Erstes Fazit nach drei Monaten

OFC-Geschäfsführer Fiori im großen OP-Interview

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Christopher Fiori mit „Retterschal“ anlässlich der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Benefizspiels gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München am 30. August. Der 36-Jährige ist seit November Geschäftsführer der Offenbacher Kickers.

Offenbach - Nach drei Monaten als Geschäftsführer beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach zieht Christopher Fiori ein erstes Fazit. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über die Wiederbelebung des Marketings, das Vermarktungspotenzial in der Regionalliga und mögliche Investoren. Von Jochen Koch und Jörg Moll

Sie sind seit fast drei Monaten Geschäftsführer der OFC Profi GmbH, wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Die ersten Wochen standen im Zeichen der Bestandsaufnahme. Wir haben alles durchleuchtet und in allen Bereichen ist viel zu tun. Wir müssen versuchen, das nächste Level zu erreichen. In der Vermarktung haben wir angefangen, haben einige Partner hinzu- und andere zurückgewonnen. Sportlich müssen wir versuchen, so schnell wie möglich die Klasse sicherzustellen. Dann wollen wir personell Weichen stellen für die neue Saison.

Geht das überhaupt bei der unsicheren sportlichen Situation in der Regionalliga?

Das geht schon. Bei Spielern, deren Verträge auslaufen, kann man Gespräche führen.

Beim FSV Frankfurt waren Sie als Prokurist Leiter Organisation und Stadionmanagement. Beim OFC sind Sie nun alleinverantwortlicher Geschäftsführer. Worin unterscheiden sich beide Aufgaben am meisten?

Die Aufgaben unterscheiden sich vor allem in der Breite. Beim FSV hatte ich viel mit Spielbetrieb und Stadion zu tun, letzteres fällt in Offenbach durch die städtische Betreibergesellschaft weg. Bei den Kickers kommt verstärkt das Marketing hinzu, das in letzter Zeit etwas brachgelegen hat. Das wollen wir revitalisieren. Was neu ist: Man ist immer der Erste, zu dem alle kommen. Es prasselt deutlich mehr auf einen ein.

Wie kann es sein, dass das so wichtige Feld Marketing so brachliegen kann?

Das hat unterschiedliche Gründe. Der OFC hatte früher einen Vermarkter, da haben drei, vier Mann sich nur darum gekümmert. Die Zeit danach war ein erster Rückschritt. In der jüngeren Vergangenheit hat die Insolvenz dazu geführt, dass wir bei Unternehmen Vertrauen verloren haben. Es war ja so: Mit der linken Hand hat man versucht, die Insolvenz zu vermeiden, mit der rechten Sponsoren zu gewinnen.

Der Wechsel von Ex-Geschäftsführer David Fischer zu Remo Kutz verlief alles andere als professionell, was im Nachhinein sogar Präsident Helmut Spahn kritisiert hat. Wie verlief die Übergabe zwischen Kutz und Ihnen?

Weitestgehend so kurz wie möglich. Er hat mir vernünftig die aktuellen Themen aufgezeichnet. Letztendlich verlief alles kollegial und sauber.

Sie sind von einem Drittligisten zu einem abstiegsgefährdeten Viertligisten gewechselt. Wie groß ist die Angst vor dem Abstieg?

Da denke ich nicht dran. Beim FSV habe ich letzte Saison weniger Leben in der Mannschaft gesehen. Ich bin überzeugt, dass wir die fehlenden Punkte holen.

Es wird mindestens vier Absteiger geben. Die Kickers haben nur noch 13 Spiele. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Wir spielen gegen direkte Konkurrenten, gleich das erste Spiel in Nöttingen. Zu Hause haben wir auch bis auf eine Ausnahme gut ausgesehen. Ich bin zudem optimistisch, dass auf dem Verfahrensweg noch der eine oder andere Punkt hinzukommt.

Das Urteil über den Neun-Punkte-Abzug soll frühestens in drei Wochen gesprochen werden. Wie denken Sie über dieses Schiedsgerichtsverfahren?

Es hat viel zu lange gedauert, bis sich das Schiedsgericht konstituiert hat. Dass das Verfahren selbst mit Klage und Erwiderungsfrist dauert, war mir klar.

Und wie viele Punkte bekommt der OFC zurück?

Meine Hoffnung ist, dass wir fünf bis sechs Punkte wiederbekommen. Unsere Klage fußt auf unterschiedlichen Argumentationssträngen und enthält verschiedene Ansatzpunkte. Einige davon sind nicht von der Hand zu weisen. Aufgrund unseres Falles muss in den Statuten zwangsläufig etwas geändert werden. Wenn das so ist, muss ein Vergleich gefunden werden.

Welche Folgen hätte ein Abstieg aus der Regionalliga?

Wenn du aus der 2. Liga absteigst, brechen dir sieben Millionen Euro TV-Einnahmen weg. Beim Sturz aus der Regional- in die Hessenliga ist die Fallhöhe auf der Einnahmenseite nicht ganz so drastisch. Aber für den Klub wäre es natürlich ein massiver Einschnitt.

Ist dann der Profistandort Offenbach noch zu halten?

Die Regionalliga ist ja offiziell schon keine Profiliga. Aber dann ganz sicher nicht.

Gilt Ihr Vertrag auch für die 5. Liga?

Ich schaue immer nur nach oben (lacht). Die Hessenliga ist aber meines Wissens nicht im Vertrag enthalten.

Die Profi GmbH hat in ihrer jungen Geschichte ein Insolvenzverfahren sowie einen zurückgezogenen Antrag hinter sich. Inwiefern hat das noch Auswirkungen auf Gespräche mit Partnern?

Klar das ist natürlich immer noch bei vielen im Kopf und da müssen wir immer noch Aufklärungsarbeit leisten. Das ist grundsätzlich natürlich nicht positiv. Aber auf der anderen Seite können wir sagen, dass wir durchs Tal gegangen und jetzt wieder auf dem Weg nach oben sind.

Der OFC wird gerne als schlafender Riese bezeichnet.

Über alle Regionalligen betrachtet gehört der OFC noch immer zu den vier zuschauerstärksten Klubs neben Alemannia Aachen, Rot-Weiß Essen oder Energie Cottbus. Der OFC ist kein klassischer Regionalligist, allein durch Tradition oder Fankultur. Der Standort ist in punkto Vermarktungspotenzial Fluch und Segen zugleich. Es ist ein superstarker Wirtschaftsraum, der aber hart umkämpft ist. Und das nicht nur im Fußball. Es gibt Erstligisten in American Football, Basketball, Volleyball, dazu 2. Liga Eishockey. Da fischen also viele in diesem Teich.

Und wie kann der OFC erfolgreich mitfischen?

Wichtig wird sein, dass wir mehr Aktivität zeigen. Wir wollen Firmen professionell empfangen und nicht mit schlecht gedruckten und gebundenen Präsentationen und Angeboten. Dann können wir einiges bewegen. Aber es ist endlich. In vielen Klubs gehört beispielsweise ein Bierpartner zu den Top Fünf der Sponsoren. Den kann ich bei uns gar nicht vermarkten, weil wir unter der extrem nachteiligen Rechtekonstellation im Stadion leiden. Hier ist meine Hoffnung, mit dem neuen Mietvertrag im Sommer – im Doppelpass mit der Stadt - eine Verbesserung für dem OFC zu erzielen.

Den zweiten Teil des Interviews mit Christopher Fiori lesen Sie hier.

Bilder: Kickers gewinnen Testspiel in Sandhausen

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