Kickers Offenbach Vizemeister der Oberliga

Mai 1994: Im Titeldreikampf gab es für die Kickers nur Trostpreise

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Versöhnlicher Abschluss: Die OFC-Spieler Jochen Krapp, Bernd Gramminger, Thomas Biehrer, Michael Schneider und Günter Albert (von links) verabschieden sich nach dem 3:0-Heimsieg gegen Mörlenbach, der ihnen Platz zwei bescherte, von den Fans.

Die letzte Saison der Oberliga Hessen als dritthöchste Spielklasse war eine spannende. Ein Trio hatte Titelchancen, bevor die Spielzeit 1993/94 im Mai auf die Zielgerade ging.

Offenbach – Die SG Egelsbach, in der Hinrunde lange Tabellenführer, verabschiedete sich zuerst aus diesem Dreikampf – durch eine 0:3-Niederlage bei RW Frankfurt. Trainer Herbert Schäty war danach sauer: „Wir hatten heute vier oder fünf Totalausfälle. In allen Auswärtsspielen nach der Winterpause zeigte unsere Mannschaft kein Herz und kein Engagement. Einige unserer Spieler haben ihren Urlaub anscheinend schon fest gebucht, wollen gar nicht in die deutsche Amateurmeisterschaft (Turnier der Oberligavizemeister, Anmerkung der Redaktion) einsteigen.“

Um den Titel und die damit einhergehende Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Liga kämpften nur noch der FSV Frankfurt (1./47:17 Punkte) und die Offenbacher Kickers (2./44:20), zumindest bis zum nächsten, vorletzten Spieltag, an dem die Torhüter im Mittelpunkt standen. Offenbachs Schlussmann Marius Todericiu ließ in der Partie beim SV Wehen beim Stand von 1:0 für die Kickers den Ball fallen, verursachte so den Ausgleich und machte den Gegner stark, der letztlich 3:1 gewann. Der FSV Frankfurt nutzte das aus und feierte beim SV Mörlenbach (3:1) sein Meisterstück.

Kickers Offenbach hatte zwei Probleme

„Wir hatten eigentlich nur zwei Probleme: Die schlechte Leistung unseres Torwarts und die desolate Leistung des Schiedsrichters“, ärgerte sich Kickers-Trainer Lothar Buchmann über einen Handelfmeter sowie eine Rote Karte für Offenbachs Sven Schneider. Und vielleicht auch darüber, dass er im Laufe der Saison die Schlussmänner getauscht hatte. „Vor einem Spiel hatte mich der Trainer zur Seite genommen und gesagt: ‘Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch, ich wechsel’“, erinnert sich Rene Keffel, der damals als Nummer eins in die Saison gestartet war. „Inzwischen kann ich nachvollziehen, dass Trainer oft aus dem Bauch entscheiden und damit oft richtig liegen, als Spieler konnte ich mit der Aussage aber nichts anfangen.“

Zumindest im Kampf um Platz zwei blieb der Todericiu-Patzer für den OFC ohne Folgen, weil Egelsbach ebenfalls patzte und 1:2 gegen Eintracht Frankfurt II verlor. Der überragende Spieler der Gäste stand im Tor: Oka Nikolov. „Er hat das Spiel fast alleine gewonnen“, lobte SG-Trainer Schäty und hakte Platz zwei ab: „Es wäre der größte Erfolg in der Egelsbacher Vereinsgeschichte gewesen.“

Eintracht Frankfurt hilft dem OFC auf Rang zwei

Norbert Rocker frohlockte hingegen: „Es ist Ironie des Schicksals, dass uns Eintracht Frankfurt zum zweiten Platz verhilft“, sagte der OFC-Präsident. Gegen den SV Mörlenbach werde man am letzten Spieltag „nicht verlieren“. So kam es dann auch. Die Kickers besiegten den vom späteren OFC-Coach Hans-Jürgen Boysen trainierten Aufsteiger durch Tore von Holger Wolf (2) und Jochen Krapp mit 3:0.

Titel in Tempelsee: Mike Schmidt (rechts) und die SG Egelsbach beenden die Saison in der Oberliga Hessen nur auf Rang vier, besiegen im Hessenpokal-Finale bei Gemaa Tempelsee aber Rot-Weiss Frankfurt mit Ali Mahboubi (links) mit 3:1.

Auf die Frage, ob er mit Platz zwei zufrieden sei, gab Buchmann eine Antwort, die auch zur heutigen Situation beim OFC passt: „Das muss ich sein, auch wenn bei einigen die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Aber in Offenbach zählt nichts anderes als die Meisterschaft. Aber wir müssen uns auch nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten, und da liegen wir nun einmal hinter Vereinen wie FSV Frankfurt, Wehen, Egelsbach, Fulda und Wiesbaden.“

Saison endet für Offenbach und Egelsbach mit Trostpreisen

Die SG Egelsbach beendete die Oberliga-Saison nach einer 1:2-Niederlage beim VfR Bürstadt auf Platz vier, raffte sich jedoch im Hessenpokal noch einmal auf. Trotz zahlreicher Ausfälle wurde Wehen im Halbfinale 4:0 besiegt. Das Endspiel gegen Rot-Weiss Frankfurt fand, nachdem es unter anderem eine Absage aus Dreieichenhain gegeben hatte, bei Gemaa Tempelsee statt. „Ein Hauch von DFB-Pokal am Buchhügel“, titelte unsere Zeitung damals. Egelsbach siegte durch Tore von Radenko Vukelic, Tomas Oral und Dragan Reljic 3:1 und zog in den DFB-Pokal ein. Zuschauer Dragoslav Stepanovic (damals Trainer von Bayer Leverkusen) empfahl: „Der Tomas Oral sollte nach seinem Supertor ein paar ‘Alte Hochstädter’ mehr trinken und mit dem Taxi nach Hause fahren.“

Die Spielzeit endete für Offenbach und Egelsbach also mit Trostpreisen. Für die zur Saison 1994/95 eingeführte Regionalliga hatten sich beide ebenfalls qualifiziert, aus Hessen zudem Darmstadt 98, Hessen Kassel, RW Frankfurt und der SV Wehen.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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