Ausschreitungen vor 25 Jahren

OFC-Ehrenpräsident verhinderte auf der Mülltonne schlimmeres Chaos

Kickers-Ehrenpräsident Waldemar Klein beruhigt auf einer Mülltonne stehend die wütenden Fans.

Die Situation an jenem 21. April 1995 war gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Kickers Offenbach - Spvgg. Unterhaching (0:2) eskaliert. 

  • Hitzige Situation am Bieberer Berg
  • Spieler und Trainer von Kickers Offenbach mit Eiern beworfen
  • Klein beruhigte die Menschen

Offenbach – „Hass, Wut, Vandalismus, Alkohol, Abstiegsnot - eine gefährliche Mischung hatte sich zusammengebraut“, beschrieb OP-Sportchef Erich Müller in seinem damaligen Bericht die Atmosphäre auf dem Bieberer Berg. Die Spieler und Trainer Wilfried Kohls wurden beim Gang in die Kabine mit Eiern und Gläsern beworfen. Vor dem Stadion wurde Krankenwagen am Wegfahren gehindert, im Presseraum wurde eine Scheibe eingeworfen. Eingangstüren gingen zu Bruch. Chaoten wollten den VIP-Raum stürmen.

Da ergriff einer die Initiative. „Einer war mutig. OFC-Ehrenpräsident Waldemar Klein. Er erhob sich vor der tobenden Menge, ging unter sie, verhinderte ein noch schlimmeres Chaos“, heißt es im Bericht von Erich Müller.

OFC: Klein beruhigte Hitzköpfe

Während andere Verantwortliche des Vereins über den Hinterausgang und das Nebenfeld von der Polizei aus der gefährlichen Zone geleitet wurden, stellte sich Klein vor dem Stadion im Regen den Unruhestiftern und beruhigte zuerst die schlimmsten Hitzköpfe. Die Wurfgeschosse wurden bei Seite gelegt. Dann kletterte der damals 75-Jährige, gekleidet im hellen Trenchcoat und dunklen Zweireiher, auf eine an der Stadionwand gelehnte Mülltonne, um sich besser Gehör zu verschaffen. In seiner ihm eigenen Art appellierte er mit einer emotionalen Rede an den Zusammenhalt der OFC-Familie, versuchte das Schlimmste zu verhindern. Und als Waldemar Klein dann, auf der Mülltonne stehend, das Kickers-Lied anstimmte und (fast) alle einstimmten, war das Schlimmste und die Randale an diesem Abend überstanden.

OFC: Hilfe aus Fan-Clubs

„Es war nicht so, dass mich Chaoten niederbrüllten, als ich schlichten wollte. Die Chaoten waren in der Minderheit“, sagte Klein am Tag danach. „Geholfen haben mir viele junge Menschen aus unseren Fan-Clubs, ohne sie hätte ich es nicht geschafft in dieser tobenden Menge.“

„So war er eben der Waldemar. Wenn es um seine Kickers ging, hat er nicht lange überlegt, sondern etwas getan. Wenn ich mir das Bild vor Augen führe: Waldemar mit 75 Jahren auf dieser wackeligen Blechtonne“, erinnert sich seine Frau Barbara heute mit einem Schmunzeln. „Ich kenne keinen, der so etwas in dieser Situation getan hätte. Er hat danach gesagt: Was hätte mir in meinem Stadion bei meinen Fans schon passieren sollen.“

VON JOCHEN KOCH

Unterdessen votiert OFC-Geschäftsführer Sobotzik weiterhin für Geisterspiele. Im Gespräch ist weiterhin eine Zweiteilung der 3. Liga. Wäre der OFC dann ein Kandidat dafür?

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