich möchte nur soviel sagen: Ich habe zweimal scheiße gebaut - dazu stehe ich. Das tut mir leid für die Mannschaft“, meinte Kapitän Richard Weil zu seinen Fehlern vor dem ersten und dritten Gegentor. „Das war ein Tiefschlag“, stellte Angreifer Nejmeddin Daghfous fest und warnte beim Blick in die Zukunft: „Es darf keine Träumereien mehr geben, wir müssen aufpassen, dass wir nicht nach unten durchrutschen.“

„Wir werden die Mannschaft aufrichten und weiterarbeiten“, sagte Kessler. Nach nur einem Punkt aus den letzten drei Partien und 3:10 Gegentoren muss der Interimstrainer aber schnell Wege aus der Krise finden. Am Freitag geht es gegen die „Kickers-Filiale“ FC Bayern Alzenau, dann steht das Derby beim FC Gießen an und dann das erneute Duell mit Alzenau im Hessenpokal.

Von Jörg Moll

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