163 Tore in 262 Spielen

Kein Kickers-Stürmer hat öfter als Gast getroffen

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Siggi Gast (Nummer 9) war neun Jahre lang Mittelstürmer der Offenbacher Kickers und ist immer noch der erfolgreichste Stürmer. Links der erste Offenbacher Nationalspieler Gerd Kaufhold. Eine Szene aus dem Oberligaspiel 1961 gegen den VfR Mannheim.

Offenbach - Die Offenbacher Kickers hatten viele gute Stürmer. Berti Kraus, Siggi Held, Erwin Kostedde, Rudi Völler, Dieter Müller, Uwe Bein, Walter Krause - alle Topstürmer. Aber an einen sind sie nicht herangekommen. Erfolgreichster Stürmer ist: Siggi Gast. Von Jochen Koch 

Der Mittelstürmer trug zwischen 1957 und 1966 das OFC-Trikot und erzielte in 262 Ligaspielen 163 Tore. Öfter hat nur Abwehr- und Mittelfeldspieler Hermann Nuber (164 Tore von 1953 bis 1969) getroffen. Heute feiert Gast 80. Geburtstag.

Als C-Jugendlicher wechselte Gast aus Mainflingen zu den Kickers nach Offenbach. Obwohl er einer der Kleinsten war, spielte er immer eine Jugendklasse höher bei den Älteren mit. Mit 17 Jahren hat ihn der legendäre Paul Oßwald zur ersten Mannschaft hochgezogen. 1956 hat er in der Oberliga debütiert. Es war damals die höchste Spielklasse und die Kickers hatten eine der besten deutschen Mannschaften. Gleich in seiner ersten Saison wurde Gast mit 20 Treffern Torschützenkönig. 1959 stand er mit gerade mal 20 Jahren als jüngster Spieler im Endspiel um die deutsche Meisterschaft in Berlin gegen Eintracht Frankfurt. Gast traf zum 3:4, am Ende verloren die Kickers 3:5. An der Seite von Berti Kraus, Gerd Kaufhold und Hermann Nuber entwickelte sich Gast zu einem der besten deutschen Stürmer, erzielte auch in den nächsten zwei Spielzeiten über 20 Tore, war Kapitän der U23-Nationalmannschaft und ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Sepp Herberger nominierte ihn für den 40er-Kader für die WM 1962. Sein Pech war, dass es damals mit Uwe Seeler einen noch besseren Stürmer gab.

Wie Seeler blieb auch Gast immer bei einem Verein, obwohl es einige Angebote gab. Herbergers ehemaliger Co-Trainer Albert Sing wollte ihn zu den Youngs Boys Bern holen. Gast arbeitete zu dieser Zeit als Metzger in Mainflingen, trainierte nur abends. In der Schweiz sollte er Profi werden. „Die haben das zehnfache Gehalt geboten“, berichtet Gast. Aber frisch verheiratet mit Ella entschied er sich gegen den Umzug.

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In die 1963 gegründete Bundesliga durften die Kickers damals nicht. In der Regionalliga Süd brachte es Gast in drei Jahren auf 69 Tore, aber der erhoffte Bundesligaaufstieg glückte nicht. Im Sommer 1966 nahm er viel zu früh Abschied vom Bieberer Berg, übernahm die elterliche Metzgerei und blieb als Spieler und Trainer noch 15 Jahre bei seinem Heimatverein TSG Mainflingen aktiv.

Sein Talent hat er weitergegeben. Sohn Thorsten ist (gemeinsam mit dem Gast-Kumpel Ferdi „Bomber“ Knecht) Rekordtorschütze der TSG Mainflingen, und Enkel Rouven ist Torjäger beim FC Bayern Alzenau. Beim OFC ist Siggi Gast regelmäßiger Tribünengast („Es wäre schön, wenn wieder bessere Zeiten kämen“) und seit vielen Jahren im Ehrenrat. Die Gratulanten zum 80. Geburtstag müssen sich etwas gedulden. Der topfitte Mainflinger ist vor ein paar Wochen mit seiner Frau Ella zu einer längeren Weltreise aufgebrochen und dürfte heute in China sein.

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