Dauerbrenner Draband

Kickers Offenbach: Mittelmäßig, unfair, aber sehr beliebt

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5 859 Zuschauer kamen diese Saison bislang im Schnitt zu den Heimspielen des Offenbacher Kickers. Das ist wieder mal Bestwert in der Regionalliga Südwest. Eine Festung ist das Stadion auf dem Bieberer Berg allerdings nicht. 

Sportlich sind die Kickers Offenbach derzeit nur Mittelmaß. In anderen Kategorien erzielt der OFC aber Spitzenwerte.

Offenbach – Sportlich sind die Kickers Offenbach als Tabellenzehnter der Fußball-Regionalliga Südwest derzeit lediglich Mittelmaß, wobei der Vorsprung auf den ersten potenziellen Abstiegsrang bloß drei Punkte beträgt. In einer Kategorie ist der OFC sogar Vorletzter, während er in einer anderen zu den Top-Drei aller Regionalliga-Staffeln gehört. Die Halbjahresbilanz:

Kickers Offenbach (OFC): Spitze bei den Zuschauern

ZUSCHAUER

Einsame Spitze ist der OFC wieder mal bei den Zuschauern. 52.731 kamen laut offiziellen Angaben der Regionalliga Südwest zu den neun Heimspielen, im Durchschnitt also 5 859. Saarbrücken (3 220) und Aalen (2 246), die auf den Plätzen zwei und drei folgen, kommen zusammen nicht auf diesen Wert. Im Vergleich aller fünf Regionalliga-Staffeln ist der OFC Dritter – hinter RW Essen (10 660) und Energie Cottbus (6 044), die allerdings jeweils um den Titel spielen. Kalkuliert hat der OFC im Etat – wie in der vergangenen Saison – mit einem Schnitt von rund 5500 Zuschauern.

SERIEN

Die Kickers blieben in den ersten fünf Spielen unbesiegt, holten dabei 13 von 15 möglichen Punkten. Die Mannschaft bewies gleich mehrfach Moral, drehte Spiele teilweise sogar in Unterzahl. Für alle Partien galt aber, was wir bereits am zweiten Spieltag geschrieben hatten: Es fehlte die spielerische Leichtigkeit. An den Spieltagen sechs bis neun holte der OFC bloß einen Zähler – gegen Pirmasens (0:0). Die Topteams Elversberg (0:3), Homburg (1:2) und Steinbach (0:1) waren eine Nummer zu groß. Trainer Daniel Steuernagel, dessen Assistent Max Lesser sowie Sportdirektor Sead Mehic wurden daraufhin beurlaubt. 

Unter Interimscoach Steven Kessler ging es zunächst bergauf – mit sieben Punkten gegen die Kellerkinder Koblenz (4:0), FSV Frankfurt (0:0) und Balingen (3:0). Es folgte abermals ein Einbruch: Sechsmal blieb der OFC sieglos, schaffte nur zwei Unentschieden. Im letzten Heimspiel des Jahres gelang immerhin ein 3:1 gegen den SC Freiburg II. Damals stand bereits fest, dass Angelo Barletta neuer Coach werden würde. Sein Debüt im Hessenpokal-Viertelfinale misslang. Der OFC scheiterte mit 0:1 am FC Gießen.

Kickers Offenbach (OFC): Torwart Dominik Draband mit maximaler Einsatzzeit

DAUERBRENNER

Nur Torwart Dominik Draband brachte es in der Liga auf die maximale Einsatzzeit von 1710 Minuten. Von den Feldspielern stand auch Nejmeddin Daghfous in allen 19 Partien auf dem Platz, er verbucht aber aufgrund von Ein- (2) und Auswechslungen (9) nur 1402 Minuten Einsatzzeit. Zwischen Draband und Daghfous liegen Maik Vetter (1549), Ronny Marcos (1460) und Luigi Campagna (1436). Der Kurzarbeiter im Kader ist Julian Scheffler, der es auf einen Einsatz über 40 Minuten in der Begegnung beim FC Gießen bringt. In der Liga ohne Einsatz sind Ersatztorwart Mario Seidel und der lange verletzte Leonidas Tiliudis. Am häufigsten eingewechselter OFC-Spieler ist Matias Pyysalo, der bei acht seiner 13 Einsätze von der Bank kam und als Joker ein Tor und eine Vorlage beisteuerte – beim 3:0 gegen Balingen.

TORJÄGER

Das Toreschießen ist bisher ein Manko der Kickers. In 19 Spielen trafen sie erst 24-mal, lediglich fünf Teams weisen eine schwächere Quote auf. Bester Schütze des OFC ist mit sechs Treffern Nejmeddin Daghfous, der damit ligaweit den 14. Platz belegt. In der internen Rangliste folgen Moritz Hartmann (4), Andis Shala, Francesco Lovric (beide drei), Moritz Reinhard, Matias Pyysalo (beide zwei), Manolo Rodas, Marco Schikora, Jakob Lemmer und Richard Weil.

VORBEREITER

Ein Grund für die magere Torquote: Das Flügelspiel, das vor der Saison eigentlich belebt werden sollte, lahmt. Bei Standardsituationen strahlen die Kickers ebenfalls wenig Gefahr aus. Bezeichnend: Der beste Vorbereiter ist Manolo Rodas, dem drei seiner insgesamt vier „Assists“ beim 4:0 gegen Schlusslicht Koblenz gelangen. In der Folgezeit steuerte er keine Vorlage mehr bei, kam in den letzten drei Pflichtspielen 2019 nicht mehr zum Einsatz. Je zwei Tore bereiteten die ebenfalls auf den Außenbahnen eingesetzten Maik Vetter, Marco Schikora und Jakob Lemmer sowie Defensivmann Richard Weil vor.

Kickers Offenbach (OFC): Vorletzte in Fairplay-Tabelle der Regionalliga Südwest

KARTENSAMMLER

Die Kickers sind gewiss keine Treter-Truppe, die mit harter Gangart versucht, die Gegner einzuschüchtern. Gleichwohl belegen sie in der Fairplay-Tabelle der Regionalliga Südwest nur den vorletzten Rang – vor der TSG Balingen. Zu 51 Gelben Karten gesellen sich fünf Platzverweise. Alleine Gerrit Gohlke sah zweimal Rot, sein Nebenmann in der Innenverteidigung, Kevin Pezzoni, einmal. Mit Gelb-Rot vom Platz flogen Lucas Albrecht sowie Moritz Hartmann. Jeweils wegen der fünften Gelben Karte schon eine Partie pausieren mussten Marco Schikora, Manolo Rodas, Maik Vetter (alle fünf) und Luigi Campagna (7), der die Liste der Verwarnungen anführt. Unmittelbar vor einer Gelbsperre stehen Ronny Marcos und Nejmeddin Daghfous.

HEIM-/AUSWÄRTSBILANZ

Trotz der beeindruckenden Zuschauerzahlen sind die Kickers in der Heimtabelle nur Zehnter – mit 14 Zählern aus neun Spielen (vier Siege, zwei Unentschieden, drei Niederlagen) bei 14:10 Toren. Zum Vergleich: Saarbrücken, Spitzenreiter in dieser Kategorie und in der Gesamt-Tabelle, holte 28 Punkte, obwohl es seine Heimspiele aufgrund des Stadionneubaus weiterhin in Völklingen austragen muss. In der Auswärtstabelle ist der OFC ebenfalls Zehnter – mit zwölf Zählern aus zehn Spielen (drei Siege, drei Remis, vier Niederlagen) bei 10:15 Toren. Das Maß der Dinge ist hier Elversberg (26 Punkte aus elf Spielen).

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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