Einstieg der Investorengruppen

Kickers Offenbach: Neuanfang mit Hoffnung und Bedenken

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Präsident Joachim Wagner erläuterte den Mitgliedern der Offenbacher Kickers die Bedingungen für den Verkauf von jeweils 14 Prozent Anteile der Profi GmbH an die „Kickers Freunde“ und das „Bündnis Kickers“. 

Der OFC steht wieder einmal vor einem Neuanfang, der mit Hoffnungen aber auch mit Bedenken verbunden ist. 

  • Kickers Offenbach mit ambitionierten Zielen
  • Finanzhilfen von Investoren für Aufstieg nötig
  • Nachwuchs soll wichtige Rolle spielen

Offenbach – Die Offenbacher Kickers stehen wieder einmal vor einem Neuanfang, der mit großen Hoffungen und einigen Bedenken verbunden ist. Für 2,2 Millionen Euro haben zwei Investorengruppen 28 Prozent der Anteile an der Profi GmbH des Fußball-Regionalligisten übernommen. Bei den 360 anwesenden Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung gab es kaum Kritik an den Plänen des im Juni 2019 neu gewählten Präsidiums.

Der Vertrauensvorschuss, den sich Präsident Joachim Wagner und seine Mitstreiter in den sieben Monaten ihrer Amtszeit erworben hatten, ist trotz des ausgebliebenen sportlichen Erfolgs riesengroß. Den Mitgliedern war auch klar: Wollen die Kickers in Zukunft um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielen, gibt es zum Einstieg von Investoren keine Alternative. Alle Topteams der Regionalliga Südwest, wie der 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg, TSV Steinbach, FC Homburg - oder zuletzt Meister und Aufsteiger Waldhof Mannheim -, sind von Mäzenen abhängig und haben ihre Spitzenplatzierungen nur dank der Gaben in Millionenhöhe von Privatpersonen geschafft.

Kickers Offenbach: Investoren sind dem OFC „wohlgesonnen“ 

An der Intention der „Kickers-Freunde“, allesamt OFC-Anhänger, die den Verein seit vielen Jahren unterstützen, gab es von vornherein keine Zweifel. Bei der Vorstellung des zweiten Investors, der „Bündnis Kickers GmbH“ (insgesamt fünf Gesellschafter), versuchte Präsident Wagner die Bedenken auszuräumen. „Das sind dem OFC wohlgesonnene Leute. Das ist kein russischer Oligarch und keine Heuschrecke.“

Offiziell ist Lennart Stobbe als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen. Aber hinter der „Stobbe Beteiligungs GmbH“, steht sein Vater Jan Stobbe (54), Unternehmer und Aufsichtsratschef beim Bundesligisten 1. FC Köln. „Wir wollen keinen haben, der mit dem OFC schnelles Geld machen will, aber keine Geduld hat“, berichtete Wagner über die Verhandlungen mit Stobbe, der schon vor mehr als einem Jahr erstmals in Kontakt zu den Kickers Offenbach stand. Geld verdienen können die beiden Investorengruppen erst, wenn die Kickers in der 2. Liga spielen. Denn dann stehen ihnen jeweils fünf Prozent der „audio-visuellen Rechte“ zu.

Kickers Offenbach: Ex-Präsident Dr. Frank Ruhl erhält Geld zurück

Von den 2,2 Millionen fließen zunächst 630.000 Euro an Dr. Frank Ruhl für dessen GmbH-Anteile und Darlehen. Für den Ex-Präsidenten der Kickers Offenbach gab es am Montagabend in der Offenbacher Stadthalle nach den lobenden Worten von Wagner („Ich kann nur positiv über die gemeinsame Zeit mit ihm im Aufsichtsrat reden. Er hat sich dort eingebracht und uns konstruktiv unterstützt“) Applaus von den Mitgliedern. Der Verwaltungsratsvorsitzende und Ex-Oberbürgermeister Horst Schneider sprach Dr. Ruhl nochmals frei von jeglicher Schuld an der Insolvenz in dessen Amtszeit im Jahr 2013.

Er habe anschließend Forderungen an den OFC zum halben Preis gekauft und dann nochmals zum halben Preis an den OFC verkauft. Da könne man nicht von Bereicherung reden. Er deutete zudem an, dass Dr. Ruhl die Darlehenszinsen (30 .000 Euro) dem OFC-Nachwuchs spenden werde. Allerdings scheint das Verhältnis zwischen den Kickers-Freunden und Ruhl alles andere als gut zu sein, denn Ruhl wurde nicht gefragt, ob er sich finanziell weiter beim OFC engagieren wolle.

Kickers Offenbach: Weitere Finanzhilfen für ambitionierte Ziele nötig

Der am Rand der Abstiegszone platzierte Regionalligist wird sicher weitere Finanzhilfen benötigen, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Den strategischen Partnern ist natürlich bewusst, dass mit den bisherigen Einlagen die 3. Liga, geschweige denn die 2. Liga, nicht zu erreichen sind. Mit der Neubewertung der Sparda-Bank-Anteile (bisher 10,7 Prozent, in Zukunft etwa 5,5) stehen noch etwa 16 Prozent der Profi GmbH zur Verfügung (50,01 Prozent bleiben immer im Besitz des e.V. Kickers), die an die jetzigen Anteilseigner oder einen dritten Investor verkauft werden können.

Trotz der großen Ambitionen im Profibereich der Kickers Offenbach soll der Nachwuchs auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Die Jugendspieler hätten derzeit einen Wert von 400 000 bis 500 000 Euro, sagte Alfred Kaminski, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Sollte Offenbach seinen Status als NLZ verlieren, könnten „andere Vereine unseren Jugendbereich regelrecht plündern“. Und das ohne Ablösesumme. Als Bindeglied zwischen Jugend und Profis ist die Wiedereinführung einer zweiten Mannschaft geplant. Derzeit wird geprüft, in welcher Liga diese U21 eingegliedert werden könnte.

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