Urteil gefallen

Bewährungsstrafen für Ex-Geschäftsführer der Kickers

Darmstadt/Offenbach - Nach gut einer Woche ist der Prozess gegen die Ex-Geschäftsführer der Offenbacher Kickers beendet. Gegen zwei der drei Männer werden Bewährungsstrafen verhängt. Der Dritte bleibt frei von Vorstrafen.

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Das Landgericht Darmstadt hat am Mittwoch die geständigen ehemaligen Geschäftsführer der 2013 in Insolvenz gegangenen Offenbacher Kickers GmbH zu Bewährungsstrafen verurteilt. Thomas Kalt(56), Geschäftsführer von 2010 bis Juli 2012, wurde wegen Verstoß gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, Betrug und Insolvenzverschleppung zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er muss zudem 10.000 Euro Bewährungsauflage zahlen. Jörg Hambückers (50), Finanz- und Lohnbuchhalter der GmbH und Geschäftsführer von Juli 2012 bis 31. Oktober 2012, wurde wegen Verstoß gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, Insolvenzverschleppung und Steuerhinterziehung zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Er muss 5000 Euro Bewährungsauflage zahlen.

Das Verfahren gegen den bei Prozessbeginn vor zwei Wochen ebenfalls angeklagten David Fischer (34), letzter Geschäftsführer vor der Insolvenz, war gegen Zahlung von 10.000 Euro Geldauflage eingestellt worden. David Fischer ist damit, im Gegensatz zu Thomas Kalt und Jörg Hambückers, nicht vorbestraft.

Die Angeklagten seien geständig gewesen, bislang strafrechtlich nicht aufgefallen und hätten eine gute Sozialprognose, erklärte das Gericht die Strafen. Das Urteil basiert auf einer Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Angeklagten und Verteidigern. "Die Geständnisse haben das Verfahren beschleunigt", sagte der Vorsitzende Richter Marc Euler. "Die Vorwürfe wären aber auch leicht zu belegen gewesen", fügte er mit Blick auf die umfangreichen Ermittlungsakten an.

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Das Gericht hatte ursprünglich fast 20 Verhandlungstage bis Mitte Dezember terminiert. Für die Wirtschaftskammer des Landgerichts waren die sogenannten Investorenverträge das gravierendste Delikt. Die GmbH hatte rund 200 Zertifikate mit Werten zwischen 100 und 30.000 Euro verkauft und so 221.000 bekommen. Die Zertifikate sollten, je nach Liga, mit bis zu sieben Prozent verzinst und später auch zurückgezahlt werden. Die Geschäfte verstießen jedoch gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, denn für diese Zertifikate hätte die GmbH eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) benötigt.

Was die Bafin auch angemahnt hatte, erinnerte der Vorsitzende Richter. Aber die Geschäftsführer hätten nur unzureichend (in der Mitgliederzeitschrift und auf der Website) auf das Totalverlustrisiko hingewiesen und einfach weitergemacht. Dass sich nur ein Anleger betrogen fühlte, führte das Gericht darauf zurück, dass überwiegend Fans und OFC-Freunde dieses Zertifikat gekauft hatten.  (dpa)

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