OFC-Spieler und eine Frauennationalmannschaft

Kontrast auf dem Trainingsgelände

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Konzentrierter Blick: Oliver Reck beobachtet seine Mannschaft bei einer Übungseinheit während des Spanien-Trainingslagers.

Chiclana - Bei Trinkpausen und nach Trainingsende ist es zu einem beliebten Ritual der Fußball-Profis der Offenbacher Kickers geworden: Am Zaun stehend, beobachten sie das Training der Schweizer Frauennationalmannschaft, deren Trainingslager heute zu Ende geht.

Was die Offenbacher dort verfolgen, ist durchaus beeindruckend. Und das nicht nur, weil dort hübsche junge Frauen richtig gut mit dem Ball umgehen. Auch die Intensität ist oft enorm. Und die Ansagen der Trainerin. Martina Voss-Tecklenburg, als Spielerin viermalige Europameisterin mit der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes, gibt lautstark Anweisungen, greift bei Fehlern der Schweizerinnen, darunter Ana-Maria Crnogorcevic (FFC Frankfurt), konsequent ein.

Die 50-Jährige kann dann schon mal richtig deutlich werden und sorgt damit für erstaunte Gesichter bei den Zaungästen. „Als Sechser mit der Hacke zu spielen, ist nicht angebracht“, ist noch eine der harmloseren Kritiken. Akribisch erklärt sie auch Spielerinnen, die bei Topclubs wie dem FC Chelsea, VfL Wolfsburg oder Turbine Potsdam unter Vertrag stehen, bis ins Detail die Übungen. Sie korrigiert kleinste Stellungsfehler, führt die Alternativen oft selbst aktiv vor. Und sie ist extrem schlagfertig. „Lasst euch nicht von testosterongesteuerten jungen Männern ablenken“, fordert sie ihre Spielerinnen mit einem Grinsen auf.

Ganz anders gehen OFC-Cheftrainer Oliver Reck und sein Assistent Joti Stamatopoulos, die seit Februar 2016 beim Fußball-Regionalligisten im Amt sind, auf dem Trainingsplatz vor. Reck erklärt im Vorfeld mit klaren Ansagen, welche Übung als nächstes ansteht. Augenscheinlich kennen die Spieler die Übungen, es bedarf zumindest keiner weiteren Erklärungen oder gar Vorführungen. Korrekturen bei Fehlverhalten sind eher die Ausnahme. Kritische Worte in großer Runde kommen Reck und seinem Assistenten so gut wie nie über die Lippen. Wenn, dann stehen sie kurz mit den betreffenden Spielern zusammen und führen Einzelgespräche. Auffällig ist stattdessen, wie sehr sie Aktionen lautstark und positiv moderieren. „Stark gemacht“, „super“, „jawohl, so geht das“ - so oder so ähnlich hört sich das tägliche Mantra der Offenbacher Trainer an.

OFC im Winter-Trainingslager in Spanien: Bilder

Ist das eine Coaching nun richtig oder das andere falsch? Weder noch. Die Wahrheit, so schlimm die Floskel auch klingen mag, wird auf dem Platz liegen. Geprägt hat diesen Satz übrigens Otto Rehhagel, langjähriger Trainer von Oliver Reck beim SV Werder Bremen.

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