OFC-Offensivspieler selbstkritisch: „Ich weiß, dass ich mehr kann“

Kickers Offenbach: Firat hat vor Duell mit Ex-Klub Alzenau noch Luft nach oben

„Ich bin überzeugt davon, dass ich über kurz oder lang wieder belohnt werde.“ Serkan Firat (rechts) wartet noch auf seinen ersten Saisontreffer für die Kickers. Bislang stehen zwei Assists in der Bilanz des 26-jährigen Mittelfeldspielers.
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„Ich bin überzeugt davon, dass ich über kurz oder lang wieder belohnt werde.“ Serkan Firat (rechts) wartet noch auf seinen ersten Saisontreffer für die Kickers. Bislang stehen zwei Assists in der Bilanz des 26-jährigen Mittelfeldspielers.

Für Serkan Firat ist das bevorstehende Duell in der Fußball-Regionalliga Südwest zwischen Kickers Offenbach und Bayern Alzenau eine besondere Partie. Vergangene Saison spielte er ein halbes Jahr für den Gegner, eher er zum OFC zurückkehrte. In der aktuellen Runde stand er in allen sechs Partien in der Startelf. Der Trainer ist mit ihm zufrieden. Firat selbst sieht für sich noch Luft nach oben.

Offenbach – Leere oder bloß spärlich gefüllte Stadien haben zumindest einen Vorteil. Man hört sehr gut, was auf und neben dem Spielfeld gesprochen wird. Und am Samstag wurde es in der Partie der Fußball-Regionalliga Südwest zwischen dem SC Freiburg II und Kickers Offenbach plötzlich richtig laut. OFC-Mittelfeldspieler Serkan Firat hatte am gegnerischen 16er einen Fehlpass gespielt, sodass der ohnehin ständig dirigierende und kommandierende Kapitän und Torwart Stephan Flauder auf der anderen Seite deutlich hörbar die Stimme erhob.

Es war nicht die einzige Aktion, in der Firat unglücklich agierte. Aber es war die, die von Flauder am energischsten kommentiert wurde. Unter anderem hatte der 26-Jährige vor dem 0:1 lässig verteidigt. Vorne war er wirkungslos. Beste Aktion war ein Zuspiel auf Mathias Fetsch, der aber aus 13 Metern vergab. „Fetschi macht den in zwei von drei Fällen rein. Dann hätte Serkan einen weiteren Assist gehabt“, sagte Trainer Angelo Barletta und stellte klar: „Ich bin mit Serkan bisher komplett zufrieden.“

Firats persönliche Saisonbilanz ist für seine Verhältnisse jedoch überschaubar: Der Mann mit der Nummer neun stand in allen sechs Partien auf dem Platz (fünfmal über die volle Spielzeit) und bereitete zwei Tore vor.

Zum Vergleich: Vergangene Saison hatte er es für Alzenau und Offenbach bei 21 Einsätzen auf zwölf Scorerpunkte (sechs Tore, sechs Vorlagen) gebracht. In den drei Spielzeiten davor waren es 24, 18, 21. „Es ist das erste Mal, dass ich nach sechs Spielen noch kein Tor erzielt habe, aber mit etwas mehr Glück hätten es zwei, drei sein können“, verweist Firat auf die Szene aus dem Spiel gegen Hoffenheim, als ein Verteidiger seinen Schuss auf der Linie mit der Hand blockte, der Pfiff aber ausblieb.

Der Offensivmann hält seine Bilanz für ausbaufähig („Ich bin nie zufrieden“), will jedoch nicht alles schlecht reden: „Ich weiß, dass ich mehr kann und bin überzeugt davon, dass ich über kurz oder lang wieder belohnt werde.“ Firat will sich aber nicht nur über die Zahlen definieren. Im Vergleich zu seiner ersten Zeit beim OFC (2016 bis 2019) sei er „als Spieler in meiner Rolle gereift. Ich sehe Dinge anders und versuche auch, mich anders zu integrieren.“ Bei einem Klub wie dem OFC müsse man sich erst mal über Leidenschaft und Laufbereitschaft einbringen, weiß er.

Firat gilt als Mann für besondere Momente. Einer, der überraschende Elemente ins Spiel bringt. Barletta, der den Linksfuß bereits bei Viktoria Griesheim und Bayern Alzenau coachte, bezeichnet ihn als einen Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. In der aktuellen Runde stellt er das aber noch nicht unter Beweis. Und als Rückkehrer, der letzte Saison mit dem kommenden Gegner Alzenau in Offenbach gesiegt hatte und dabei in einen Disput mit OFC-Spielern verwickelt war, wird der Deutsche mit den türkischen Wurzeln im Umfeld ohnehin kritisch beäugt.

Sein vergebener Elfer im torlosen Auftaktspiel gegen Bahlingen (Barletta: „Diese zwei Punkte fehlen uns, sonst wären wir im Soll“) war da nicht förderlich. „Das nagte eine Woche lang an mir, hat mir danach jedoch nicht mehr im Nacken gehangen“, sagt Firat. „Ich bin älter geworden und gehe mit solchen Sachen anders um. Wichtig ist, dass man die richtigen Schlüsse daraus zieht.“

Es hätte für den fußballerischen Freigeist bisher aber besser laufen können. Die Vorbereitung war bereits nicht optimal. Erst musste er sich einen Abszess am Fuß entfernen lassen, dann infizierte er sich mit Covid-19 und verpasste das Trainingslager in Polen.

Firat über seine Corona-Erkrankung: „Ich habe es gut überstanden.“

„Ich war fast zwei Wochen raus und das in einer Phase, in der ich körperlich und vom Kopf her gut drauf war. Der Zeitpunkt war ungünstig, aber zum Glück war es früh in der Vorbereitung, sodass mir das nicht mehr nachhängt“, erklärt er. Gleiches gilt für seine Corona-Erkrankung: „Der Verlauf war sehr mild. Dass ich nichts gerochen und geschmeckt habe, waren bei mir schon die schlimmsten Symptome. Ich habe es gut überstanden.“

Firat stand in dieser Saison teilweise mit acht Zugängen auf dem Platz. Kein Wunder, dass da ab und zu noch die Abstimmung fehlt. „Wir sind in einem Prozess. Es funktioniert schon gut, geht aber noch besser“, meint er. Einer, mit dem er sich auf dem Rasen bereits gut versteht, ist Tunay Deniz. Beide teilen die Standards unter sich auf. „Es ist oft seitenbedingt. Tunay hat einen brutalen rechten Fuß. Und ich bin der Letzte, der sein Ego an erste Stelle stellt.“ So überließ Firat in Freiburg den Freistoß aus 16 Metern Deniz, der zum 2:1 verwandelte.

Letztes Freistoßtor liegt schon ein Jahr zurück

Firat, der in seiner ersten OFC-Saison als Freistoßkünstler geglänzt hatte, traf zuletzt vor einem Jahr nach einem ruhenden Ball - ebenfalls gegen Freiburg, aber im Trikot von Bayern Alzenau. Er hätte nichts dagegen, wenn die Serie am Freitag gegen den Ex-Verein endet. „Ich würde nicht nein sagen“, scherzt Firat, betont jedoch zugleich. „Für mich war das halbe Jahr in Alzenau durchweg positiv. Eine spannende, lehrreiche Zeit. Alles war dort etwas kleiner, familiärer.“ Aber auch amateurhaft. „Wenn 95 Prozent der Spieler erst nach der Arbeit abends trainieren können, vermisst man schon die Routine, die man als Profi gewohnt war.“ (Christian Düncher)

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