„Ich habe überreagiert“

Nach Rot bangt OFC um Cappek

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Eine Dummheit vor den Augen von Schiedsrichter Patrick Alt: Für diesen Griff an den Hals des Trierers Till Hermandung sah OFC-Torjäger Christian Cappek in der Nachspielzeit die Rote Karte. Hermandung hatte Cappek zuvor gefoult.

Offenbach - Ein kurzer Griff hat für die Offenbacher Kickers möglicherweise weitreichende Folgen. Von Christian Düncher 

Weil Angreifer Christian Cappek seinem Gegenspieler beim 1:0-Sieg gegen Eintracht Trier nach einem Foul an die Gurgel ging und dafür Rot sah, droht der beste Torjäger des OFC für die Aufstiegsspiele zur 3. Liga auszufallen. Auch am Tag danach regierte bei den Offenbacher Kickers im Fall Christian Cappek weiter das Prinzip Hoffnung. „Am Dienstag oder Mittwoch können wir wohl mehr sagen“, antworte David Fischer gestern auf die Frage nach Neuigkeiten in Bezug auf die Höhe der Sperre, die den Angreifer nach dessen „Aussetzer“ erwartet. Für etwas Optimismus sorgen beim Geschäftsführer der Offenbacher Kickers ähnliche Fälle, in denen der jeweilige Spieler zwei Partien gesperrt wurde. Dieses Strafmaß wäre „gut“, so Fischer. Dann würde Cappek nämlich nur in den zwei verbleibenden Punktspielen fehlen, bei mehr als zwei Partien Sperre hingegen auch in mindestens einem der zwei Aufstiegsspiele zur 3. Liga.

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Cappek entschuldigt sich

Was war passiert? In der Partie gegen Trier lief beim Stand von 1:0 für den OFC bereits die Nachspielzeit, als Cappek von Till Hermandung übel umgetreten wurde. Der Offenbacher stand aber umgehend auf – allerdings nicht, um weiterzuspielen, sondern um sich den Trierer vorzuknöpfen. Dabei griff er ihm auch an den Hals. Eine Rudelbildung folgte. Schiedsrichter Patrick Alt, der bis dato ohne Karten ausgekommen war, zeigte Hermandung Gelb, Cappek Rot und beendete die Partie. Die Kickers waren außer sich, das Trainerteam redete wütend auf den Unparteiischen ein. „Wenn der Schiedsrichter ein Auge zudrückt, gibt er beiden Gelb“, sagte OFC-Mittelfeldspieler Klaus Gjasula. „Das war schon ein härteres Foul an Christian. Sollte er in den Aufstiegsspielen fehlen, würde uns das schwer treffen, da er ein wichtiger Spieler ist. Die Stimmung bei der Übergabe des Meisterpokals war deshalb etwas getrübt. Wir können nur abwarten.“

Die strittige Szene im Video

Rico Schmitt reagierte ähnlich. „Christian weiß selbst, dass er sich da zu etwas hinreißen ließ, und ärgert sich am meisten darüber“, sagte der OFC-Trainer, nahm seinen Spieler aber teilweise in Schutz. „Das war ein brutales Foul des Trierer Spielers, der ihm das Beim brechen kann. Da würde ich auch ausrasten. Die eine Situation bedingt jedenfalls die andere.“ Das hätte auch der Unparteiische bei seiner Entscheidung berichtigen müssen: „Fingerspitzengefühl sieht anders aus“, kritisierte Schmitt.

Das OFC-Zeugnis gegen Trier

Cappek zeigte sich immerhin einsichtig. „Es tut mir sehr leid, dass ich nach dem Foul an mir so überreagiert habe. Meine Reaktion war nicht korrekt. Hierfür möchte ich mich entschuldigen“, wird der Angreifer in einer Mitteilung der Kickers zitiert. Ähnlich hatte er sich Fischer zufolge bereits kurz nach der Partie gegenüber dem Unparteiischen geäußert. „Hoffentlich wird das positiv bewertet“, sagte der OFC-Geschäftsführer und sprach von einer „blöden Aktion“. „Das Spiel war ja fast vorbei und das Zeug für die Meisterehrung fast auf dem Platz. Da muss der Trierer nicht so hingehen. Für das Foul hätte man auch Rot geben können.“

OFC siegt, Cappek fliegt: Bilder

Apropos Rot: Dass Cappek vergangene Saison im Testspiel bei der TS Ober-Roden nach einer angeblichen Tätlichkeit des Feldes verwiesen worden war, könnte sich negativ auswirken. Schmitt gibt sich aber optimistisch: „Wir haben viele Spielertypen, die ihn ersetzen könnten. Aber ich bin überzeugt davon, dass Cappo uns in den Aufstiegsspielen helfen wird.“ Gleiches gilt für Martin Röser, der aufgrund von Leistenproblemen ausgewechselt worden war. „Vielleicht lag es daran, dass er zuletzt im Training viel mit dem ruhenden Ball geübt hat“, scherzte der Trainer. „Aber das hat sich ja bezahlt gemacht.“ Denn Rösers Freistoßflanke verlängerte Giuliano Modica per Kopf zum 1:0 ins Tor. Anders sieht es bei Marcel Wilke aus. „Es geht nicht ums Wann, sondern ums Ob“, sagte der Verteidiger, der bei Belastung weiter unter starken Leistenschmerzen leidet und daher seit Wochen nur Lauftraining absolvieren kann.

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