Spieler kehrt zu seinen Wurzeln zurück

Niklas Hecht-Zirpel: „Bei einem überragenden Klub gespielt“

„Der OFC hat die besten Fans der Liga“, sagt Niklas Hecht-Zirpel. Seit 2018 kam der Offensivspieler für die Offenbacher Kickers 47 Mal in der Regionalliga Südwest zum Einsatz, erzielte dabei sechs Tore und bereitete drei vor.
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„Der OFC hat die besten Fans der Liga“, sagt Niklas Hecht-Zirpel. Seit 2018 kam der Offensivspieler für die Offenbacher Kickers 47 Mal in der Regionalliga Südwest zum Einsatz, erzielte dabei sechs Tore und bereitete drei vor.

Dass er nach Maik Vetter der dienstälteste Profi im Kader der Offenbacher Kickers war, darüber musste Niklas Hecht-Zirpel selbst etwas schmunzeln. Schließlich verlässt der 26-Jährige den Fußball-Regionalligisten nach gerade mal drei Jahren.

Offenbach – Der technisch versierte Offensivspieler, der in Offenbach keinen neuen Vertrag angeboten bekam, kehrt zurück zu den Wurzeln, kickt künftig wieder für seinen Heimatverein FC Nöttingen (Oberliga Baden-Württemberg).

Tschüss Profitum, willkommen Amateurlager mit Trainingsbeginn um 18 Uhr. „Das kann ich besser mit meinem Studium vereinbaren“, erklärt Hecht-Zirpel, der in Sportmanagement an einer Fernuniversität eingeschrieben ist. „In Offenbach war das schwieriger mit Training morgens und mittags.“

Es ist eine bewusste Entscheidung eines klugen, eher introvertierten, aber selbstreflektierten jungen Mannes. „Ich weiß, dass es als Profi nichts mehr wird, dafür bin ich mit fast 27 Jahren zu alt“, sagt er ohne Groll: „Aber ich bin so glücklich, wie es gekommen ist.“

Nach drei Jahren und 48 Pflichtspieleinsätzen (sechs Tore, drei Vorlagen) schlug er Anbebote von Regionalligisten aus, kehrt stattdessen ins beschauliche Nöttingen zurück. Zu dem Klub, bei dem er bereits vor dem Ausflug in eine andere Welt stets gespielt hatte. „Es wird wie ein Nach-Hause-Kommen sein. Viele Freunde spielen noch dort, mit Co-Trainer Reinhard Schenker habe ich noch selbst gekickt“, sagt Hecht-Zirpel.

Mit nach Hause nimmt er einen Schatz an Erfahrungen. „Ich habe bei einem überragenden Klub mit den besten Fans der Liga gespielt“, sagt Hecht-Zirpel. Aber auch bei einem Traditionsverein, zu dessen Streben nach einer Rückkehr in höhere Gefilde eine immer größere Ungeduld und damit einhergehend eine höhere Fluktuationstaktung im Kader gehört.

Hecht-Zirpel, der in Nöttingen mit einem Pokaltor gegen den FC Bayern München zu flüchtiger bundesweiter Berühmtheit gelangte, kam vor drei Jahren mit großen Erwartungen nach Offenbach. Schon im zweiten Einsatz hatte er sein größtes Erlebnis in drei Jahren. Beim ersten Heimspiel vor knapp 6500 Zuschauern steuerte er zum 2:0 gegen den TSV Steinbach Haiger ein Tor und eine Vorlage bei. „Das war natürlich ein perfekter Einstand“, erinnert er sich.

Im Jahr eins nach dem Neun-Punkte-Abzug lief es lange ziemlich perfekt. Die Kickers waren bis zur Winterpause aussichtsreich im Rennen um die Relegationsränge. Trainer Oliver Reck und dessen Assistent Joti Stamatopoulos setzten auf die Qualitäten des Mannes mit dem ausgeprägten Feingefühl im rechten Fuß: „Ich habe das Vertrauen gespürt.“ Doch es sollte nicht so weitergehen. Verletzungen bremsten ihn in der Rückrunde lange aus, dazu brach der OFC ein. Reck musste gehen - und Hecht-Zirpel eine völlig neue Erfahrung machen. „Ich musste damit klarkommen, dass ein Trainer kam, der gar nicht auf mich stand, damit hatte ich zu kämpfen“, erklärt er mit Blick auf die Ära Daniel Steuernagel. Doch er kämpfte, holte vermeintliche läuferische Defizite auf - und blieb doch oft außen vor.

Auch in der vergangenen Saison, in der er am 23. und coronabedingt letzten Spieltag seinen neunten und letzten Einsatz absolvierte. Vier Minuten beim 2:0-Sieg in Elversberg. Während der Corona-Pause teilte ihm Geschäftsführer Thomas Sobotzik mit, dass er keinen neuen Vertrag erhalte. Hecht-Zirpel nahm es hin, wie es seinem Wesen entspricht: gefasst, reflektiert - und ohne großes Getöse. „Der OFC und Thomas Sobotzik haben uns gerade in der Corona-Zeit fair behandelt“, lobt er stattdessen. Auch Trainer Angelo Barletta und seinem Stab attestiert er einen fairen Umgang. „Es wird kein Abschied für immer, eher ein ‘Auf bald’ sein“, betont er: „Ich möchte mir schon bald Spiele des OFC ansehen.“

Vielleicht ja gemeinsam mit Sebastian Brune. Der frühere Torwart, der seine Karriere beendet hat, ist in der gemeinsamen Zeit in Offenbach zum Freund geworden. „Auch zu den anderen hatte ich stets einen guten Draht, wir hatten immer richtig gute Charaktere“, sagt Hecht-Zirpel. Und weil er das so schätzte, fuhr er, obwohl längst freigestellt vom Training und zudem angeschlagen, nochmals nach Offenbach, um sich von den Mitspielern zu verabschieden. Ein stilvoller Abgang. VON JÖRG MOLL

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