Mittelfeldstratege im Interview

Gjasula: „Ich will auch ein Roboter werden“

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Klaus Gjasula ist zum Herzstück in der OFC-Mamnnschaft geworden.

Offenbach - Der Mann mit dem Helm ist aus der Erfolgself des Spitzenreiters der Fußball-Regionalliga Südwest nicht mehr wegzudenken. Klaus Gjasula ist mit konstant starken Leistungen der Stratege im zentralen Mittelfeld der Offenbacher Kickers. Von Jörg Moll 

Herr Gjasula, am Sonntag treffen Sie auf Ihren früheren Klub. Waldhof Mannheim und Kickers Offenbach verbindet große Tradition. In der Tabelle trennen beide Teams Welten. Was unterscheidet die Vereine außerdem?

Offenbach ist anders, nicht zuletzt wegen der Fans und der Stimmung. In Offenbach sind die Fans viel näher dran als in Mannheim. Sie gehen viel emotionaler mit. Ein Beispiel: Nach dem 1:1 bei Astoria Walldorf habe ich die aufgeregten Reaktionen der Fans im Internet verfolgt und war ziemlich erstaunt. Die Angst, die aus Erlebnissen in der Vergangenheit herrührt, ist groß. Da denkt man erstmal: Moment! Wir haben Unentschieden gespielt, mehr nicht. Es ist doch nichts passiert. Doch dann sagt man sich: Das ist eben Offenbach, das macht Offenbach aus. Aber damit musst du erstmal umgehen lernen.

Vor zwei Jahren haben Sie mit der U23 des MSV Duisburg vor 100 Zuschauern gespielt. Wie hat sich Ihr Leben seit dem Wechsel nach Offenbach verändert?

Das ist enorm. In Duisburg haben wir unsere Fußballklamotten jeden Tag selbst waschen müssen. Da habe ich mit meinem Bruder Jürgen, der bei den Profis spielte, in einer WG gewohnt und bin jeden Tag in die Wäscherei gefahren. In Offenbach dagegen fühlst du dich in diesem Umfeld schnell als richtiger Profi. Da musst du dir dann immer mal wieder in Erinnerung rufen: Du spielst Regionalliga. Vierte Liga.

Nach einem schwierigen ersten Jahr läuft es bei Ihnen und bei den Kickers glänzend. Was macht Sie und die Kickers so stark?

Für mich persönlich hat sich im zweiten Jahr vieles positiv verändert. Ich hatte ja nur einen Ein-Jahres-Vertrag. Da denkst du schon unterschwellig an deine Zukunft. Die Vertragsverlängerung war für mich ein großer Vertrauensbeweis, den ich mit Leistung zurückzahlen wollte. Geholfen hat mir auch, dass ich nicht mehr in einer Wohngemeinschaft mit einem Fußballer lebe, sondern mit meiner Freundin Laura in einer gemeinsamen Wohnung. Sie ist aus Freiburg hierhergezogen. Der OFC hat ihr geholfen, eine Stelle als Arzthelferin zu bekommen. Auch das ist alles andere als selbstverständlich.

Trainer Rico Schmitt spricht gerne davon, dass sein Team aus Spielern bestehe, die ihre letzte Chance in Richtung Profifußball wahrnehmen wollen. Haben auch Sie das so empfunden?

Absolut. Aus Verlierern oder mehr oder weniger Gescheiterten, die wir ja waren, sind nun Gewinner geworden. Aber es ist auch eine Wechselwirkung zwischen Verein und Spielern. Die Spieler haben dem Verein viel zu verdanken. Und die Kickers verdanken uns einiges.

Dabei hat die Saison richtig schlecht begonnen.

Das ist wahr. Und ich hatte große Bedenken, dass es wieder so läuft wie letzte Saison. Damals fehlte es uns lange an der Konstanz. Aber dann kamen einige wichtige Puzzleteile hinzu, etwa die Verpflichtung von Martin Röser, die uns und dem Konkurrenzkampf sehr gutgetan hat. Dann kam der Pokalsieg gegen Ingolstadt. Das 1:0 war der Knackpunkt der Saison. Danach lief es. Auch für mich. Ich hatte lange ein Problem damit, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe und dann zwei mäßige.

Das hat sich gravierend verändert. Wie haben Sie das abgestellt?

Ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, die einfachen Dinge richtig zu machen. Das macht die Klasse von Mittelfeldspielern wie Bastian Schweinsteiger aus. Er ist ein Fußball-Roboter. Er macht so gut wie nie Fehler. Und er will immer gewinnen. Oder Philipp Lahm: Der spielt in einer Saison gefühlt vier Fehlpässe. Ein gutes Beispiel ist auch der Mönchengladbacher Christoph Kramer: Im DFB-Pokal gegen uns ist er womöglich vielen nicht aufgefallen. Aber er hat gefühlt keinen Zweikampf verloren und keinen Fehlpass gespielt. So ein Roboter will ich auch werden.

Sie scheinen auf einem guten Weg. Ihr Trainer nennt Sie bereits das „Herzstück“ der Mannschaft. Welchen Anteil hat Rico Schmitt an Ihrem persönlichen Aufstieg?

Er hat großen Anteil. Vor allem hat er mir geholfen, umzudenken und es als Wert zu schätzen, das Einfache richtig zu machen. Er sagte oft zu mir: Der Pass in die Schnittstelle war gut, aber lass’ den Beinschuss vorher weg. Ich hatte früher Trainer, die umgekehrt dachten und sprachen. Seither merke ich, dass ich konstanter werde. Zudem gelingt es mir mittlerweile immer besser, schlechte Momente im Spiel schneller abzuhaken. Früher habe ich sehr lange daran geknabbert, wenn mir etwas nicht gelungen ist.

Welche Rolle hat Ihr Helm am Aufschwung?

Ach ja, der Helm (lacht). Seit dem 2:1 in der vergangenen Saison im Hessenpokal gegen Hessen Kassel habe ich ihn auf. Seitdem haben wir nur viermal verloren. Jeweils 0:1 gegen Mannheim, in Ulm und in dieser Saison im Hessenpokal gegen Kassel. Dazu kommt das 0:2 gegen Mönchengladbach. Beim 0:3 in Pirmasens hatte ich ihn nicht auf. Er ist also schon ein echter Glücksbringer. Als ich gegen Zweibrücken wegen einer Gelb-Sperre nicht spielen durfte, hat ihn Daniel Endres sogar in sein Tor gelegt. Das habe ich erst später erfahren.

Sie pflegen also auch weiterhin Ihr Image als Offenbachs Antwort auf Chelsea-Torwartlegende Petr Cech?

Mal abwarten (lacht). Mein Vater sagt ja immer: Zieh’ das Ding endlich aus! Aber ich denke, ich werde den Helm erst nächste Saison nicht mehr aufsetzen. Und dann werde ich ihn dem Fan-Museum schenken.

Sie wollen also in der 3. Liga ohne Helm für den OFC spielen?

Halt! Soweit sind wir noch lange nicht. Wir haben uns eine gute Position erarbeitet. Aber noch haben wir Platz eins und zwei nicht sicher. Und in den zwei Relegationsspielen ist alles möglich. Da entscheiden so viele Faktoren über Erfolg und Misserfolg.

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Was spricht für den OFC?

Vor allem der unbedingte Erfolgswille. Und wir haben gelernt, mit Druck umzugehen. Auch für mich selbst war das eine völlig neue Erfahrung: Egal, gegen wen du spielst, du bist Favorit.

Sie haben einen Vertrag bis 2016, der auch für die Regionalliga Gültigkeit besitzt. Sie haben sich aber mit Ihren Leistungen ins Schaufenster höherklassiger Klubs gespielt. Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Darüber denke ich gar nicht nach. Ich will mit dem OFC aufsteigen. Und wenn das klappt, kann ich mir nicht vorstellen, zu einem anderen Drittligisten zu wechseln. Klar: Als Profi musst du versuchen, das Beste herauszuholen, auch finanziell. Aber nicht um jeden Preis. Denn klar ist auch: Du musst dich in einer neuen Umgebung erstmal eingewöhnen.

In der Relegation warten der Meister aus Bayern, wahrscheinlich Kickers Würzburg, oder der Nordost-Gruppe, Zwickau oder Magdeburg. Wer ist Ihnen lieber?

Ich denke, dass beide Gegner schwer werden. Aber egal gegen wen: Wir werden das packen!

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