Ex-Spieler Oskar Lotz wird 80

Der OFC hat den Keller bezahlt, die Eintracht das Haus

Die ereignisreiche Fußballerlaufbahn von Oskar Lotz hat seine Frau Elfriede Lotz-Frank in mehreren Alben dokumentiert. Foto: EYSSEN
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Die ereignisreiche Fußballerlaufbahn von Oskar Lotz hat seine Frau Elfriede Lotz-Frank in mehreren Alben dokumentiert.

Oskar Lotz hat jeweils vier Jahre für Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt gespielt. Heute wird er 80.

Rödermark – Eigentlich wollte Oskar Lotz seinen 80. Geburtstag am heutigen Donnerstag gebührend feiern. An den pandemiebedingten Einschränkungen kommt aber auch der Urberacher, der in seiner Fußballerlaufbahn für Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt und den FSV Frankfurt spielte, nicht vorbei. So wird der „Ossi“, wie er von allen gerufen wird, heute daheim mit Ehefrau Elfriede auf den runden Geburtstag anstoßen.

1957 stieg Lotz im Alter von nur 17 Jahren mit seinem Heimatverein FC Viktoria Urberach in die 1. Amateurliga, die damals dritthöchste Spielklasse, auf und gewann den Hessenpokal. Trotz einiger Angebote scheiterte ein Wechsel zu höherklassigen Clubs zunächst am Veto seiner Mutter, die in Urberach einen Friseursalon betrieb und bei einem Weggang ihres Sohnes fürchtete, einen Teil ihrer Kundschaft zu verlieren. Erst nach dem Abstieg der Viktoria 1961 kam der Wechsel zu Kickers Offenbach zustande.

Die OFC-Mannschaft hatte damals einen unumstrittenen Chef. „Der Hermann stand über uns“, erinnert sich Lotz, dass der Respekt vor seinem viereinhalb Jahre älteren Mitspieler Hermann Nuber, zu dem er auch heute noch Kontakt hat, gerade in der Anfangszeit groß war. Eine Anekdote aus einem Spiel beim VfB Stuttgart belegt das: Lotz schoss „aus zwei, drei Metern“ am Tor vorbei. Hermann Nuber war wohl etwas die Sicht aufs Tor versperrt, jedenfalls ging er davon aus, dass Lotz die hundertprozentige Chance genutzt hatte, und holte ihn zum Jubeln ab. Der vermeintliche Torschütze traute sich erst an der Mittellinie, nachdem er genügend Abstand zwischen sich und Nuber gebracht hatte, seinen Fehlschuss zu beichten. Das anschließende Donnerwetter des „eisernen Hermann“ sei angemessen ausgefallen, erinnert sich Ossi Lotz heute lachend.

Lotz absolvierte drei U23-Länderspiele und spielte sich in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. „Mit Lotz zur Weltmeisterschaft nach Chile?“, titelte eine Zeitung 1962. Zur WM-Nominierung durch Bundestrainer Sepp Herberger kam es aber dann doch nicht.

Lediglich an das Ende seiner Offenbacher Zeit hat Oskar Lotz keine allzu gute Erinnerungen. Durch seinen Wechsel zu Eintracht Frankfurt im Sommer 1965 entbrannte „Der Fußballkrieg vom Main“ zwischen den „feindlichen Brüdern“ OFC und Eintracht, auch das eine Zeitungsschlagzeile. Die Kickers verlangten für ihren wechselwilligen Stürmer die damals höchstmögliche Ablösesumme - stolze 50 000 Mark. Die Frankfurter wollten so viel aber nicht zahlen. Erst kurz vor dem ersten Testspiel der neuen Saison gab die Eintracht nach. „Ich wusste um zwei Uhr mittags noch nicht, ob ich am Abend für die Eintracht gegen Sofia oder für die Kickers gegen Anderlecht spielen werde. Der Scheck aus Frankfurt kam dann am Nachmittag“, erinnert sich Lotz.

„Es war bei beiden Vereinen schön, beim OFC und bei der Eintracht“, sagt Lotz. Beide Clubs waren schließlich maßgeblich am Bau des Eigenheimes der Familie Lotz in der Urberacher Friedhofstraße beteiligt. „Wir wohnen seit 1966 in dem Haus, das der OFC und die Eintracht bezahlt haben“, erinnert sich Lotz gerne. Das Geld für den Keller sei noch vom OFC gekommen, den Rest des Hausbaus habe man nach dem Wechsel dann mit den Eintracht-Gehältern finanziert.

In den vier Bundesligajahren bei der Eintracht, drei davon unter Trainer Elek Schwartz („Ein Weltmann, mein bester Trainer“), brachte es der Flügelflitzer auf 19 Tore in 97 Bundesligaspielen. 1965 debütierte er vor 52 000 Zuschauern beim 2:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV. Lotz bildete mit Jürgen Grabowski, mit dem er heute noch regelmäßig telefoniert, Wilhelm Huberts und Istvan Sztani den Angriff.

Während der Eintracht-Zeit von Oskar Lotz belegte die SGE die Plätze sieben, vier, sechs und acht. In der Saison 1966/67, in der die Eintracht letztlich Vierter wurde, spielte man lange um die Meisterschaft mit. Lotz bestritt als einziger Eintrachtler in dieser Saison alle 34 Ligaspiele. Aber auch die Europacupduelle im damaligen Messepokal, heute vergleichbar mit der Europa League, und die Freundschaftsspiele in Argentinien, Mexiko, Ägypten und Japan blieben Lotz in sehr guter Erinnerung. „Wir haben die Welt gesehen.“ Als der damalige Jung- und spätere Bundestrainer Erich Ribbeck 1968 die Eintracht übernahm, wurden die Einsätze von Oskar Lotz weniger. Die Methoden seines nur drei Jahre älteren Trainers stießen bei Lotz („Ich bin Fußballer und kein Leichtathlet“) nicht unbedingt auf Gegenliebe. Da war der Urberacher, der viele Jahre im Außendienst und später bis zur Rente als Werkstattleiter bei der Firma Peter Herdt & Söhne tätig war, froh, auch während seiner Eintracht-Zeit immer nebenbei einem „ordentlichen“ Beruf nachgehen zu können. „Wir haben lange nicht so viel verdient wie die Spieler heute, aber wir hatten immer gute Laune. Auch weil wir wussten, dass wir nicht nur den Fußball hatten.“

Lotz hatte bei der Eintracht zwar noch zwei Jahre Vertrag, verabschiedete sich aber dennoch im Sommer 1969 mit 29 Jahren vorzeitig vom Riederwald nach Bornheim. Beim FSV Frankfurt ließ er seine Laufbahn ausklingen. Außerdem war Lotz („Ossi, du hast bei uns so einen guten Vertrag, da kannst du nebenbei auch noch die Damenmannschaft trainieren“) eine Zeit lang als Coach des gerade neu gegründeten Frauenteams beim späteren Deutschen Meister aktiv.

Dem Fußball blieb Lotz später als Trainer im Amateurbereich, unter anderem bei der TG 75 Darmstadt, in Mühlheim und in Dieburg, treu. In Sachen Sport verlagerte er sich im Laufe der Jahre auf Tennis und Golf, beide Sportarten betreibt er auch heute noch. „Ich bin fit und sehr zufrieden“, freut sich Lotz. Spiele in den Stadien in Frankfurt und Offenbach schaut sich Lotz nicht mehr an, dafür aber alle Heimspiele des Verbandsligisten Viktoria Urberach.

VON SASCHA EYSSEN

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