Streitwert für Neun-Punkte-Abzug festgelegt

OFC muss 18.000 Euro Gerichtsgebühr zahlen

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Kämpferisch: OFC-Präsident Helmut Spahn kündigte bei der Mitgliederversammlung im Falle einer Niederlage vor dem Schiedsgericht den Gang vor ein ordentliches Gericht an.

Offenbach - Der Streitfall um den Neun-Punkte-Abzug der Offenbacher Kickers als Strafe für die Insolvenzanmeldung entwickelt sich zum Ärgernis. Die Vorgehensweise des Ständigen Schiedsgerichts der Fußball-Regionalliga Südwest sorgt für große Irritationen bei den Kickers. Von Jörg Moll 

„Ich bin angefressen“, räumte Präsident Helmut Spahn ein. Drei Aspekte stören den Aufsichtsratsvorsitzenden der Profi GmbH: der Zeitraum von der Klageeinreichung bis zur Antwort, die Art der Kommunikation und die Höhe des Streitwertes. Der OFC hatte am 6. Oktober eine erste schriftliche Klage beim Ständigen Schiedsgericht der Regionalliga Südwest unter Vorsitz von Dietmar Artzinger-Bolten (Köln) eingereicht. Darin beruft er sich auf eine nicht eindeutige Formulierung in den Statuten. In der Regionalliga Südwest kommt der Punktabzug bei Anmeldung der Insolvenz zur Geltung. Weil eine Rücknahme des Insolvenzantrags nicht definiert sei, sind die Kickers der Auffassung, dass der Punktabzug nicht rechtens ist. Am 13. und 21. Oktober gingen zwei ergänzende Schriftstücke in der Kanzlei des ehemaligen Präsidenten des 1. FC Köln ein. Doch erst am 23. November lag Artzinger-Boltens Antwortschreiben vor.

Der Inhalt sorgte bei Spahn für Verwunderung. „Wir hatten eine mündliche Vereinbarung mit der Regionalliga Südwest über den Streitwert“, sagte der Kickers-Präsident. Demnach sollte sich dieser auf maximal 15 000 Euro belaufen. Dieser Streitwert bildet die Bemessungsgrundlage für die Verfahrenskosten. Artzinger-Bolten bezifferte den Wert nun aber auf 150.000 Euro. Auf die Kickers kommen damit Kosten in Höhe von rund 18.000 Euro zu, die sie bis zum 15. Dezember vorlegen müssen. „Wir sind einer Insolvenz entkommen, da hat man keine 500.000 Euro auf dem Konto“, ärgerte sich Spahn. Gleichwohl kündigte er an, die Summe zu überweisen. Bekommt der OFC Recht, erhält er das Geld zurück.

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Die Verfahrenskosten werden auf Grundlage des Gerichtskostengesetzes ermittelt. Unter anderem werden für die Beisitzer des Schiedsgerichts, Volker Berghäuser (früher Vizepräsident des SV Wehen Wiesbaden) und Oberstaatsanwalt a.D. Heinz-Wilhelm Fink (Koblenz), zusammen rund 10.500 Euro Aufwandsentschädigung kalkuliert, der Aufwand des Vorsitzenden wird mit rund 5800 Euro taxiert. Dazu kommen 1700 Euro für sonstige Verfahrenskosten. Berghäuser vertritt dabei laut Statuten die Interessen des Vereins, Fink jene der Regionalliga Südwest. Zwischen Berghäuser und dem OFC gab es bislang aber keinerlei Gespräche, so Spahn: „Ich kenne ihn gar nicht.“

Im Schreiben Artzinger-Boltens wird angesichts der Bedeutung des Falls und der Tragweite eine mündliche Verhandlung angekündigt. Auch das wundert Spahn: „Wir haben unsere Klage eingereicht, was gibt es da noch mündlich zu verhandeln?“ Spahn wittert einen Deal zur Gesichtswahrung. Aber es könne kein Deal entgegen dessen sein, was in den Statuten festgeschrieben sei.

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