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Viermal in Folge sieglos: Klares Statement zu Interimscoach Kessler 

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Einsames Krisengespräch: Kickers-Präsident Joachim Wagner und das Trainerteam zehn Minuten nach der 0:2-Niederlage und dem deprimierenden Auftritt gegen Aufsteiger Bayern Alzenau. Foto: KOCH

Die Kickers Offenbach sind zum zweiten Mal vier Spiele in Folge sieglos. Geschäftsführer Andreas Herzog positioniert sich klar zu Interimstrainer Steven Kessler. 

Offenbach – Die 100 Alzenauer Fans bejubelten im Gästeblock des Offenbacher Stadions noch ihren historischen 2:0-Sieg über die Kickers. Die meisten der 5595 Zuschauer hatten sich längst desillusioniert und maßlos enttäuscht auf den Heimweg gemacht. Die Offenbacher Spieler saßen frustriert in der Kabine. Vier Männer standen auf dem ansonsten leeren Spielfeld noch zehn Minuten nach dem deprimierenden 0:2 in einsamer Runde zusammen und versuchten, das soeben Erlebte zu analysieren. Präsident Joachim Wagner und das Trainerteam suchten nach Erklärungen für den Absturz des OFC von Platz eins auf Rang zehn, und nach Lösungen, wie man diesen Niedergang in die Abstiegszone schnellstens stoppen könnte.

Das Ergebnis der ersten Analyse und auch nach vielen Gesprächen am Wochenende ist so einfach wie ernüchternd. Weiter so.

Dabei war wohl jedem am Freitagabend nach der desolaten Leistung der Kickers klar: Es muss etwas geschehen. Die Mannschaft wirkte bei allem Eifer leblos und uninspiriert. Die Alzenauer waren mit einem klaren Plan ausgestattet, besser organisiert, willensstärker, in den Zweikämpfen bissiger und wirkten in der zweiten Halbzeit frischer. Die Kickers waren feldüberlegen, aber alles andere als gefährlich. Eine Einzelaktion von Maik Vetter (44.) hätte einen Treffer verdient gehabt. Ansonsten: keine Spielidee, nur Ungenauigkeiten beim Passspiel und bei Flanken, und entweder schlecht oder gar nicht abgestimmte Laufwege.

Trainerwechsel bei Kickers Offenbach (OFC) ist wirkungslos verpufft

Der Trainerwechsel von Daniel Steuernagel (14 Punkte in neun Spielen) zu Steven Kessler (acht Punkte in sieben Spielen) ist wirkungslos verpufft. Was nicht allein an Kessler liegt. Der im Profibereich unerfahrene 44-Jährige musste in die undankbare Rolle eines Interimstrainers schlüpfen und erhält von seinen überwiegend sehr erfahrenen Spielern kaum Unterstützung. Die Kickers schaffen es seit Wochen nicht, die Summe der individuellen Qualitäten zu einer vernünftigen Mannschaftsleistung zu formen.

Dazu kommen taktische Unzulänglichkeiten, Disziplinlosigkeit und Formschwächen. Die Variante mit der Doppel-Sechs Campagna/Weil limitiert das Aufbauspiel mit dem Ball. Die Spitzen Shala und Hartmann werden entweder nicht eingebunden oder können die wenigen Bälle, die sie erhalten, nicht festmachen oder verwerten. Im Spiel gegen den Ball agieren die Kickers erschreckend nach- und fahrlässig, lassen ihren Gegnern viel zu viel Raum.

Kickers Offenbach (OFC): Vier sieglose Spiele in Folge 

Zum zweiten Mal in dieser Saison leistete der OFC sich vier sieglose Spiele (1 Punkt/3:12 Tore). Nach der ersten Negativserie musste Steuernagel seinen Platz räumen. Sein Nachfolger darf weitermachen. Der von der U19 ausgeliehene Trainer (ohne Kessler ist der Bundesliga-Nachwuchs sieglos!) soll die Profis aus der Krise führen. „Wir sind natürlich nicht happy, aber es wird keinen blanken Aktionismus geben. Steven Kessler wird auch am Samstag in Gießen auf der Bank sitzen“, sagte Geschäftsführer Andreas Herzog.

Der Plan der Verantwortlichen, erst in der Winterpause einen Trainer mit Perspektive zu verpflichten, wird jetzt zur Gefahr. Bis zur Winterpause stehen für den OFC (10./22 Punkte) vier Ligaspiele gegen ebenfalls am Rand der Abstiegszone platzierte Teams (in Gießen/16, in Ulm/22, gegen Freiburg/21 und in Aalen/20) und ein Hessenpokalspiel (in Alzenau) an. Viermal müssen die Kickers auswärts antreten. Der letzte Sieg in der Fremde gelang am 18. August in Hoffenheim.

Kickers Offenbach (OFC) wollen eine nachhaltig gute Lösung finden

Der Druck vor der Sitzung des Aufsichtsrates ist enorm gestiegen. „Natürlich werden wir dabei grundsätzlich das Thema Trainer besprechen. Das hat aber nichts mit dem Spiel am Freitag zu tun. Es gibt eine Idee, diesen Verein für die Zukunft zu präparieren. Wir müssen eine nachhaltig gute Lösung präsentieren“, sagte Herzog.

Das könnte bedeuten, dass man sich mit einem neuen Trainer einig ist, der jedoch noch unter Vertrag steht, beziehungsweise eine Abfindungsregelung mit seinem bisherigen Verein treffen muss, und erst ab 1. Januar 2020 verfügbar ist. Wobei der Alzenauer Trainer Angelo Barletta offenbar von der Kandidatenliste gestrichen wurde. „Wir haben mit Barletta bisher nicht gesprochen“, sagte Herzog. „Es gibt die eine oder andere Option. Wir werden das mit den Gremien gemeinsam entscheiden.“

Von Jochen Koch

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