Taktische Umstellung und zwei erfolgreiche Einwechslungen

Richtige Lösung für schwere Walldorfer Aufgaben

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Fünf Abwehrspieler und der Walldorfer Torwart konnten den Treffer von Florian Treske (Nummer 18) zum 2:1 für die Kickers nicht verhindern. Zum zweiten Mal in Folge erzielte der Stürmer, der nach dem nächsten Spiel seinen Vertrag beim OFC auflösen wird, den Siegtreffer.

Offenbach - Als nach einer Stunde Spielzeit auf einmal zwei Bälle auf dem Platz waren und die Offenbacher Kickers es angesichts des 0:1-Rückstands gegen Astoria Walldorf eilig hatten, schnappte sich ein Offenbacher einen überzähligen Ball, schoss ihn ins Aus, traf aber die Werbebande und der Ball flog wieder zurück aufs Spielfeld. Von Jochen Koch 

„Typisch für die Kickers, nicht einmal ins Aus können sie die Bälle schießen“, lästerte ein enttäuschter Zuschauer, um zehn Minuten später freudestrahlend nach Treskes ins Eck gezirkelten Kunstschusses zum 2:1 zu jubeln: „Typisch Kickers, wir geben nie auf.“ In der Halbzeit durften die Offenbacher froh sein, dass sie nur 0:1 zurücklagen. Nach 90 Minuten und zwei Toren von Jake Hirst (65.) und Florian Treske (70.) wurden angesichts des auf neun Punkte reduzierten Rückstands auf Spitzenreiter Waldhof Mannheim (3:3 gegen Hoffenheim) wieder Hochrechnungen für eine Aufholjagd angestellt, auch das typisch Kickers.

Die Offenbacher hatten gegen den überraschend starken Tabellenletzten sichtlich Mühe mit ihrer neu einstudierten Dreierkette und der entsprechenden Zuordnung der Räume und Gegenspieler. Walldorf hätte schon nach fünf Minuten 2:0 führen können. Hillenbrand schob den Ball aus kurzer Distanz Zentimeter am Pfosten vorbei (3.). Und dass Dren Hodja beim Rettungsversuch ein paar Sekunden lang den Ball in der Hand hielt, hatten fast alle im Stadion gesehen – nur der Schiedsrichter nicht (5.). Dann leisteten die Kickers mit ihrer typischen Anfälligkeit bei Kontern Schützenhilfe zur hochverdienten Walldörfer Führung. Erst ein leichtfertiger Ballverlust von Firat, dann ein Sprung ins Leere von Albrecht, schon hatte Nicolai Groß freien Durchgang, umkurvte Endres und schob zum 0:1 ein (22.).

Immerhin gaben die Kickers-Fans jetzt ihren dem bundesweiten Aufruf geschuldeten Stimmungsboykott auf. Ein abgeblockter Schuss von Maik Vetter (38.) war die einzige nennenswerte Chance für die schwachen Offenbacher, die bei einigen Walldorfer Möglichkeiten noch Glück hatten, dass sie nur mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine gingen. „Walldorf hatte uns vor Aufgaben gestellt, die wir nicht lösen konnten“, sagte Kickers-Trainer Daniel Steuernagel und änderte Taktik und Einstellung in der Pause. Statt zaghafter Versuche gab es nun Powerfußball. Mit der Umstellung auf Viererkette und der Einwechslung von Hirst und Luca Garic entwickelten die Gastgeber mehr Leidenschaft, Präzision, Wucht und Druck. Bezeichnend das 1:1, das Garic mit einem langen Pass einleitete und Hirst mit einem (haltbaren) 14-Meter-Schuss erzielte. Als Walldorf wegen der Verletzung des überragenden Innenverteidigers Nyenty vier Minuten nur zu zehnt spielte, gelang Treske mit einem (haltbaren) 16-Meter-Schuss das 2:1.

OFC gegen FC-Astoria Walldorf: Bilder

Weil die Kickers dann leichtfertig ihre Kontermöglichkeiten verdaddelten, wären sie wie schon mehrfach in dieser Saison fast noch bestraft worden. Doch Daniel Endres klärte mit einer Fußabwehr wieder nach einem Konter gegen Gourlas (85.) und rettete den Kickers zumindest bis nächsten Samstag die Hoffnung, vielleicht doch noch einmal vorne ranzukommen.

Die Walldorfer haderten zu Recht mit ihren konfusen fünf Minuten, in denen sie die zwei Tore kassierten und die Punkte liegen ließen. „Wie immer in Offenbach, gut gespielt, aber kein Punkt“, ärgerte sich Walldorfs Trainer Matthias Born, lobte aber auch die Offenbacher Effizienz, die seiner Mannschaft an diesem Tag vor 5106 Zuschauern (Born: „Glückwunsch, dass gegen Walldorf und bei diesem Wetter so viele kommen“) gänzlich fehlte.

OFC-Zeugnis gegen Astoria Walldorf

„Nach der zweiten Halbzeit können die Zuschauer mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Wir müssen jetzt gegen Mainz nachlegen“, fordert Daniel Steuernagel im letzten Spiel 2018 bei der Bundesliga-Reserve den dritten Sieg in Folge – verbunden mit der Hoffnung, dass Lokalrivale Hessen Dreieich nicht nur gegen die Tabellenzweiten gewinnt, sondern auch einmal den Tabellenführer, nämlich Waldhof Mannheim, schlägt.

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