Klarer 3:0-Sieg

Kickers Offenbach gegen Balingen: Kessler lässt nach Pfiffen zur Pause Zahlen sprechen

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Der Moment der Erleichterung: Manolo Rodas erzielt mit seinem ersten Pflichtspieltreffer für den OFC das 1:0 gegen Balingen. 

Nach dem 3:0-Sieg gegen Balingen lässt OFC-Trainer Steven Kessler die Zahlen für sich sprechen. Er reagiert damit auf die Pfiffe zur Pause. 

Offenbach – Zweiter Heimsieg in Folge, drittes Spiel in Folge ohne Gegentor, Platz fünf - die Bilanz von Steven Kessler liest sich durchaus positiv. Genau darauf verwies der Interimstrainer der Offenbacher Kickers nach dem 3:0 (0:0) in der Fußball-Regionalliga Südwest gegen die TSG Balingen auch mit Nachdruck. „Ich halte es mit der Statistik: Sieben Punkte, sieben Tore, null Gegentore“, betonte der 44-Jährige. Er reagierte damit auf kritische Töne und vor allem auf Pfiffe zur Pause. Am Ende stand ein klarer Erfolg durch Tore von Manolo Rodas (47.), Moritz Hartmann (74.) und Matias Pyysalo (84.), der hochverdient war. Allzu groß war die Ausgelassenheit beim Offenbacher Anhang aber trotzdem nicht, weil die Ansprüche an das Team noch immer andere sind.

Der angekündigte Weg der vielen kleinen Schritte, den Kessler mit der Mannschaft bis zu seinem garantierten Arbeitsende am 7. Dezember gehen will, erweist sich weiterhin als steinig. Gegen die abstiegsbedrohten Balinger, die mit nur 15 einsatzfähigen Feldspielern angereist waren, taten sich die Offenbacher lange schwerer als nötig. Kessler, der im dritten Einsatz als verantwortlicher Coach erstmals die Startformation verändert hatte - Luigi Campagna rückte im zentralen Mittelfeld für Francesco Lovric ins Team -, sah wie die 4555 Zuschauer eine erste Hälfte mit Licht und Schatten.

Offenbacher Kickers agieren phasenweise zu sorglos gegen Balingen

Gegen mutig ihr Heil im Offensivspiel suchende Gäste agierte der OFC phasenweise zu sorglos, zuweilen taktisch falsch, weil zu tief stehend. Doch es gab eben auch flüssige Kombinationen wie jene in der 9. Minute, als Ronny Marcos mit seiner Flanke den völlig freistehenden Moritz Hartmann fand, der aber die Kugel am linken Eck vorbeiköpfte. 

Der Offenbacher Angreifer stand lange Zeit sinnbildlich für die hausgemachten Schwierigkeiten der Kickers, denen vor dem Tor die letzte Konsequenz fehlte. In der 28. und der 71. Minute hatte der 33-Jährige zwei weitere Riesenchancen, jeweils vom besten Offenbacher Feldspieler Manolo Rodas vorbereitet, freistehend ausgelassen. Auch Jakob Lemmer schoss aus kurzer Distanz volley drüber (24.).

OFC verschafft Balingen durch Nachlässigkeit gute Chancen

Zur Geschichte des Spiels gehörte aber auch, dass der OFC durch Nachlässigkeiten im Spiel gegen den Ball dem Tabellen-16. gute Chancen durch den früheren Offenbacher Zweitligaprofi Denis Epstein (29.), Lukas Foelsch (38.) und Daniel Seemann (53.) gewährte. In der 16. Minute hatten die Kickers Glück, dass Dominik Draband nicht Rot sah. Der insgesamt erneut stark agierende Torwart war weit aus dem Strafraum geeilt, um den frei auf ihn zulaufenden Daniel Seemann zu stoppen. 

Bei seiner Rettungstat war wohl auch die Hand im Spiel, was Schiedsrichter Nikolai Kimmeyer (Karlsruhe) aber nicht sah und dementsprechend nicht ahndete. „Eine knifflige Situation“, räumte Draband ein: „Ich hatte die Hand angelegt, habe den Ball zwischen Hüfte und Hand bekommen.“ Alle Balinger Proteste nutzten nichts, auch bei der Szene, die zum 1:0 für den OFC führte. Moritz Hartmann hatte im Zweikampf Marco Gaiser getroffen, der verletzt liegen blieb. Die Kickers spielten weiter. Lemmers Flanke erreichte Rodas, der zum 1:0 einschoss (47.).

Offenbacher Kickers: Gelb-Rote Karte für Balingen – Moritz Hartmann kann endlich jubeln

Der nicht immer glücklich agierende Schiedsrichter hatte auch in der 21. Minute für ungläubiges Staunen gesorgt, als er Ronny Marcos vor seiner verletzungsbedingten Auswechslung noch überraschend die Gelbe Karte zeigte. Unstrittig war dagegen die Gelb-Rote Karte für den Balinger Fabian Kurth (54.), der Nejmeddin Daghfous rustikal abräumte und so dessen Solo Richtung Tor verhinderte. „Danach war das Spiel auf unserer Seite“, meinte Kessler. Es dauerte aber bis zur 74. Minute, ehe die Entscheidung fiel. Und endlich durfte Hartmann doch noch jubeln. Nach Flanke von Lemmer traf er mit feinem Volleyschuss zum 2:0. 

Nach den drei ausgelassenen Großchancen zuvor war Hartmann die Erleichterung anzumerken. „Ich war glücklich, doch noch zu treffen“, räumte er ein. Der Routinier war schließlich auch am 3:0 beteiligt, als er an Balingens Torwart Julian Hauser scheiterte, Mattias Pyysalo aber den Nachschuss im Tor unterbrachte (84.). „Es war ein hochverdienter Erfolg“, meinte Hartmann, ordnete den dritten Heimerfolg der Saison gegen den Abstiegskandidaten aber nüchtern ein. „Es war ein Pflichtsieg.“

Trainer Steven Kessler hakte die Begegnung ebenfalls schnell ab und ließ die Statistik für sich sprechen. Er steht damit in der OFC-Historie der letzten zehn Jahre auf einer Stufe mit Wolfgang Wolf. Der Pfälzer hatte in der Drittliga-Saison 2009/10 in den ersten drei Partien ebenfalls sieben Punkte und 7:0 Tore geholt.

VON JÖRG MOLL

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