Interview mit Dieter Müller

„Neue machen es vielleicht besser“

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Dieter Müller tritt nach fast zwölf Jahren als Kickers-Präsident ab.

Offenbach - Im November 2000 stellte sich Dieter Müller als einziger Kandidat zur Wahl als Präsident der Offenbacher Kickers, die Tabellenletzter der Regionalliga waren und mit rund sechs Millionen D-Mark Schulden kurz vor dem Konkurs standen.

Dieter Müller, vor zehn Tagen haben Sie Ihren Rücktritt als Kickers-Präsident erklärt, schon bahnt sich ein Machtkampf an. Sind sie von dieser Entwicklung überrascht?

Ja, wie so viele. Es ist schade, wie sich das entwickelt hat. Ich hoffe, dass die Geschichte nicht eskaliert. Es sollte immer um den Verein gehen, nicht um persönliche Eitelkeiten.

Hätten Sie erwartet, dass der Posten als Präsident plötzlich so begehrt sein könnte?

Wäre uns der Aufstieg in die 2. Liga noch einmal gelungen, wäre ich wahrscheinlich noch im Amt. Aber wir haben es vier Jahre nicht geschafft, also muss man akzeptieren, dass andere Leute rankommen, die es vielleicht besser machen, die vielleicht erfolgreichere Akzente setzen. Wichtig ist, man sollte den richtigen Zeitpunkt, aufzuhören, nicht verpassen.

Haben Sie auch den Eindruck, dass Kickers Offenbach derzeit kein gutes Bild abgibt?

Den Eindruck kann man haben. Es sieht aus, als ob jeder versucht, sich zu profilieren. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, hängen an Positionen. Schade, dass das auf Kosten des Vereins und der Fans geht. Alle sollten sich besinnen und wieder auf den Fußball konzentrieren.

Wie konnte es zu dieser Entwicklung der letzten Tage kommen?

Wer Thomas Kalt kennt und Dr. Frank Ruhl kennen gelernt hat, der konnte ahnen, was sich abspielt. Da hat sich offenbar vieles hochgeschaukelt. Der Zeitpunkt ist jetzt zu Saisonbeginn natürlich äußerst unglücklich.

Was unterscheidet die beiden vom bisherigen Präsidenten Dieter Müller?

Ich bin ein ganz anderer Mensch. Ich brauche keine Macht.

Warum wollen Sie nicht mehr als Präsident der Kickers weitermachen?

Die Entscheidung ist einige Zeit gereift. Ich habe bei mir Verschleiß gespürt. Auf der letzten Mitgliederversammlung war deutliche Kritik zu spüren. Es gab Missstimmung im Stadion. Transparente gegen das Präsidium haben mich sehr nachdenklich gemacht. Ich glaube der Zeitpunkt, zu gehen, war richtig.

Nach der Abspaltung der Profi GmbH mit Thomas Kalt als Geschäftsführer vom Verein hatte man den Eindruck, dass Sie sich als Präsident aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen haben.

Der Eindruck stimmt. Eventuell habe ich mich da zu wenig eingebracht. Ich habe den Einfluss als Präsident nie so wahr genommen. Man kann mir eventuell vorwerfen, dass ich zu wenig Machtmensch bin. Aber ich bin dem Verein immer loyal gegenüber gestanden. So ist nun mal mein Charakter. Ob das richtig und erfolgreich ist, ist eine andere Frage.

Wie würden Sie die zwölfjährige Zusammenarbeit mit Thomas Kalt beschreiben?

Wir haben viele Jahre gute Arbeit geleistet. Als wir den Verein im Jahr 2000 übernommen haben, hätte uns niemand zugetraut, dass wir es so lange machen. Es gab sicher auch oft unterschiedliche Auffassungen, aber im Großen und Ganzen hat es gepasst. Nach dem Abstieg 2008 haben wir leider nicht mehr in die Erfolgsspur gefunden.

Wie schätzen Sie Präsidentschaftskandidat Dr. Ruhl ein?

Ich kenne ihn kaum. Es überrascht mich, dass er Thomas Kalt so unter Druck setzen konnte, dass Thomas erst zurücktritt und sich dann eine Kandidatur als Präsident überlegt. Da müssen Dinge vorgefallen sein, die ich nicht kenne.

Dabei hatte Kalt selbst Dr. Ruhl als Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen.

Da passt der Spruch aus Goethes Zauberlehrling ganz gut: Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.

Können die zwei verbliebenen Präsidiumsmitglieder Volker Eckrich und Horst Zang in den nächsten Wochen bis zur Jahreshauptversammlung den Verein zu zweit führen?

Die können das. Mit Jörg Hambückers hat man eine gute Lösung als Geschäftsführer gefunden, auch wenn das keine Dauerlösung sein sollte. Man muss so schnell wie möglich einen starken Mann finden, der den sportlichen Bereich in Zusammenarbeit mit Ramon Berndroth leitet. So ein Mann hat dem Verein immer gefehlt. Aber das ist auch eine Frage der Finanzen.

Wäre das sinnvoll, wenn die beiden Präsidiumsmitglieder jetzt einen zweiten Geschäftsführer einstellen, wenn eventuell in wenigen Wochen ein neuer Präsident kommt und ganz andere Vorstellungen hat.

Das will ich nicht beurteilen.

Thomas Kalt hatte vorgeschlagen, dass Sie Ehrenpräsident werden. Das wurde vom Ehrenrat abgelehnt. Wie groß ist Ihre Enttäuschung?

Die Begründung war, ich sei noch zu jung. Ich bin deshalb nicht traurig oder sauer. Ich will jetzt erst einmal etwas Abstand gewinnen.

Warum wurden Sie beim Stadioneröffnungsspiel gegen Leverkusen nicht wie vorgesehen in größerem Rahmen verabschiedet?

Da waren alle schon zu sehr mit sich selbst beschäftigt und der Rest ging dann eben ein bisschen unter. Ich muss sagen, die Art und Weise war schon etwas enttäuschend für mich.

Wie intensiv werden Sie in Zukunft die Offenbacher Kickers verfolgen?

Ich werde sicher das eine oder andere Spiel anschauen.

Werden Sie die Jahreshauptversammlung im Oktober besuchen?

Ich denke, da muss ich hin.

Und wen werden Sie als Präsident wählen? Thomas Kalt oder Dr. Ruhl?

Ich werde das beste Team für den OFC wählen.

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